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Ausstrahlung am 15.05.2008 um 20:15 Uhr auf ARD(tsch) Commissario Brunetti hat die Zuschauer lange warten lassen. Vor mehr als anderthalb Jahren war der letzte neue Fall der "Donna Leon"-Reihe in der ARD zu sehen. Und das, obwohl vier weitere Filme bereits im Kasten sind. Aber man muss eben haushalten. Denn obwohl die fleißige Autorin seit 1993 im jährlichen Rhythmus einen Brunetti-Krimi veröffentlicht, wartet das noch flinkere Filmteam derzeit auf Nachschub. Zwei neue Ausflüge nach Venedig werden den rund sechs Millionen Zuschauern, die regelmäßig einschalten, nun aber den Frühling versüßen: Bevor das Erste am 22. Mai "Donna Leon: Blutige Steine" ausstrahlt, schlägt zunächst "Die dunkle Stunde der Serenissima".
Die titelgebende Lagunenstadt präsentiert sich mal wieder mit märchenhaftem und zugleich geheimnisvollem Charme. Wenn die Kamera kurz nach dem Beginn des Krimis bei traumhaftem Sommerwetter über die glitzernden Dächer und Kanäle hinwegzieht, muss der Zuschauer erneut erkennen: Venedig ist nicht nur ein Drehort - die Stadt ist die Hauptdarstellerin. Die unwirkliche Atmosphäre, die sie schafft, macht selbst einen routiniert, aber doch eher gemächlich inszenierten Krimi wie diesen allemal sehenswert.
In "Die dunkle Stunde der Serenissima" muss Commissario Brunetti, der von Uwe Kockisch nicht verkörpert, sondern gelebt wird, tief in die Vergangenheit Venedigs eintauchen. Kurz nachdem ihn die Studentin Claudia Leonardo (Rike Schmid) um Rat gefragt hat, wird die junge Frau erstochen aufgefunden. Sie wollte die Ehre ihres Großvaters wiederherstellen, der im Gefängnis starb. Als Offizier im faschistischen Italien kam er einst in den Besitz einer einzigartigen Gemäldesammlung. Durch Erpressung, wie ihm nach dem Zweiten Weltkrieg vorgeworfen wurde. Doch hat man ihn tatsächlich zu Unrecht beschuldigt, wie Claudia glaubte? Der Bibliothekar Maxwell Ford (Axel Milberg) hatte kurz vor ihrem Tod plötzlich ein Dokument entdeckt, das die Unschuld des Mannes beweisen soll. Musste die Studentin sterben, weil sie der Wahrheit über ihren Großvater auf der Spur war?
Wie so oft glänzt auch diese "Donna Leon"-Verfilmung mit hochkarätigen Gastdarstellern. Neben Axel Milberg und Bettina Zimmermann überzeugt vor allem Katrin Sass als gehörnte Ehefrau, deren tragisches Schicksal wohl vor keiner anderen Kulisse so herrlich theatralisch zur Geltung kommen könnte. Wem das alles zu schwermütig ist, für den wurden auch in dieser Brunetti-Folge wieder einige Comic Reliefs eingebaut. Ein Vice-Questore (Michael Degen) als Feng-Shui-Fanatiker wird aber wohl nicht nur dem Commissario selbst zu albern sein, der mit Blick aus dem Fenster sarkastisch kommentiert: "Sie wissen schon, dass ein Bach oder Fluss vor dem Gebäude äußerst ungünstig ist. Wir müssen wohl umziehen."