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Simone Thomalla: Ermitteln mit dem Ex

2/05/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Simone Thomalla, Freundin von Ex-Schalke Manager Rudi Assauer und einem breiten Publikum bekannt aus der Bierwerbung, als neue Leipziger "Tatort"-Kommissarin? Klingt zunächst unpassend, ist es aber nicht. Zum einen ist die an der Ost-Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" ausgebildete Mimin tatsächlich gebürtige Leipzigern und damit fast schon ein Solitär im immer weniger heimatverbundenen "Tatort-Geschäft". Zum anderen weiß die 1965 geborene Thomalla in ihrer Rolle als selbstbewusste Kommissarin Eva Saalfeld zu überzeugen. Auch dank des lustvollen Gegensatzes zu ihrem großartigen Partner Martin Wuttke. Gemeinsam geben die Schöne und der Spröde das erste Ex-Ehepaar auf Mördersuche in Folge 700 des ewigen Kultformats "Tatort" ("Todesstrafe", So. 25.05., 20.15 Uhr, ARD).

teleschau: Sie wurden in Leipzig geboren, sind aber nicht dort aufgewachsen ...

Simone Thomalla: Richtig, nur meine ersten Lebensmonate verbrachte ich dort. Danach zog ich nach Potsdam. Trotzdem wohnte der Großteil meiner Verwandtschaft in Leipzig, was zu sehr regelmäßigen Besuchen führte. Meine Mutter war das jüngste von neun Kindern, und die Bindung an ihre Mutter war sehr eng - allein deshalb waren wir fast jedes Wochenende bei der Oma. Auch die meisten Ferien verbrachte ich dort. Leipzig ist schon so etwas wie eine zweite Heimat für mich.

teleschau: "Tatort"-Kommissar zu werden, ist ja schon eine Art Adelung für einen deutschen Schauspieler. Wie stolz sind Sie auf diese Rolle?

Simone Thomalla: Ich bin ein Mensch, der generell eher zum Tiefstapeln neigt. Insofern muss ich mich selbst dazu animieren, dass ich darauf auch ein bisschen stolz sein darf. Wenn ich mir anschaue, wer in den letzten Jahrzehnten "Tatort"-Kommissare gespielt hat, dann sind das einfach wunderbare Kollegen. Vielleicht einmal mit Leuten wie Götz George oder Maria Furtwängler in einem Atemzug genannt zu werden, da kann ich mich schon glücklich schätzen ...

teleschau: Was war zuerst da, Ihre Rolle oder der Plan, dass Sie die neue Leipziger Kommissarin werden sollen?

Simone Thomalla: Das weiß ich nicht. Bereits vor zwei Jahren kam der MDR auf mich zu und sagte: Wir müssen mal wegen "Tatort" reden. Damals dachte ich: Komisch, wenn man im "Tatort" mitspielen soll, wird man doch normalerweise über die Agentur angefragt. Damals wusste ich noch nicht, dass es um die Rolle der Kommissarin ging.

teleschau: Und Ihr Partner Martin Wuttke?

Simone Thomalla: Der MDR und ich sind gemeinsam auf Männersuche gegangen, und es wurden viele Castings durchgeführt. Am Ende ist die Wahl auf Martin Wuttke gefallen. Nicht weil die anderen schlecht waren, sondern weil es in dieser Konstellation irgendwie besonders geknistert hat.

teleschau: Wenn man Sie beide so sieht, würde man nicht auf die Idee kommen, dass Sie mal was miteinander hatten ...

Simone Thomalla: Genau darin liegt der Reiz. Ich finde diese Entscheidung auch sehr mutig, einmal nicht auf diese typischen Klischeepaare zu setzen: Dunkle Frau, blonder hübscher Mann dazu und so weiter. So etwas ist ja ziemlich weich gespült und hat mit dem wirklichen Leben wenig zu tun. Wie oft gibt es dort Paare, die man für eher unwahrscheinlich hält? Martin ist ein sehr markanter Mensch - einer, bei dem man nicht sofort weiß: Ist er lieb oder böse? Wir haben uns getroffen, und es hat sofort gepasst. Vielleicht hätte ich mein Veto einlegen können, wenn sie mir jemanden ausgesucht hätten, mit dem ich mich nicht wohlgefühlt hätte. Aber dazu gab es gar keinen Anlass.

teleschau: Sie spielen ein Polizisten-Ehepaar, das sich vor zehn Jahren getrennt hat und nun wieder zusammenarbeiten soll. Worin liegt der Reiz dieser Konstellation?

Simone Thomalla: Wenn man sich mal so nahe gestanden hat, sogar verheiratet war, ist das eine ganz andere Beziehung, als wenn man einfach mit einem netten Kollegen eng zusammenarbeitet. Bei den Figuren von Martin und mir spürt man eine große Fürsorge für den anderen. Beide ziehen sich immer mal zurück, kommen dann aber wieder aufeinander zu. Insgesamt spürt man eine starke Nähe zwischen den beiden, das macht auch die Güte ihrer Arbeit aus. Oft ist das eine nonverbale Qualität, die über Blicke und kleine Gesten funktioniert. Insofern sind wir sicher eines der am stärksten nonverbal kommunizierenden Ermittler-Teams im deutschen Fernsehen.

teleschau: Sind Sie eigentlich das einzige Ex-Ehepaar in der Geschichte des "Tatorts"?

Simone Thomalla: Ja, das ist so. Wir sind das erste Ermittlerteam, das eine gemeinsame, schmerzvolle Vergangenheit miteinander verbindet. Nachdem wir uns zehn Jahre nicht gesehen haben, sollen wir nun plötzlich miteinander arbeiten. Ex-Paare sind eine interessante Konstellation. Alles kann passieren. Einige hassen sich und reden kein Wort mehr miteinander. Andere sind die besten Freunde. Dazwischen gibt es sehr viel Spielraum für interessante Geschichten. Die Vergangenheit wird bei uns immer eine Rolle spielen. Sie nach und nach zu enttarnen, ist ebenfalls ein großes Potenzial, mit dem wir beim Leipziger Paar immer wieder spielen werden.

teleschau: Haben Sie sich Gedanken über Ihre Rolle gemacht? Wie man sie besonders markant anlegen kann? Schließlich will man ja im Heer deutscher TV-Ermittler wiedererkannt werden.

Simone Thomalla: So etwas macht man nicht bewusst, das kommt beim Schauspieler aus dem Bauch heraus. Sicher denke ich über die Rolle nach. Eine Kommissarin ist immer noch eine Frau in einem klassischen Männerberuf. Deshalb muss sie taff sein, sie muss funktionieren. Sie hat mit sehr viel Elend und Not zu tun. Das belastet. So etwas nimmt man auch mit nach Hause. Trotzdem empfinde ich Eva Saalfeld als eher zurückgenommen. Sie ist jemand, der in sich ruht, ab und zu aber auch impulsiv sein kann. Sie ist sicher kein Charakter, den man sofort durchschaut.

teleschau: Sowohl im Stuttgarter "Tatort" als auch in Leipzig wurden mit Bienzle und Ehrlicher zwei Dialekt sprechende Ermittler durch polyglottere Kommissare ersetzt, deren Heimat der Sprache nach überall in Deutschland sein könnte. Ist das nicht auch ein bisschen schade?

Simone Thomalla: Es liegt nicht in meiner Macht, ob ich als sächselnde oder hochdeutsch sprechende Kommissarin durch die Straßen Leipzigs ziehe. Fest steht: Ich hätte die Rolle sächselnd spielen können, wenn man es so gewollt hätte. Viel entscheidender ist aber letzten Endes die Qualität der Geschichten.

teleschau: Vermissen Sie denn als "Tatort"-Zuschauerin die alten Originale mit Lokal-Kolorit?

Simone Thomalla: Bewusst vermisse ich das nicht. Ich weiß aber, dass man beim "Tatort" immer versucht, in kleineren Rollen Dialekte und Lokalkolorit einzubauen. Mit der sächsischen Sprache ist es auch ein bisschen schwierig. Viele Leute finden sie ja vor allem amüsant. Das ist für den "Tatort" auch ein bisschen gefährlich.

teleschau: Sind Sie selbst überhaupt "Tatort"-Fan oder wäre es für Sie als DDR-Gewächs vielleicht sogar verlockender gewesen, dieselbe Rolle im "Polizeiruf" spielen zu dürfen?

Simone Thomalla: "Polizeiruf" ist auch eine tolle Reihe, aber für mich ist der Kultfaktor ist beim "Tatort" einfach noch höher. Wenn Sonntagabend dieser fast 40 Jahre alte Trailer mit der Hand vorm Kopf und dem rennenden Mann kommt, das erzeugt doch eine ganz besondere Atmosphäre.

teleschau: Haben Sie schon "Tatort" geguckt, als die Mauer noch stand?

Simone Thomalla: Ja klar. Damals am liebsten die mit Manne Krug und natürlich Götz George als Schimanski. "Tatort"-Filme haben mein ganzes Leben begleitet. Egal, was ich gerade gemacht habe - "Tatort" guckte ich eigentlich immer.

teleschau: Haben Sie heute Favoriten unter Ihren neuen Kollegen der "Tatort"-Kommissare? Und gibt es welche, die Sie nicht gern sehen?

Simone Thomalla: Ja, durchaus. Wen ich besonders gern sehe: Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Sabine Postel und Ulrike Folkerts. Oh, und Jürgen Schüttauf und Andrea Sawatzki habe ich vergessen, die mag ich auch supergern.