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Ausstrahlung am 14.08.2008 um 22:25 Uhr auf 3sat(tsch) Als die brasilianischen Gettokinder vor einigen Jahren über die weltweiten Leinwände hetzten, war das eine Offenbarung. Ein Kinowunder - schmerzhaft ehrlich erzählt und fiebrig-innovativ dargestellt. Dafür gab es auf der ganzen Welt Preise, lediglich die Oscar-Jury ignorierte den viermal nominierten Film "City of God" (2002) im "Herr-der-Ringe"-Rausch. Regisseur Fernando Meirelles, ein ehemaliger Werbefilmer, wurde trotzdem nach Hollywood beordert und verfilmte zuletzt "Die Stadt der Blinden", nach einem Roman von Nobelpreisträger Jose Saramago. Der Eröffnungsfilm des diesjährigen Festivals von Cannes soll am 28. Oktober im Kino anlaufen. Zuvor wiederholt 3sat Meirelles' pulsierendes Gettodrama aus den Favelas von Rio.
In den ersten Einstellungen rennt ein Huhn davon, wird von einer Bande durch die Straßen und Gassen der "City of God" gejagt. Die Jäger, das sind Kinder, bestenfalls Jugendliche, deren Waffen größer sind als sie selbst. Hochgerüstet für den letzten Kampf im berüchtigsten Slum Rio de Janeiros. Selbst die Polizei flieht vor der Macht der Kinder, die keine sein dürfen. Buscapé (Alexandre Rodrigues), der von der anderen Seite der Straße kommt und von einer Zukunft als Fotograf träumt, schneidet dem Huhn den Weg ab. Er zittert, hat Angst um sein Leben. Es ist schließlich die Gang Lockes (Leandro Firmino de Hora), Drogenboss des Viertels, die ihm gegenüber steht. Den sicheren Tod vor Augen lässt Fernando Meirelles das Leben Buscapés ablaufen.
Buscapé erzählt fortan aus seiner Perspektive vom Leben und Sterben in der Stadt Gottes. In immer neuen Rück- oder Seitenblenden zeigt er Rios größte Favela in all ihrer Härte und Wirklichkeit. Das Leben in der Siedlung, die in den 60er-Jahren auf dem Reißbrett entworfen wurde, ist intensives Training für die Hölle. Kinder werden hier nicht alt, der Alltag besteht aus Drogen und Gewalt.
Die epische Bilderflut Meirelles' beleuchtet die Zeitspanne von den Anfängen der "City of God" bis zu Beginn der 80er-Jahre: Der Aufstieg Lockes, der mit Geltungsbedürfnis, eisernem Willen und im Blutrausch das Viertel allein kontrolliert, und sein Niedergang aus denselben Gründen zeigen, wie erschreckend die Realität ist.
In hitzige Farben getaucht geben sich Meirelles und seine 110 Laiendarsteller dem Rhythmus der Wirklichkeit hin. Kreisende Kameras zeigen die Brutalität von allen Seiten, clipartige Zusammenfassungen im Zeitraffer verdeutlichen die Schnelllebigkeit im Elend, die Sprünge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und der Zeit dazwischen verbinden die Geschichte, treiben sie voran und machen die ganz eigene Dynamik der "City of God" spürbar.