Spätestens bei "Derrick" Horst Tapperts Tod im Dezember 2008 fiel es einem wieder ein - dass die Freitagskrimis im ZDF seit Jahrzehnten verlässlich gute Fernsehmärchen erzählen. Der Dauerbrenner "Ein Fall für zwei" startete 1981, seitdem sind der raubeinige Privatdetektiv Matula und der Auftrag gebende Rechtsanwalt an seiner Seite beim Publikum ganz oben. Von Beginn an dabei ist Claus Theo Gärtner in der Rolle des sympathischen Schnüfflers Josef Matula, der die "harte" Ermittlungsarbeit im Auftrag eines befreundeten Advokaten erledigt. Der wird (nach Günter Strack, Rainer Hunold und Matthias Herrmann) seit 2000 von Paul Frielinghaus alias Dr. Lessing gespielt. In neuen Folgen sind nun eine schnellere Erzählweise und teils gewagte Schnitte nach amerikanischem Krimivorbild angepeilt. Nach Folgenzahl will man aber auch die Kultserie "Derrick" (Start 1974) demnächst überholen. Im Herbst 2010 soll es mit der 282. Folge so weit sein. Am Freitag, 5. Juni, 20.15 Uhr, geht's aber erst einmal mit neuen Folgen weiter. Aus diesem Anlass sprechen Claus Theo Gärtner (66) und Paul Frielinghaus (49) über den Krimi und das Leben überhaupt. Beide leben, verheiratet, in Berlin.teleschau: "Die Anwälte wechselten, Matula aber blieb", heißt es in fast biblischen Sätzen in einer Rückschau auf "Ein Fall für zwei". Sie sind tatsächlich zeitlos jung geblieben, Herr Gärtner. Wie schafft man das?
Claus Theo Gärtner: Jung ist man ja unter den verschiedensten Aspekten. Aber zum Jungbleiben braucht man auch 'ne junge Frau. (Claus Theo Gärtner heiratete 2008 seine langjährige Lebensgefährtin, die Schweizer Regisseurin Sarah Würgler, 30, d. Red.) Dadurch habe ich mit dem Jungsein schon mal keine großen Probleme. Zudem habe ich in Paul Frielinghaus, meinem nunmehr vierten Serienpartner, ja einen jüngeren Kollegen, mit dem ich auch privat sehr gut befreundet bin.
teleschau: Herr Frielinghaus, Sie sind nun auch schon seit neun Jahren dabei, trotzdem gelten Sie noch immer als "der Neue" in "Ein Fall für zwei".
Paul Frielinghaus: In zwei Monaten werde ich - noch vor dem unvergessenen Serienstar Günter Strack als Dr. Renz - der dienstälteste Anwalt sein, den "Ein Fall für zwei" je hatte. Das zeigt, dass es in der Serie nicht etwa ein fortwährendes Kommen und Gehen gibt, man kann auch durchaus sesshaft sein.
Gärtner: Im Gegenteil, ich hoffe ja, dass Paul der letzte meiner Anwälte bleibt!
teleschau: Treffen Sie sich manchmal mit den früheren "Anwälten", wie Rainer Hunold, um Erinnerungen aufzufrischen?
Gärtner: Komischerweise nicht. Aber wir sehen uns immer wieder mal, wenn irgendwelche Filmveranstaltungen oder Preisverleihungen sind.
teleschau: Stichwort Film: Sie wurden 1971 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Fühlt man sich als Fernsehdetektiv ein wenig zurückgesetzt?
Gärtner: Ich habe gerade wieder einen Film gedreht, ich spiele in der Kohl-Verfilmung Heiner Geißler (lacht), was bei meinem Aussehen natürlich nahe liegt. Aber bei zehn Folgen im Jahr von "Ein Fall für zwei" bleibt für anderes zwischendurch kaum Zeit.
teleschschau: Herr Gärtner, Sie führen bei der Serie immer wieder auch Regie. Wie ist er denn so als Regisseur, Herr Frielinghaus?
Frielinghaus: Ganz toll, wirklich. Weil er selber Schauspieler ist. Er weiß ganz genau, was man braucht und leistet Hilfe an bestimmten Stellen.
teleschau. Gibt's auch mal Konflikte?
Gärtner: Man hat mal verschiedene Auffassungen von einer Szene. Meist setzt sich aber der Regisseur dann durch, weil er das ganze Drehbuch, die ganze Linie, kennt.
teleschau: Herr Gärtner, haben Sie zur Besetzung Ihres Freundes und Kollegen als Anwalt beigetragen?
Gärtner: Wir arbeiteten bereits zuvor zusammen. Es gab dann aber ein richtiges Casting mit uns beiden. Paul war sofort der Favorit, und er ist es bis heute geblieben.
Frielinghaus: Am Beginn stand im Film eine hochdramatische Geschichte. Mein Vorgänger wurde erschossen, ich war als Staatsanwalt mit dem Fall befasst. Das alles ist neun Jahre her.
teleschau. Sie blieben Freunde, privat und auch im Film. In der Serie ist Ihnen aber nicht gerade viel Privates vergönnt.
Gärtner: Matula lebt, was Frauen betrifft, à la carte, wie wir wissen. Auch Lessing hat ab und zu 'ne Verehrerin, oder er verehrt selbst.
Frielinghaus: Am Ende bleiben wir stets allein zurück. Sonst gäbe es sicher Zoff, und die Serie hieße ganz schnell "Ein Fall für drei".
Gärtner: Es geht aber nicht darum, dass wir für andere Frauen frei bleiben wollen. Wirklich nicht. Jetzt nicht mehr.
Frielinghaus: Wir sind zudem ein klassisches Krimiformat. Bei uns geht es vor allem um den Krimi, nicht um die Schulprobleme des Sohnes oder um die pubertierende Tochter. Aber zoffen dürfen sich der Anwalt Lessing und der Detektiv Matula schon mal, sie versöhnen sich dann jeweils beim Bier.
teleschau: Nun soll die Serie schneller und jünger werden. Wie geht das?
Gärtner: Wir erzählen die Geschichten nicht mehr ganz so episch. Das Fernsehen hat sich mit der Zeit verändert. Das geht auch an uns nicht vorbei. Wir wissen ja: Die Leute haben eine Fernbedienung, heutzutage.
Frielinghaus: Es geht darum, den Krimi insgesamt zu renovieren, ihn moderner, heutiger zu machen. Man nimmt ihm das Gemütliche, die langsameren Schnitte, wie es sie in den 80-ern gab.
teleschau: Sie leben beide in Berlin. Werden Sie beide auf der Straße erkannt, oder bloß Herr Gärtner - schön für Sie, Herr Frielinghaus?
Frielinghaus: Die Zeiten sind vorbei, als ich ungestört durch die Straßen ging. Und im Urlaub ohnehin ...
Gärtner: Wenn wir zusammen im Urlaub sind, fragen die Leute gleich: "Wird hier gedreht?" In Thailand haben wir mal in einem schlichten Lokal einen wunderbaren Red Snapper mit viel Genuss verspeist. Die Leute staunten am Nebentisch - sie glaubten, wir seien eine Fata Morgana.
teleschau: Herr Gärtner, Sie sind als Matula der Actionmann. Unternehmen Sie besondere Fitnessanstrengungen?
Gärtner: Keineswegs. Ich rauche wenig, oder jedenfalls nicht mehr viel. Die Dreharbeiten bringen Fitness genug. Außerdem fahre ich in einem Mercedes-Oldtimer, einem Flügeltürer, wie ihn Karl Kling fuhr, immer noch die historische Mille Miglia in Italien.
teleschau: Ein Motorenfreak. Sie auch, Herr Frielinghaus?
Frielinghaus: Meine Liebe gehört der Musik. Ich gehe gerne in Konzerte, in die Philharmonie. Mit Schauspielkollegen treffen wir uns regelmäßig zu einer Art Free Jazz. Ich spiele Cello, aber auch andere Instrumente. Hansa Czypionka, der eine unglaubliche Instumentensammlung hat, hat das bei sich zu Hause ins Leben gerufen - eine tolle Sache.
teleschau: Um auf "Ein Fall für zwei" zurückzukommen: Reden Sie bei den Drehbüchern rein?
Gärtner, Frielinghaus: Ständig. Ununterbrochen machen wir das. Wir verändern immer wieder Sätze, damit sie authentisch klingen. In der Vorbereitung sind wir allerdings nicht involviert. Aber wir machen immer wieder Vorschläge, auf die Art: "Könnten Sie nicht mal ...?"
teleschau: Niemand wünscht es, Herr Gärtner - aber werden Sie irgendwann den Detektivjob quittieren?
Gärtner: Vorläufig nicht, solange die Serie so gut läuft. Wir sind ein Riesenteam von 50 Frauen und Männern. Da gibt man nicht einfach auf, das würde schließlich eine tiefe Lücke reißen. Ein, zwei Jahre halten wir sicher noch durch. Das sind wir uns und den Zuschauern schuldig.
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