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"Kebab Connection" - Kulturkampf, Kreißsaal und Kung Fu

5/09/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Was haben Kebab und Kung Fu gemeinsam - außer einem K am Wortbeginn? Sie definieren die Welt des coolen türkischen HipHop-Jüngers Ibo (Denis Moschitto), und damit lebt er ganz gut. Bis seine Freundin Titzi (Nora Tschirner) dem noch ein drittes K wie Kind hinzufügt ... Das Feel-Good-Movie "Kebab Connection" (2005) von Regisseur Anno Saul ("Wo ist Fred?"), das die ARD nun wiederholt, schüttelt souverän seine blank polierten Pointen aus dem Ärmel, während es sich über die schwierigen Themen Türkenmafia, Kinderkriegen und Kampf der Kulturen hermacht: eine deutsch-türkische Döner-Hommage mit komödiantischer One-Man-Show von Denis Moschitto ("Süperseks", "Verschwende deine Jugend").

Für Onkel Ahmet (Hasan Ali Mete, ehemals "Lindenstraßen"-Bewohner) besitzt das Hamburger Schanzenviertel zwei Eckpfeiler: Döner und Gyros. Sein Döner sollte groß und mächtig vor sich hin brutzeln, das konkurrierende Gyros des Griechen nach Möglichkeit kümmerlich am Stab hängen. Nachdem Ibo, sein kreativer Neffe, einen Kino-Spot für die Imbissbude gedreht hat, scheint diese Vision Wirklichkeit zu werden. Die Kasse von Onkelchen klingelt lauter als die vom Griechen gegenüber.

Leider ist so ein lokaler Erfolg kein Garant für allumfassendes Glück. Denn es gibt zwei Neuigkeiten, die den jungen, aufstrebenden Filmemacher auf den Boden zurückholen: Erstens sagt ihm ein ortsansässiger Produzent, dass er nicht den ersten deutschen Kung-Fu-Film drehen wird. Zweitens eröffnet ihm Titzi, seine langjährige Freundin, dass sie schwanger ist und er sich entscheiden muss, ob er in Zukunft einen Kinderwagen schieben will oder nicht. Aus diesen Grundbausteinen bastelt Anno Saul eine wilde Ansammlung von komischen Momenten.

Dabei beherzigt er die wichtigste aller Grundregeln für Komödien: Alles sollte so schnell gehen, dass man gar nicht viel zum Nachdenken kommt. "Kebab Connection" vereint bestimmt nicht Anspruch und politische Korrektheit, dafür gibt es viel Situationskomik und eine Menge Wortwitz. Nora Tschirner ("Keinohrhasen") gibt gemeinsam mit Dennis Moschitto ein ziemlich schräges Traumpaar ab. Und diesem talentierten jungen Mann schaut man sogar noch gerne zu, wenn er Gyros auf die Straße reiert - eine von vielen Szenen, in der Moschitto Deutschlands Komiker-Garde auf die Plätze verweist. Doch er kann auch anders: Im Frühjahr war er als taffer Chiko im gleichnamigen, todernsten Jugend-Drama zu bewundern.

Das Drehbuch von "Kebab Connection", an dem Tausendsassa Fatih Akin beteiligt war, setzt auf emotionale Wechselduschen, nimmt sich nach diversen Lachsalven die Zeit für ordentlich Gefühl und hält so das Gleichgewicht zwischen Herz und Kommerz. Dramatischer geht es in Anno Sauls aktuellem Projekt, dem Thriller "Die Tür", zu. "Bond"-Bösewicht Mads Mikkelsen spielt darin einen Vater, der nach dem Tod seiner Tochter eine Tür entdeckt, die es ihm ermöglicht, in die Vergangenheit zu reisen. Ein Starttermin für den prominent besetzen Film (Jessica Schwarz, Heike Makatsch) steht noch nicht fest.
Ausstrahlung am 14.09.2008 um 23:35 Uhr auf ARD