Hauptsache Heulen: "Popstars: Du & Ich" geht in die Finalwoche (Halbfinale: Di., 08.12.; Finale: Do., 10.12., 20.15 Uhr, ProSieben)

6/11/2009 0:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Fair ist das nicht: Da schluchzen sich die "Popstars" die Seele aus dem Leib, reisen durch die Weltgeschichte und laden sich einen US-Star nach dem anderen ein, und trotzdem kann die ProSieben-Casting-Sendung von den Quoten eines Dieter Bohlen nur träumen. Der dominiert mit seinem RTL-"Supertalent" die Samstagabende - und das auch noch bequem von seinem Jurypult aus. Gegen Staffel-Ende konnte man den Abwärtstrend der "Popstars" allerdings stoppen und wieder erfreulichere Werte verzeichnen, wohl dank der zahlreichen Musik-Gäste und Heuleinlagen. Das lässt ProSieben zuversichtlich auf das Finale blicken. Mit zwei Liveshows (Halbfinale: Di., 08.12.; Finale: Do., 10.12., 20.15 Uhr) hofft man nun, sich noch eindrucksvoll verabschieden zu können.

Mit seinen Mottoshows holt "DSDS" regelmäßig ordentlich Quote. Ähnliches probiert nun ProSieben, wenngleich man - ganz vorsichtig - nur eine zusätzliche Show anberaumt hat. Unter dem Motto "Popstars meets Disney" wird für das Halbfinale laut Sender "das Beste aus der Märchenfabrik mit grandiosen Performances und großen Talenten kombiniert". Als eindrucksvollen Rahmen hat man für Halbfinale wie Finale die Arena in Oberhausen gewählt. Charlotte Engelhardt und Ex-"Popstars"-Sieger Giovanni Zarrella (Bro'Sis) moderieren.

Am 10.12. wird's schließlich ganz eng für Marc, Elif, Dagmara und Co., denn da die aktuelle Staffel den Titel "Du & Ich" trägt, werden nur zwei der verbliebenen Kandidaten aus dem Finale als Gewinner-Duo hervorgehen. Bislang wurden bei ProSieben immer größere Gruppen gecastet. Hier wird also fast so lange gesiebt wie bei "Deutschland sucht den Superstar". Echte Stars kommen übrigens auch: Leona Lewis und Mando Diao werden live vor 12.000 Zuschauern auftreten.

An "Germany's next Topmodel" ("GNTM") erinnerten dagegen die vergangenen Episoden. Zwar setzte schon "DSDS" in der letzten Staffel vermehrt auf dokumentarisches Material und zeigte den Gesangsnachwuchs nicht nur beim Vorsingen und Vorzittern, sondern begleitete die Kandidaten auch im Casting-Alltag. Doch diese nunmehr achte Season "Popstars" legte den Fokus noch mehr auf das Drumherum.

Wie bei Heidi Klums Modelsuche durften die Teilnehmer quer durch die USA reisen: Las Vegas, Los Angeles und New York wurden zu aufregenden Stationen für die jungen Sänger aus Deutschland. Und die Metropolen sollten natürlich auch das Publikum bei der Stange halten. Zudem ging es zuletzt wie auch bei "GNTM" um echte Jobs, die sich die "Popstars" in spe angeln konnten. Auch mit US-Prominenz versuchte ProSieben zu punkten: Surfer-Braut Colbie Caillat, die Jonas Brothers, "High School Musical"-Star Ashley Tisdale, die Backstreet Boys und "MTV Video Music Award"-Preisträgerin Taylor Swift gaben sich die Ehre.

So richtig in die Höhe schossen die Quoten allerdings, als Tanzbär und Drill-Instructor der Nation Detlef D! Soost Mitte Oktober mal wieder die Contenance verlor und beherzt "Komplimente" austeilte. Das Publikum dankte es ihm mit einem Marktanteil von 17,4 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Terror und das Drücken auf die Tränendrüse kommen wohl tatsächlich besser an als Talent. Eine Erklärung, aber keine Entschuldigung für das Vorgehen, das Ex-Jury-Mitglied und Erfolgsrapper Sido unlängst im Interview anprangerte: "Es geht bei dieser Sendung nicht darum, eine Band groß zu machen und mit ihr anschließend Geld zu verdienen", sagte er. "Es geht um die Geschichte. Wenn deine Mutter Krebs hat, kommst du weiter. Wenn du nächste Woche stirbst, kommst du weiter."

Wenn man dann auch noch den Bohlen-Joker im Ärmel hat, reicht diese Strategie offensichtlich komplett aus - ganz ohne anstrengendes Rumgereise. Beim "Supertalent" tauchen jedenfalls überdurchschnittlich viele arg Gebeutelte auf der Bühne auf - und damit sind nicht nur die unbedarften Comic-Reliefs gemeint, die dem Publikum zwischenzeitlich immer wieder zum Fraß vorgeworfen werden.

Man darf gespannt sein, ob Heidi Klum, die unlängst zum Casting für die nächste Runde "GNTM" (Frühjahr 2010) aufrief, eher auf Endlosbeine oder doch noch mehr auf Endlosgezicke setzt. Im besten Falle findet sie ein Model, das beides vereint - und wenn die Dame dann auch noch Hartz IV bezieht und Mundharmonika spielen kann, muss das Team die traditionelle Reise in die USA eigentlich gar nicht auf sich nehmen. Eine Bühne, ein Pult und ein paar Tränchen tun es auch.

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