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17 Jahre lang spielte er den Kommissar Carlo Menzinger im Münchner "Tatort", bevor sein Dienst an der Seite von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl 2007 endete. Langweilig ist es dem 51-jährigen Familienvater seitdem nicht geworden. Neben seiner durchaus ernsthaften Karriere als Folkmusiker und Songwriter ist der aus der Künstlerfamilie Fitz stammende Mime - sein Vater ist der Volksschauspieler Gerd Fitz ("Forsthaus Falkenau") - immer wieder in erstaunlich unterschiedlichen Rollen zu sehen, wobei bayerische Charaktere überwiegen. Michael Fitz' neuste Rolle führt den sympathischen Blondschopf nun in denkbar fremde Gefilde. Im Degeto-Familiendrama "Sterne über dem Eis" verkörpert er einen bindungsscheuen Wissenschaftler auf Forschungsreise im arktischen Eis.teleschau: Hat es Sie eigentlich gewundert, dass man einen Urbayern wie Sie als Polarforscher aus Kiel besetzt?
Michael Fitz: Diese Frage habe ich mir eigentlich nie gestellt. Ich bin kein abonnierter Bayer, sondern Schauspieler, der prinzipiell für alle Rollen in Frage kommt, die meinem ungefähren Alter entsprechen.
teleschau: Sie spielten lange im Münchner "Tatort", drehen moderne Heimatfilme in Mundart und sind auch als Liedermacher in Ihrer Heimatsprache unterwegs...
Fitz: Nur weil man Bayerisch kann und sich gerne darin ausdrückt, heißt das ja nicht, dass alles andere undenkbar wäre. Ich habe mich eher gewundert, dass man mich als Wissenschaftler besetzt - da habe ich mal kurz die Augenbrauen gehoben, weil ich das noch nicht gemacht habe. Aber letztlich geht es im Film ja auch um andere Dinge.
teleschau: Hand aufs Herz - wie entscheidend war der Drehort Arktis für die Tatsache, dass Sie in einem Degeto-Liebesfilm mitspielen?
Fitz: Natürlich spielte der Drehort eine Rolle. Welcher normale Mensch kommt schon nach Spitzbergen, zumal auf einem Forschungsschiff. Trotzdem fand ich auch die Geschichte stark. Besonders hat mich der Konflikt meiner Rolle mit dem Vater berührt, der von Horst Sachtleben gespielt wird. Der Konflikt zwischen Sohn und Vater, die sich praktisch ein Leben lang nie ihre wahren Gefühle zeigten, hat mich ehrlich gesagt ziemlich bewegt.
teleschau: Warum gerade dieser Konflikt, spielen eigene Probleme mit dem Vater dabei eine Rolle?
Fitz: Sicher bewegt einen immer das am meisten, was die engste Verbindung zum eigenen Leben aufweist. Zudem ist der Konflikt mit dem Vater im Film die Ursache für alle anderen Konflikte. Wenn wir uns im Leben nicht trauen, anderen zu vertrauen, Autonomie zugunsten von Liebe aufzugeben - dann ist all das vor allem in der Beziehung zu unseren Eltern zu suchen. In dem Moment, da meine Figur bereit ist, an der Beziehung zum Vater zu arbeiten, bewegt sich auch etwas in seinen übrigen Beziehungen.
teleschau: Warum tun sich erwachsene, intelligente und grundsätzlich kommunikative Menschen oft so schwer, mit ihren Eltern Tacheles zu reden, wenn es um die Beziehung zueinander geht?
Fitz: Vielleicht, weil Sie dieses Schweigen oder Verschweigen von ihren Eltern gelernt haben. Wenn man sich erst mal auf einen Staus Quo des ungefährlichen Umgangs miteinander geeinigt hat, ist es bequem für beide Seiten, den Burgfrieden nicht zu zerstören. Trotzdem gibt es Situationen im Leben, wo diese Vorgehensweise an ihre Grenzen stößt - Krisen wie Krankheit oder nahender Tod zum Beispiel. Das Totschweigen oder Runterschlucken der wahren Konflikte ist auch der Nährboden für jene Probleme, welche die jüngere Generation in ihrem Beziehungsleben hat. Unser Film macht Mut, sich diesen Konflikten über die Auseinandersetzung mit den Eltern zu stellen.
teleschau: "Lausige Väter haben lausige Söhne" - sagt Ihre Figur zu Ihrem Vater im Film...
Fitz: Ganz genau! Und unverbindliche Beziehungen zu den Eltern haben nicht selten unverbindliche Beziehungen zu den jeweiligen Lebenspartnern zur Folge.
teleschau: Haben Sie ein verbindliches Verhältnis zu Ihren Eltern?
Fitz: Ich habe irgendwann angefangen, daran zu arbeiten. Man stellt sich immer vor, dass man sich mit den Eltern zusammensetzen muss, um alles auf den Tisch zu bringen. In den meisten Fällen funktioniert das jedoch nicht. Man muss erst mal bei sich suchen, was man selbst tun kann. Man muss sich fragen: Wie kann ich dem Anderen, dem Vater, der Mutter so viel Raum lassen, dass die so sein können, wie sie sind.
teleschau: Eltern haben sehr viel Kredit bei ihren Kindern - ein Leben lang?
Fitz: Ja, das ist sicherlich so. Und trotzdem ist es auch interessant, welche Effekte es haben kann, wenn man Wut, die man fühlt, auch mal an den richtigen Adressaten bringt. Es ist erstaunlich, zu welchen Reaktionen die Eltern dann oft in der Lage sind. Es gibt leider ein ungeschriebenes Gesetz in unserer Gesellschaft: Der Jüngere muss der Klügere sein. Der Jüngere muss immer dem Älteren eine Tür öffnen. Wie viel man erreichen kann, wenn beide bereit sind, Türen zu öffnen, erzählt der Film.
teleschau: Ein anderes Thema - was hat Sie am meisten überrascht am Drehort Arktis?
Fitz: Das Monumentale der Landschaft. Allein die Anreise hat es schon in sich. Wenn man in Oslo in den Flieger steigt und dann noch mal fünf Stunden bis Tromsø über eine immer karger werdende Landschaft fliegt. Irgendwann fängt der Schnee an, der einfach da rumliegt und immer mehr Landschaft bedeckt. Und das im Juni!
teleschau: Sie haben im Sommer gedreht - da ist genügend Licht wahrscheinlich nicht das Problem einer Filmcrew?
Fitz: Auf Spitzbergen wandert die Sonne im Sommer 24 Stunden lang einfach am Horizont entlang. Du hast die erste Hälfte des Tages Sonnenaufgangsstimmung und die zweite Hälfte des Tages Sonnenuntergangsstimmung. Aber es ist immer hell. Wenn man nachts um eins vor einem Lokal mit seinem Weißwein sitzt und in die Sonne schaut - das ist schon ein irres Gefühl.
teleschau: Ebenfalls ungewöhnlich war an diesem Dreh, dass die ganze Crew auf einem Forschungsschiff gewohnt hat. Heißt das, es gab keine Suiten für die Stars?
Fitz: Ganz im Gegenteil. Wir mussten alle auf einem 60 Meter langen Schiff unterkriegen. Heißt, wir mussten uns zu zweit oder zu dritt eine kleine Kabine teilen. Ich war die ganze Zeit mit meinem Berliner Kollegen Holger Daemgen in einer Kabine, der meinen Assistenten Jan spielt. Wir haben uns aber super verstanden. Ich hatte mit der Unterbringung überhaupt kein Problem.
teleschau: Haben Sie sich bei diesem Job in die Arktis verliebt?
Fitz: Ja, auf jeden Fall. Hätte es diesen Film nicht gegeben, wäre ich wahrscheinlich niemals dort hingekommen. Vielleicht als gut betuchter Rentner an Bord der Queen Mary, falls ich mal ein gut betuchter Rentner werden sollte (lacht). Aber dann hätte ich die Landschaft niemals so intensiv und nahe erlebt, wie es nun gewesen ist - an Bord eines Forschungsschiffes. Inklusive Landgänge mit Gewehrpflicht wegen der Eisbären und mit Gletschern, die ich aus allernächster Nähe sehen durfte.
teleschau: Möchten Sie zurückkommen?
Fitz: Ich glaube nicht. Intensiver als das, was ich gesehen und erlebt habe, kann es als Tourist nicht mehr werden.
teleschau: Manche Schauspieler machen nebenbei ein bisschen Musik und nutzen ihre Popularität, um Platten und Tourneen quasi als Freizeitprojekt finanzieren zu können. Bei Ihnen ist das anders. Sind die Musik und Ihre Arbeit als Schauspieler gleichwertig anzusehen?
Fitz: Ich würde sagen, mindestens gleichwertig. Die Tourneen als Liedermacher laufen gut, und sie erlauben mir, dass ich auch mal den einen oder anderen Film absagen kann, wenn mir das Buch oder das Gesamtpaket nicht so gut gefällt. Früher hatte ich oft kostspielige Bands, was mir auch Spaß gemacht hat. Heute toure ich dagegen allein. Es ist eine sehr pure Erfahrung in der Begegnung mit dem Publikum, und es bleibt nebenbei finanziell ein bisschen mehr hängen, um meine Familie zu ernähren.
teleschau: Sie singen in Mundart - ist der Kreis Ihrer Fans demnach auf Bayern oder Süddeutschland begrenzt?
Fitz: Das könnte man meinen, dem ist aber nicht so. Natürlich spiele ich öfter und intensiver in Bayern, aber meine aktuelle CD "Solo live" wird bundesweit vertrieben - übrigens von einer Hamburger Firma - und auch gekauft. Das Einzige, was in Norddeutschland anders ist bei meinen Konzerten, ist, dass ich meine Ansagen auf Hochdeutsch mache. Schließlich sind die Ansagen vielleicht das Einzige, was die Fans dort verstehen (lacht).
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