Interview: David Duchovny über Californication

7/05/2008 10:09. By
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Serienjunkies hatte die Möglichkeit, mit dem Akte X-Star David Duchovny über seine neue Serie

Californication zu sprechen, die am 14. Mai in Deutschland bei AXN starten wird.

Die von Showtime produzierte Serie handelt von einem Autor in L.A., der unter einer Schreibblockade leidet, Ex-Freundin und Tochter nur selten sieht und sich gerne auf diverse sexuelle Abenteuer einlässt.

Früh morgens stand uns der Golden Globe-Gewinner via Telefon Rede und Antwort und sprach mit Serienjunkies über seine neue Serie, Sex, Komödien und Erziehung.

Wie haben Sie sich auf die Rolle des Hank Moody vorbereitet?

David Duchovny: Ich versuche bei einer neuen Rolle immer, die Person zu fühlen. Was versteht man an diesem Typen? Was kann man nachempfinden? Dann versuche ich, die Besonderheiten dieser Person zu betonen, so dass man realisiert, was diesen Charakter als Individuum bestimmt. Bösewichte laufen nicht herum und denken, sie seien böse. Alkoholiker denken nicht permanent, sie seien Alkoholiker. Sie kommen einfach zurecht und handeln in ihrem Umfeld.

Gibt es persönliche Erfahrungen mit der Rolle?

D.D.: Das ist eine sehr persönliche Frage. Wenn man eine Art Zauberer ist, dann verrät man seine Tricks auch nicht. Auch die privaten Geheimnisse werden nicht verraten, da sie Bestandteil des Endprodukts sind - nämlich des Charakters, den man kreiert hat.

Die Serie hat einen sehr bösen Humor, wie kam es dazu?

D.D.: Tim Kampinos, der Autor der Serie, hat diese grandiose Art von Humor. Wir sind an die Serie als Komödie herangegangen. Es ist eine dunkle Komödie. Eine halbstündige Komödie auf einem US-Kabelsender.

Das 'dunkle' bezieht sich wohl eher auf den Realismus der Serie. Wir wollten den Charakter liebenswert darstellen. Ein Typ, den man jede Woche wieder einschalten will.

Ein reines Arschloch wollen die Zuschauer nicht sehen, also haben wir die Herausforderung angenommen, ihn liebenswert und verletzlich zu machen. Die Menschen haben Mitleid mit jemandem, der seine schlechten Entscheidungen aus Schmerz heraus fällt. Das Komische kommt dann durch die Absurdität seines Lebens.

In der ersten Episode sieht man eine sehr explizite Sexszene mit Hank und einer Minderjährigen.

D.D.: In Amerika kann man im Kabelfernsehen sehr explizite Szenen zeigen. Inhalte, die eigentlich

eine 'R'-Kennzeichnung im Kino erhalten würden, können wöchentlich im Kabelprogramm laufen. Vor zehn Jahren wäre so etwas im Networkfernsehen nicht möglich gewesen. Was den Sex mit einer Minderjährigen angeht, ich weiß gar nicht, wie ich darauf antworten soll. Es ist ein wichtiger Teil der Serienhandlung. Hank macht einen Fehler und bricht das Gesetz. Die besten Komödien basieren doch auf dramatischen Ereignissen.

Hank ist ein sehr ehrlicher Mensch. Ist dies ein Vorteil oder ein Nachteil?

D.D.: Ich mag es überhaupt nicht, wenn Schauspieler ihre Rollen als wahre Personen sehen und behaupten, sie hätten etwas von ihr gelernt. Aber ich muss gestehen, dass eine solche Ehrlichkeit inspirierend ist. Ich glaube, es ist eine lange Tradition in Komödien, dass der Held immer die Wahrheit sagt. Das geht zurück bis zu Charlie Chaplin in The Tramp: Der machtlose, komödiantische Held, der nichts zu gewinnen und nichts mehr zu verlieren hat. So beginnt auch 'Californication'. Hank hat nichts mehr zu verlieren, er hat sich selbst auf eine Art und Weise verloren. Er hat seine schriftstellerische Kreativität verloren, seinen Job, sein Vermögen, sein Kind, seine Frau. Das führt ihn dazu, die Wahrheit zu sagen. In der Realität ist das schier unmöglich, deswegen lieben wir doch Komödien so sehr.

Was war der erste Eindruck beim Lesen des Skripts? Und was dachten ihre Familienangehörigen und ihre Freunde nach der ersten Episode?

D.D.: Ich fand es unglaublich witzig und intelligent. Ich wollte unbedingt etwas Komisches machen. Ich habe einfach jede Menge Spaß daran. Es war sprachlich sehr gut ausgearbeitet und sehr viel physischer Humor war vorhanden. Er bewegt sich, er trifft auf Frauen...

Meine Frau machte sich Gedanken darüber, wie ich diesen Charakter liebenswert machen könnte. Ich hatte einfach ein gutes Gefühl, diese Typen spielen zu können, ohne ihn zu verurteilen.

'Wenn dem so ist, dann mach' es.' antwortete meine Frau. Nach dem Anschauen der ersten Episode meinte sie, ich hätte das richtige Gefühl gehabt. Der richtige Ton wurde getroffen.

Als Vater von zwei Kindern, wie würden Sie die erzieherischen Fähigkeiten von Hank Moody einschätzen?

D.D.: Das ist ein besonders interessanter Part der Rolle und der Serie. Auf dem Papier sieht Hank wie ein unmöglicher Vater aus. Aber die Art und Weise, wie er mit seiner Tochter spricht und wie er sie behandelt und respektiert, ist sehr empfehlenswert. In diesem Land führen wir viele Diskussionen über die richtige Erziehung von Kindern und dann kommt da so ein Typ, der eigentlich das Gegenteil eines guten Vaters ist, und trotzdem einen Zugang zu seiner Tochter findet.

Er lügt seine Familie nicht an. Ich respektiere seine Ehrlichkeit gegenüber seiner Familie und denke, dass dies der wichtigste Teil der Erziehung ist.

Sie wurden dafür mit dem Golden Globe belohnt. Gratulation. Was bedeutet der Gewinn für Sie und für die Show?

D.D.: Danke. Es war sehr befriedigend, diese Annerkennung zu erhalten. Speziell im Comedy-Bereich. Schön, wenn jemand sagt, man sei witzig. Für die Serie war es ungemein wichtig, speziell als Serie im US-Kabelfernsehen, die grundsätzlich weniger Zuschauer erreicht als eine Networkserie. Gerade im ersten Jahr ist eine solche Anerkennung sehr wichtig.

Könnte die Serie auch in einem anderen Staat oder Land spielen?

D.D. Ja, definitiv. Wir haben lange mit dem Titel gerungen, da ich den Titel 'Californication' nie wirklich mochte. Er klang nicht universell genug. Die Serie ist nicht verbunden mit Kalifornien, es ist eine universelle Geschichte eines gewissen Charakters, der seinen persönlichen amerikanischen Traum sucht. Sein Job und der Ort des Geschehens sind eher nebensächlich, es geht vielmehr um das, was er macht und was er denkt.

Hat die Serie unter dem Autorenstreik gelitten?

D.D.: Ich glaube, die Dreharbeiten verzögern sich nur um einen Monat. Ohne den Streik würden wir jetzt schon drehen und nicht erst Ende April. Um ehrlich zu sein, kommt mir das sehr gelegen, da wir gerade erst den Akte X-Film beendet haben und ich etwas Ruhe gut gebrauchen kann.

Haben Sie nach dem Erfolg von Akte X bewusst nach einer neuen Serie Ausschau gehalten?

D.D.: Nein, ganz und gar nicht. Ich wollte nicht wieder in den zehnmonatigen Trott einer Networkserie

verfallen. Es hätte mich von jeglichen Filmprojekten abgehalten. Bei Serien für US-Kabelsender dauern die Dreharbeiten für eine Staffel nur drei Monate. Somit kann ich Filme machen oder auch selbst schreiben oder Regie führen.

Obwohl wir gerade den zweiten Akte X-Film fertig gestellt haben, liegt die Serie für mich in der Vergangenheit. Manchmal fühlt es sich so an, als wäre die Serie nie gewesen. Ich realisiere, dass ich das gemacht habe, aber es ist abgeschlossen. Es beeinflusst keine meiner Entscheidungen.

Ich mochte einfach die komödiantische Rolle in 'Californication' so sehr, dass ich an diesem Projekt teilhaben wollte.

Vielen Dank für das Gespräch.

David Duchovny: Danke.

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