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Christoph Hagen Dittmann: Talente en masse

9/05/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Der Schauspieler Christoph Hagen Dittmann freut sich, wenn er bei seinem Job rumkommt in der Welt. Und er scheint eine Begabung zu haben, sich sozusagen Sound-Souvenirs nach Hause mitzubringen: Er kann zum Beispiel eindrucksvoll das Röhren und Rülpsen (feiner Unterschied) eines Kamels imitieren. Doch auch die japanischen Floskeln, die er sich bei den Dreharbeiten zur Sat.1-Komödie "Der Sushi-Baron - Dicke Freunde in Tokio" (Di., 10.06., 20.15 Uhr, Sat.1) angeeignet hat, klingen überzeugend. Ein Mann mit vielen Talenten.

Christoph Hagen Dittmann? Der Name mag vielleicht nicht sofort eine Assoziation herstellen, doch das Gesicht des heiteren Zeitgenossen sicherlich. Der 42-Jährige war neben zahlreichen Gastauftritten in deutschen Serien ("Berlin, Berlin") auch in Leinwandproduktionen wie "Anatomie" oder "Hui Buh - Das Schlossgespenst" zu sehen. Das Komische mit einem Hauch von Melancholie liegt dem gebürtigen Bremer besonders. Am unterhaltsamsten ist Christoph Hagen Dittmann aber vermutlich, wenn er einfach Christoph Hagen Dittmann ist und unter ansteckendem Gelächter Anekdoten zum Besten gibt.

Gegenstand eines Witzes ist dabei gerne mal der eigene Bauch. Dabei ist der doch so etwas wie das Markenzeichen des Darstellers. Ein dünner Hering hätte die Hauptrolle im Sat.1-Movie als "Sushi-Baron" nicht ausfüllen können. Denn die Berührung mit der Philosophie der Sumo-Ringer wird das Leben des Protagonisten Uli von Ungelsheim verändern. Dittmann, der hier erstmals eine Hauptrolle im TV übernahm, hatte sich bereits vorher für diese Sportart interessiert: "Da spielt sich schon unheimlich viel auf einer psychologischen Ebene ab, bevor der Kampf überhaupt beginnt."

Für die Dreharbeiten durfte er sich ein paar Bewegungsabläufe von einem echten Sumotori abschauen. "Richtiges Sumo-Training ist natürlich sehr viel anstrengender: Die Ringer machen Spagat - und das mit 160 Kilo! Unter dem Schwabbel sitzen unheimlich viele Muskeln." Dass er mit nichts als einem Sumo-Gürtel, einem sogenannten Mawashi ("Das sieht ja wirklich aus wie eine Windel") vor die Kamera treten musste, störte Dittmann nicht. "Ich spielte schon einmal einen Sumo-Ringer in einem kleinen Theater. Da habe ich keine Hemmungen."

Beim unvermeidlichen Ausflug mit den japanischen Kollegen in eine Karaoke-Bar kam Christoph Hagen Dittmann seine klassische Gesangsausbildung zugute. Bariton. Auch Ballettunterricht (jawohl, auch eindrucksvoll zur Schau gestellt in "Siebenstein") nahm das Multitalent mal während seiner schauspielerischen Ausbildung am Bremer Ernst-Waldau-Theater, für die er sich vergleichsweise spät entschieden hatte. Mitte 20 und Architektur-Student war er bereits, als Klaus Manns Roman "Mephisto" und Klaus Maria Brandauers Darstellung in der gleichnamigen Verfilmung diesen Gedanken in Dittmann wach riefen: "Wenn Du das nicht ausprobierst, bereust du es vielleicht dein Leben lang".

Danach war er unter anderem lange am Hamburger Schauspielhaus engagiert, doch die Arbeit vor der Kamera schätzt Dittmann mittlerweile mehr: "Das ist nicht so pseudo-intellektuell. Ich finde den erhobenen Zeigefinger und Hehre-Kunst-Anspruch am Theater manchmal doch anstrengend. Beim Film geht es pragmatischer zu", so der Clint-Eastwood-Fan (weil in dessen Filmen Inhalte "nicht erlabert, sondern erzählt werden"). Und dann gebe es beim Film manchmal etwas, "das aus einem Moment heraus entsteht, der nicht wiederholbar ist". Christoph Hagen Dittmann ist sich auch nicht zu schade, zuzugeben, dass ein exotischer Drehort durchaus mal den Reiz an einer Rolle ausmachen kann. "Traumschiff' - warum nicht?"

Zuletzt verbanden sich Anspruch und Fernreise für Dittmann, als er in China für das Leinwand-Drama "John Rabe" mit Ulrich Tukur vor der Kamera stand. Doch er freut sich auch auf die Szenen für die ZDF-Serie "Hallo Robbie!" auf Rügen. Die Kamel-Imitation beherrscht er seit einem Aufenthalt in Tunesien für den Kurzfilm "Dangerous Animal". Er freundete sich sogar mit dem Trampeltier an, sagt er, aber Kamel-Reiten war für Dittmann nicht so ohne. "Ich habe schon manchmal Aufgaben, bei denen ich ein paar Ängste überwinden muss. Aber es gibt auch Dinge, die würde ich nicht machen: Spinnen anfassen!"

Als Schauspieler, der von seiner Kunst leben kann, fühlt sich Dittmann durchaus privilegiert. Sollte er bei sich selbst gar mal einen leichten Hang zum Höhenflug feststellen, dann weiß er aber, wie er sich wieder auf den Boden bringt: beim Werkeln an seinem Haus im Künstlerdorf Worpswede. Dort lebt er mittlerweile mit Ehefrau Monika, einer Gärtnerin, und da kommt das Architekturstudium doch noch zu seinem Recht. "Das ist was Ehrliches. Gerade, wenn man in Tokio war und als Hauptdarsteller gebauchpinselt wurde, hilft es, wenn zu Hause direkt dieses oder jenes wieder heile gemacht werden muss", lacht er. "Da habe ich auch noch ein neues Talent an mir entdeckt: mit Holz arbeiten", erzählt er und fügt nicht ohne Stolz hinzu: "Und meine Frau hat eine Mauer gezogen!"

Man kann sich also schwer vorstellen, dass dieses gesellige Nordlicht leicht an Bodenhaftung verliert. Wäre auch ungünstig bei einem seiner weiteren Hobbys: Motorradfahren. Ein Hauch von Zärtlichkeit kommt nun in die Stimme, wenn Christoph Hagen Dittmann von seiner CB 750 Four Honda spricht als "das erste Superbike, das es überhaupt gab!" Dumm nur, dass die Worpsweder Straßen so arm an Kurven sind, in die sich "der Kugelblitz" legen könnte. Da ist sie wieder - die Anspielung auf den Bauch. "Ein bisschen weniger dürfte es schon sein", räumt er ein. Doch irgendwie wäre dieser Christoph Hagen Dittmann dann vielleicht nicht mehr derselbe. Und das wär schade.