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Hadnet Tesfai: Ein echtes Kind von MTV

9/05/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Ihr Vorname bedeutet in ihrer Muttersprache "Einheit", doch eigentlich ist sie eine kleine Offenbarung. Hadnet Tesfai - nach Nina Eichinger, Claire Oelkers und Ariane der mittlerweile vierte Neuzugang bei MTV innerhalb weniger Monate - begreift sich eben nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Journalistin. Infogehalt kommt bei ihr dankenswerter Weise vor Hippness - "ein Überbleibsel aus meiner Zeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk", wie sie sagt. Gleichzeitig bezeichnet sich die 28-Jährige, deren Eltern früh aus Eritrea ins "Schwabeländle" übersiedelten, als "echtes Kind von MTV". "Ich wuchs mit 'Yo! MTV Raps' auf. Jetzt den gleichen Job wie meine Kindheitshelden Dr. Dre und Ed Lover zu machen, ist schon der Wahnsinn!"

Hadnet moderiert bei MTV die Sendungen "Urban" (montags, 20.05 Uhr) und "Urban TRL" (dienstags, 16.05 Uhr). HipHop, Rap und R'n'B stehen hier klar im Vordergrund - oder wie es der Lockenkopf Jahrgang 79 bezeichnet: "die Liebe zum Beat und Bass". Und obwohl sie als Musikverrückte mit der Materie mehr als vertraut ist, war sie bei ihrer ersten Live-Sendung "leicht panisch". "Zum Glück hatte ich einen ganz zauberhaften Gast, der mir sagte, dass er ziemlich nervös sei. Ich antwortete nur: 'Super, ich auch! Das kann nur gut werden.'"

Wurde es auch. Das Feedback der Fans in den Foren ist überwiegend positiv. "Gut, ich kann jetzt nicht behaupten, dass mich die Leute schon auf der Straße ansprechen und sagen: 'Geile Sendung!' - von den Jungs in meinem Viertel vielleicht einmal abgesehen." Die waren hellauf begeistert, dass ihre Nachbarin jetzt Mucke bei MTV anmoderiert. Hadnet (leider schon vergeben, Jungs!) wohnt "bei Massiv um die Ecke", in Berlin-Wedding - "insofern ist nicht nur die Nähe zu meinen Zuschauern, sondern auch zu den Künstlern da."

Ihr Werdegang? Klassisch, ein bisschen kurios - und vor allem zielgerichtet. Nach ihrem Abitur zog es sie aus Göppingen nahe Stuttgart in die Hauptstadt, wo sie ein Praktikum bei einem Radiosender ergatterte - wenngleich sie gesteht, etwas blauäugig an die Sache herangegangen zu sein. "Dass weit mehr zu dem Job gehört, als nur Musikfan zu sein, hat sich mir dort schnell erschlossen." Irgendwann landete sie bei Radio Fritz, fing an, zu moderieren und Reportagen zu produzieren. "Diese Schiene hatte ich immer fest im Blick. Nur, ob es letztlich Radio oder Fernsehen werden würde, habe ich den Zufall überlassen." Der führte sie auch zu einem Casting für ein Comedy-Format, bei dem jemand von MTV auf sie aufmerksam wurde. Für den Job als Spaßmacherin wurde sich abgelehnt, dafür schlug sie sich beim Musiksender umso besser.

Gibt es einen Plan B für die Zeit nach MTV? "Ich habe immer noch ein abgeschlossenes Studium in der Tasche und muss mir deshalb wohl wenig Sorgen machen. Ob ich beim Musikjournalistmus bleibe oder in eine andere Sparte wechsle, wird sich zeigen. Möglichkeiten gibt es immer", sagt Hadnet, die sich selbst als "Macherin" bezeichnet und mit "Bremsern" überhaupt nicht klarkommt. Klingt arrogant? Ist sie aber nicht. Im Gegenteil. "Ich bin ein offener Mensch, der wahnsinnig schnell mit anderen ins Gespräch kommt und Gemeinsamkeiten feststellt." Weil sie diese Charaktereigenschaft auf eine extreme Probe stellen wollte, nahm sie bei der ProSieben-Show "Survivor" teil. Ein Trip auf eine verlassene Insel, den sie wohl heute nicht mehr wagen würde - auch wenn MTV wegen Hadnets Sprachentalent (Englisch, Französisch, Tigrinya, Arabisch) behauptet: "Mit der Frau könnte man sich auf der ganzen Welt verlaufen."