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(tsch) Immer geht es ums Geld. Die Gesellschaft lebt vom Kaufen und Verkaufen. Anbieten kann man dabei seine Arbeitskraft oder auch Waren. Doch Jobben kommt für Bruno (Jérémie Rénier) nicht in Frage. Da verscherbelt er lieber die unterschiedlichsten Dinge. Die meisten davon sind geklaut. Als der frischgebackene Vater ein Angebot für sein Neugeborenes bekommt, muss er - seiner Logik des Überlebens folgend - nicht einmal darüber nachdenken. Er tauscht in "Das Kind" selbiges gegen 5.000 Euro ein. Schließlich, so sagt er seiner aufgebrachten Freundin, könne man ja Babys wieder neu machen ... ARTE zeigt das preisgekrönte Drama aus Frankreich nun als Free-TV-Premiere.Heiter und abgeklärt wirken die Herumtreiber Bruno und Sonia (Déborah Francois) in ihrem Leben. Sie albern herum, ihre Spielplätze sind das Flussufer, das Industriegebiet und die Straße. Gleichgültig reagiert der 20-jährige Bruno auf die Schwangerschaft seiner zwei Jahre jüngeren Freundin. Als Sonia mit dem Baby zu ihm kommt, nimmt er es kaum wahr. Der Verkauf des Kindes führt zu einem Bruch mit der entsetzten Mutter. Der Film folgt nun Bruno bei seinem Versuch, den Deal wieder rückgängig zu machen. Er bekommt den Kleinen zurück, soll den brutalen Kinderhändlern aber das Doppelte von dem bezahlen, was er erhielt.
"L'enfant" (Original-Titel), das ist hier nicht nur das Baby, sondern das sind auch Bruno und irgendwie auch Sonia. Die Gesellschaft überreicht den Bedürftigen monatliche Sozialzahlungen und kümmert sich nicht weiter um die Empfänger. Außer sie werden kriminell und halten sich nicht an die Spielregeln, wie diese beiden naiven "Kinder". An mehr interessiert sein als an sich selbst und ein Stück erwachsener werden - Sonia gelingt dieser Schritt auch durch die Geburt. Bruno benötigt etwas länger.
Willkommen in der Welt der Brüder Dardenne. Die belgischen Regisseure aus einer Industrieregion stehen für ein direktes Sozialdrama-Kino, das mit humanistischem Anspruch die Menschen im existenziellen Dilemma zeigt. Sie wollen unter die Haut gehen, dem Publikum aber keine Gefühle aufzwingen. Engagement zu zeigen, ohne die Moralkeule zu schwingen oder einfache Schuldzuweisungen vorzunehmen - das gefiel bereits zweimal der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes. Nach "Rosetta" erhielt auch "L'enfant" die höchste Auszeichnung, die Goldene Palme.
Ausstrahlung am 12.05.2008 um 21:00 Uhr auf ARTE