teleschau - der Mediendienst GmbH

Mitten im Leben - Ernest Hemingway: Der Macho ist nicht der wirkliche Ernest

9/05/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Ausstrahlung am 18.05.2008 um 20:40 Uhr auf ARTE

(tsch) Der Krieg, das wusste Ernest Hemingway, würde eine Erfahrung werden, die sein Leben prägt. Er meldete sich freiwillig und wurde 1918 Sanitäter in Italien. Ein Jugendlicher noch, der die Welt sehen wollte und wusste, dass er dazu die Augen öffnen muss. Die Fähigkeit, der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen, kombiniert mit einer punktgenauen Prosa und der Gabe, das Wesentliche wesentlich zu machen, ließ den Sohn eines Chirurgen aus Chicago zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts werden. ARTE zeigt in einem Themenabend, dass Ernest Hemingway mehr war, als nur der alte Mann, der das Meer liebte.

227 Wunden, so schrieb Hemingway aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause, bedeckten seinen Körper. Es blieben nicht die einzigen in seinem Leben. Hemingway war Reporter, Kriegsberichterstatter, Abenteurer - er jagte in Afrika mit Baron von Blixen Großwild, liebte das Hochseeangeln und fuhr immer wieder in Kriegsgebiete, um Reportagen zu schreiben, bevor er 1924 nach Paris ging. Dort begann Hemingway Erzählungen und Romane zu verfassen, in denen er eigene Erfahrungen verarbeitete.

Einer der bekanntesten dieser Romane ist "Wem die Stunde schlägt", in dem Hemingway seinen Kampf auf Seiten der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg schildert. Das Buch wurde bereits drei Jahre nach der Veröffentlichung verfilmt, Sam Woods meisterhafte Inszenierung aus dem Jahr 1943 ist der Auftakt des ARTE-Themenabends.

Robert Jordan (Gary Cooper), ein Amerikaner, gerät unversehens in die Wirren des spanischen Bürgerkriegs, als er sich auf die Seite der Partisanen durchschlägt, die für die antifaschistische Sache kämpfen. Dort lernt er Maria (Ingrid Bergman) kennen, die sich ebenfalls den Aufständischen angeschlossen hat. Zusammen versuchen sie, eine wichtige Brücke zu sprengen. Das größte Problem dabei sind aber nicht die Faschisten, sondern Konflikte in der Gruppe der Widerstandskämpfer. Hemingway hatte sehr genau Themen wie Kameradschaft, Gewalt und Selbstmord analysiert.

Die Beschäftigung mit dem Suizid zieht sich wie ein roter Faden durch Hemingways Leben, das der Literatur-Nobelpreisträger am 2. Juli 1961 mit einer Schrotflinte selbst beendete. In ihrer einstündigen Dokumentation "Der Fluch der Hemingways" (2005, 22.55 Uhr) schickt Clarissa Ruge Hemingways Enkel John auf eine Reise in die düsteren Gefilde seiner Familie. Ernest Hemingways Vater hatte sich 1928 einen Revolver an die Schläfe gehalten und abgedrückt, seine Schwester nahm sich 1966 das Leben, die Enkelin Margaux 1996. Der letzte tragische Todesfall der Familie war Ernests geliebter Sohn und Johns Vater Greg, der 2001 unter bisher ungeklärten Umständen in einem Frauengefängnis starb. Der nun bei ARTE wiederholte Film überzeugt allerdings nicht, das Wort "Schicksal" wird arg strapaziert, John muss durch pathetische Bilder stapfen und über den Sinn des Lebens polemisieren. Die Familie Hemingway wird dadurch nicht greifbarer.