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Ausstrahlung am 19.05.2008 um 20:15 Uhr auf ZDF(tsch) Das Thema, das im ZDF-Dreiteiler "Die Patriarchin" (Erstausstrahlung: 2005) abgehandelt wird, ist aktuell und zeitlos zugleich. Es geht um Macht und Moral, oder besser: um die Moral der Mächtigen. Es gibt Menschen, die jetzt an den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann denken werden und an sein Victory-Zeichen beim Mannesmann-Prozess. Millionen-Abfindungen für unfähige Manager kommen einem in den Sinn, die durch Management-Fehler verursachten Krisen bei Karstadt und Opel. Natürlich ist "Die Patriarchin" in erster Linie ein Film, der unterhalten will und dieses Versprechen auch auf beeindruckende Weise einlöst. Dies allein ist schon viel wert. Doch was ihn wirklich heraushebt aus dem grauen Fernseh-Einerlei, ist die Art und Weise, wie hier subtil und trotzdem unverblümt den Entscheidungsträgern in diesem Land der Spiegel vorgehalten wird.
Am Anfang steht ein Ausbruch, eine emotionale Höllenfahrt, die mit zum Beeindruckendsten gehört, was man von Iris Berben bis dato gesehen hat. Eine Villa geht in Flammen auf und mit ihr ein ganzes Leben. Gegenwart und Vergangenheit verschränken sich in Bildern voller Kraft und Dramatik. "Die Patriarchin" ist ein Film der großen Gefühle, der weit ausholenden Gesten - der Film von Iris Berben. Der Satz mag abgegriffen klingen, doch in diesem Fall trifft er zu: Iris Berben wurde die Rolle der Nina Vandenberg auf den Leib geschrieben. Zu verdanken ist dies drei Männern: dem Autor Christian Schnalke, Regisseur Carlo Rola und Iris Berbens Sohn Oliver, der mit seiner Firma MOOVIE "Die Patriarchin" produziert hat.
Diese Nina Vandenberg ist ein Charakter, dem in Deutschland nur eine Handvoll Schauspielerinnen Leben einhauchen können. Wir sehen eine von Alkohol gezeichnete Frau, ein schönes, aber unsicheres Hascherl an der Seite des Kaffeeröstunternehmers Gero Vandenberg (Michael König). "Alle glücklichen Familien ähneln einander, jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich", hat Leo Tolstoi in "Anna Karenina" geschrieben. Der Satz trifft ins Herz der weit verzweigten Vandenberg-Sippe. In der Kaffee-Dynastie hat das Schicksal seine Kerben hinterlassen. Neid, Misstrauen und Hass sind an der Tagesordnung, und Nina ist das schwächste Glied - wenigstens zu Beginn.
Als Gero bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, ist es sein Neffe Wolf Sevening (großartig: Christoph Waltz), der die Macht über die Firma an sich reißt. Die übrigen Familienmitglieder sind Wachs in seine Händen. Mit Hilfe seiner skrupellosen Frau Tanja (Sophie Rois) kann er sie fast nach Belieben manipulieren und gegeneinander ausspielen. Nina ist die Naive, eine Frau, die lernen muss zu kämpfen. Sie hat Verbündete, wenige zunächst, aber ein paar einflussreiche kommen bald hinzu. Ihr Schwiegervater Gorm (Alexander Kerst) ist der eine, Geros Geschäftspartner Bent Peerson (Ulrich Noethen) der andere. Gemeinsam sind sie einem groß angelegten Betrug auf der Spur. 40 Millionen Euro sind aus dem Traditionsunternehmen verschwunden, die Firma befindet sich im Visier von Staatsanwaltschaft und Finanzamt. Nina bleibt nur eine Chance: Sie muss das verschwundene Geld finden und die Drahtzieher enttarnen.
"Die Patriarchin" möchte vieles sein: Wirtschaftskrimi, Familiensaga, großes Fernsehen mit beeindruckenden Kulissen (der Film spielt in Hamburg, Kenia, Malta, New York und im Salzkammergut). Das gelingt nicht immer, aber oft genug, um wirklich angerührt zu sein von der Kraft, die von dieser Geschichte ausgeht. An der "Patriarchin" ist nichts bescheiden. Es regiert das Übermaß, ein Übermaß an allem, vor allem aber eines der Emotionen, die freskenartig und mit großem Pinsel aufgetragen wurden. Das Ergebnis ist im besten Sinne barockes Fernsehen, das manchmal, aber wirklich nur manchmal, ins Sentimental-Überladene abkippt.
Iris Berben ist das Faustpfand, dass dies nur selten passiert. Ihrem Charisma verdankt der Film alles. Selbst die politische Korrektheit, mit der Nina ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter führt, wirkt nicht aufgesetzt. Verantwortungsgefühl und Menschlichkeit sind ihre Trümpfe und gleichzeitig Eigenschaften, die es im aktuellen Wirtschaftsleben wieder zu entdecken gilt. "Es kommt auf die Menschen an, auf sonst nichts", erklärt Gorm Nina gleich zu Beginn. So ist es und nicht anders. - Die weiteren Teile wiederholt das ZDF am Donnerstag, 22. Mai, 21.00 Uhr, und am Sonntag, 25. Mai, 20.15 Uhr.