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Ausstrahlung am 19.05.2008 um 21:00 Uhr auf ARTE(tsch) Die Tragik dieses Menschen steckt schon im Originaltitel des Films: "The Man Who Wasn't There". Ed Crane, gespielt von Billy Bob Thornton, ist nie richtig da, und wenn er am Ende verschwindet, wird ihn niemand vermissen. Natürlich ist er physisch vorhanden, doch innerlich scheint Crane bei sich alle Lichter ausgeknipst zu haben. All sein Handeln versteht sich als eine reine Reaktion auf äußere Reize. ARTE wiederholt "Der unauffällige Mr. Crane" (2001), die Charakterstudie in Schwarz-Weiß aus der Feder der Coen-Brüder, nun um 21.00 Uhr.
In einer kalifornischen Kleinstadt Ende der 40er-Jahre: Ed Crane erträgt die Monotonie seines Lebens als Frisör im Laden seines Schwagers mit stoischer Tatenlosigkeit. Als ein Fremder in die Stadt kommt und ihm anbietet, mit 10.000 Dollar ins angeblich florierende Geschäft der Trockenreinigung einzusteigen, greift Crane zu. Er sieht die Chance, sein Leben zu ändern. Das Geld erpresst er vom Kaufhausbesitzer Big Dave (James Gandolfini), der ein Verhältnis mit Eds Ehefrau Doris (Frances McDormand) hat. Doch Big Dave kommt hinter den Plan und wird in einem Handgemenge mit Ed getötet.
Mit ihrem speziellen Sinn für Ironie und verrückte Wendungen entwickeln die Coens die Geschichte weiter: Zweimal wird die falsche Person für eine Tötung zur Rechenschaft gezogen, ein extravaganter Anwalt treibt die ganze Familie in den Ruin, und bis alle ihrer mehr oder weniger gerechten Strafe zugeführt werden, sterben noch zwei weitere Menschen. Ein Monolog aus dem Off trägt die sprunghafte Erzählung, und auf der Leinwand bietet Billy Bob Thornton sein ganzes Können auf, um möglichst ausdruckslos und wortkarg zu spielen. Immer wieder kommt echtes Interesse auf für die Nebenfiguren, wie die lebenshungrige, aber desillusionierte Doris oder den in Konventionen gefangenen Big Dave. Man hofft auf mehr. Doch es ist Eds Geschichte.
Durchtrieben karikieren die Coens einen Durchschnittsamerikaner, der in eine Situation gerät, die ihn völlig überfordert, und deren Folge unfreiwillige Gewalt mit Mord und Totschlag ist. Mit dieser Geschichte bedienen sie das Genre des Film Noir, in dem es oft mehr um die Atmosphäre als um den Inhalt geht. Fast jede Szene ist eine raffinierte Komposition aus Licht und Schatten. Auf Farbmaterial gedreht, das schwarz-weiß entwickelt wurde, überzeugen die Bilder mit Sauberkeit, Tiefe und Schärfe - einem Bildband mit Kunstfotografien gleich. Die typische Gelassenheit, mit der die Coens ihre haarsträubende Geschichte präsentieren, muss man jedoch ertragen können. Ed Crane schafft es nur spärlich, Gefühle beim Zuschauer zu wecken.
Thriller scheinen Ethan und Joel anscheinend besonders zu liegen. Mit "No Country for Old Men" räumten sie bei der diesjährigen Oscarverleihung ab: Bester Film, beste Regie, bester Nebendarsteller und bestes adaptiertes Drehbuch - kann es besser laufen? Im Moment scharrt das Dreamteam wieder eine Riege Superstars um sich, diesmal für ein Drama. In "Burn After Reading", das am 12. September in die Kinos kommen soll, geben sich Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich und Tilda Swinton die Ehre.