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Götz George: Erfolge auf den Spuren des großen Vaters

11/07/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Den "letzten großen Rebell des deutschen Fernsehens" nannte ihn der TV-Erfolgsproduzent Nico Hofmann, der mehrfach sehr erfolgreich mit ihm zusammengearbeitet hat. Am 23. Juli wird der Rebell Götz George, wird "Schimmi" Schimanski nun 70 Jahre alt - für einen immer irgendwie jung Gebliebenen gewiss kein Datum, mit dem er gerne lebt. George nimmt es hin, er arbeitet mehr denn je. Er sagt Projekten zu, Leichtes beispielsweise, die er früher abgelehnt hätte. Er stürzt sich in die Arbeit, sozusagen. Zugleich ist er, und man muss es ihm glauben, zufrieden mit seinem Leben, das er - soweit möglich - auf der Mittelmeerinsel Sardinien zu verbringen beliebt.

George pendelt zwischen Berlin, Hamburg und - eben - Sardinien. Er besitzt eine Villa in Berlin, eine Wohnung in Hamburg, woher Marika Ullrich, seine Lebensgefährtin seit nunmehr zehn Jahren, stammt. Sie hat zum Geburtstag einen persönlichen Film über ihn gedreht ("Nicht reden, machen", Sendetermin: Mittwoch, 23.07., 21.45 Uhr, ARD). Privat und entspannt sei das Werk geworden, so heißt es. Es wird viel von "seiner" Insel Sardinien darin die Rede sein, vom Glück des Motorradfahrens und des Rollen-Lernens am Strand, aber auch von den Pferden, mit denen George sogar das Brot zu teilen pflegt. "Pferde sind unendlich schöne und liebe Tiere", sagt der große Mann des deutschen Films in dieser Dokumentation, "sie können zuhören, und das ist bei mir sehr wichtig".

Gesprächspartner des Erfolgsschauspielers sagen, dass er sehr gerne sehr schnell die Themen wechselt, man muss bei ihm die Ohren spitzen, sonst verliert man leicht einmal den Zusammenhang. Eine Unruhe geht von ihm aus, ganz ähnlich wie bei seiner Lieblingsfigur, dem Schimanski, diesem "Ruhrpott-Rambo", den er zusammen mit WDR-Redakteuren 1981 hechtend, schimpfend, außenseiterhaft ins Leben rief. Später wurde der Duisburger Kommissar aus der "Tatort"-Sendereihe abgekoppelt. Mit Erfolg - und dem Ergebnis, dass man den jung gebliebenen Opa immer noch nervös ermittelnd auf dem Bildschirm sehen kann. "Schicht im Schacht" heißt der neueste "Schimanski", der am Sonntag, 20.07., 20.15 Uhr, im Ersten gesendet wird.

"Ich bin keiner, der sich auf die faule Haut legen und warten kann", sagt er heute, "zu Hause war ich nur, wenn ich mal eine Pause eingelegt habe. Diese paar Wochen kann ich genießen, aber dann fällt mir bald schon wieder die Decke auf den Kopf." Kein Wunder, dass er auch zuletzt wieder in rascher Folge auf dem Schirm zu sehen war - und zum Geburtstag erst recht (der Film "Die Katze" läuft am Mittwoch, 23.07., 20.15 Uhr, in der ARD - also direkt vor der Dokumenation; am Sonntag, 26. Juli, 20.15 Uhr, folgt ebenfalls im Ersten die Produktion "Schokolade für den Chef").

Vor allem gespannt aber darf man auf seine Interpretation des jüdischen Hitler-"Freundes" Schlomo Herzl in der George-Tabori-Verfilmung "Mein Kampf" sein, die derzeit gedreht wird. Die Rolle lag George "sehr am Herzen". Nach eigener Auskunft verzichtete er gar auf die Hälfte der Gage.

Nicht eine, viele Karrieren durchschritt George zeit seines nun mehr 70 Jahre währenden Lebens. Romuald Karmarkars "Der Totmacher" von 1995, das Verhör des Serienmörders Fritz Haarmann, wurde zum George-Triumph, er bekam dafür bei den Filmfestspielen in Venedig (vor Jack Nicholson!) den Darstellerpreis, die Coppa Volpi. Unvergessen seine Prachtrollen in den Dietl-Komödien "Schtonk!" (1992, als Starreporter vom "Stern") und "Rossini" (1997, in der Rolle des Starregisseurs). Glanzvoll auch die Rolle des Bestseller-Autors und Prostituierten-Mörders Henry Kupfer in Nico Hofmanns "Der Sandmann"- damals, 1995, produziert für RTL2.

Ein Leben lang hat der Sohn dem berühmten Vater hinterhergespielt - und tatsächlich auf seine Weise beinahe die Größe des Vaters, der in den Sog des Dritten Reichs geriet, erreicht. Danach sah es wahrlich nicht immer aus. Nach der Schauspielschule und Bühnenerfahrung (bei Heinz Hilpert am Göttinger Deutschen Theater) wurde er mit der Karl-May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" (1962) einem größeren Publikum vertraut. Im Neuen Deutschen Film der jungen Regisseure hatte George keine Chance - eine harte Zeit, wie für manch andere auch. Mit seiner berühmten Sonnenbrille soll er damals über die Flure des Arbeitsamtes gehastet sein. Doch dann kam Schimanski, alles Weitere ist bestens bekannt.

George konnte (und kann wohl noch immer) ein Zorniger sein. Die Urkämpfe mit dem gestrengen Vater wirken nach, die Liebe der Schaupieler-Mutter Berta Drews polarisierte wohl die Persönlichkeit. Dass Privates wie Trennung und Scheidung an die Öffentlichkeit gezerrt wurde, machte den Schauspieler scheu, der gleichwohl von sich behauptet, gnadenlos ehrlich zu sein. Er ist und bleibt sperrig. Aber aus eben diesem Charakterzug zieht er zweifellos auch die Kraft für seine Rollen, von denen man ihm noch viele Besondere wünscht.