"Luxus ist, wenn man mit Dingen, die einfach nur Spaß machen, sein Geld verdienen kann." - Erklärt Moderator Klas Bömecke in der Selbstbeschreibung auf seiner Homepage (www.klas-boemecke.de). Und wer dem smarten 37-jährigen bei der Arbeit zusieht, merkt schnell, wie er tatsächlich aufgeht, in dem, was er tut und seinen vornehmlich aus abenteuerlichen Moderationen bestehenden Job genießt. Aktuell reist der Wahl-Münchner quer durchs Land, um für die kabel eins-Sendung "Mein Mann, sein Hobby und ich" (ab 18. Juni, donnerstags, 21.15 Uhr) gestandene Mannsbilder mit außergewöhnlichen Freizeitbeschäftigungen zu porträtieren. Die Dokutainment-Show erzählt von den "verrücktesten Hobbys, die ich je gesehen habe", wie Bömecke beteuert. Gekauft. Er steht auf einem staubigen Rodeo-Gelände in Griesheim bei Darmstadt gerade einem zwei Meter großen Kerl mit Cowboyhut gegenüber: Hans-Hermann ist amtierender Europameister im Bull Riding - und würdiger Protagonist einer spektakulären Reality-Sause.teleschau: Sie treffen für kabel eins auf Menschen mit kuriosen Hobbys. Welcher Hobby-Typ sind Sie?
Klas Bömecke: Tatsächlich ein sehr konservativer! Ich stehe eher auf die normalen Sachen - auch, weil ich dank meines Berufs schon viele verrückte Sachen ausprobieren durfte und musste.
teleschau: Sie waren bei "Galileo", "taff" und "Sam" sowie bei den ARD-Sendungen "Kopfball" und "Quarks" jahrelang der Mann fürs Grobe. Was bleibt in besonderer Erinnerung?
Bömecke: Ach, ich hing schon mal aus einem fliegenden Hubschrauber, war in flüssigem Beton schwimmen, raste im Zweierbob den Eiskanal runter ... Vieles, was irgendwie spektakulär und abgefahren ist, hab ich schon gemacht - oder ich mache es noch.
teleschau: Und privat ist nicht mal so ein kleines bisschen Drachenfliegen drin?
Bömecke: Um Gottes willen! Mir genügt es, mal zu joggen oder ins Fitnessstudio zu gehen. Oder ich koche für Freunde. Und: Ich fotografiere gerne! Alles ganz entspannt. Mehr Action brauche ich nicht. Ich stehe überhaupt nicht auf Sachen, die gefährlich sind.
teleschau: Da hat man aber aufgrund Ihrer TV-Auftritte einen anderen Eindruck ...
Bömecke: Das ist ja ein Unterschied: Wenn ich beruflich damit zu tun habe, sind Experten dabei, die sich sehr gut auskennen. Die können das Risiko für mich abfedern. Und wenn ich mich einigermaßen sicher fühle, dann mache ich auch alles mit. Sehen Sie, ich muss ja dafür sorgen, dass ich gesund bleibe - sonst kann ich diesen Job nicht machen ...
teleschau: Woher kommt eigentlich Ihr Faible für die irren Sachen?
Bömecke: Hat sich so ergeben. Ich begann bei ProSieben als Redakteur mit normalen On-air-Moderationen und Reportagen. Irgendwann übernahm ich den "Blauen Freitag", eine Rubrik, in der ich Menschen einen Tag lang als eine Art Azubi in ihrem Job begleitete. Wir erkannten rasch: lieber Tierdresseur als Bankkaufmann. Nach und nach hat sich das gesteigert, mit mir wurde immer heftiger herumexperimentiert, und die Redaktion freute sich über meine Unzulänglichkeiten - zum Beispiel über meine Höhenangst, als ich einmal beim Bungee Jumping war und wirklich Todesangst ausstand. Für den Zuschauer ist das unterhaltsam: Da ist einer, der hat ähnliche Ängste wie man selbst ... - Aber der im Fernsehen ist der Dumme. Aber keine Angst: Vieles machte auch unheimlich Spaß!
teleschau: Klar. Aus dem Hubschrauber hängen zum Beispiel ...
Bömecke: Na ja, Sachen mit schnellen Autos sind mir am liebsten. Cool war das Bobfahren - mit das Gefährlichste, das ich je machte. Mit 130 Sachen durch den Eiskanal, und du kannst nicht bremsen. Wenn du stürzt, holst du dir Verbrennungen dritten Grades. Nach uns sind zwei Jungs mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen worden ...
teleschau: Also: Wo ist der Reiz?
Bömecke: Ich bin ein Adrenalinjunkie, und ich freue mich sehr, dass ich das beruflich ausleben darf.
teleschau: Ihre kabel eins-Serie scheint da fast schon wieder unspektakulär: Modellbahn statt Eiskanal!
Bömecke: Oh, nicht unterschätzen! Das hat was. Du kommst bei jemandem in die Wohnung, der seinen ganzen Dachboden in eine riesengroße, naturgetreue Modellbahnlandschaft verwandelt hat. Im Ernst: Da stehst du drin und hast den ganzen Tag ein breites Grinsen im Gesicht.
teleschau: Lernt der Zuschauer schräge Typen kennen, oder geht es mehr um schräge Hobbys?
Bömecke: Sowohl als auch. Wir zeigen, womit sich Menschen alles so beschäftigen. Und natürlich wollen wir diesen Menschen nahe kommen. Der Zuschauer sieht Typen, die auf ihre Weise sehr sympathisch, aber eben auch sehr verrückt sind.
teleschau: Inwiefern?
Bömecke: Wenn du deine ganze Freizeit opferst, den größten Teil deines Geldes da reinsteckst, dann musst du in irgendeiner Art und Weise verrückt sein. Diesen Leuten wollen wir auf die Schliche kommen: Was reizt sie, was ist ihr innerer Antrieb?
teleschau: Was ist denn Ihr Antrieb bei der Sache?
Bömecke: Meine Neugier, wie immer bei meiner Arbeit. Ich finde es faszinierend, was Menschen alles auf sich nehmen, um ein Ziel zu verfolgen. Die machen alle etwas sehr Bewundernswertes. Egal, ob sie eine riesengroße Modellbahn aufbauen, oder ob einer einen ferngelenkten Truck so umgerüstet hat, dass er damit einen vollbeladenen Kieslaster von 24 Tonnen ziehen kann. Wie viel Energie, Know-how steckt da drin! Ich stehe davor und bin bass erstaunt. Toll!
teleschau: Was verbindet diese Leute?
Bömecke: Habe ich mich auch schon gefragt. Ich glaube, die Männer eint der Antrieb, etwas Besonderes leisten zu wollen. Sie haben sich ein Ziel gesetzt, das sie nun mit ihrer ganzen Kraft verfolgen. Und sie bringen den entsprechenden Stolz mit. Einen sehr berechtigten Stolz, denn meistens gibt es nicht so viele auf der Welt, die das so gut können wie sie. Wenn ich joggen gehe, dann tue ich das für mich. Zur Entspannung. Aber die Hobbyisten, die wir besuchen, haben eine andere Motivation - die wollen was erreichen.
teleschau: Und sich im Fernsehen zeigen!
Bömecke: Wie gesagt, es geht um Stolz. Einer unserer Protagonisten, Norbert, der seit 20 Jahren Teebeutel und Teeschachteln sammelt, hat sogar sein eigenes Museum eröffnet: "das größte private Teemuseum der Welt". Es handelt sich schon um Menschen, die der Welt gerne zeigen, was sie machen. Wir holen sie mitten in ihrem Leben ab. Deswegen haben sie auch keine Angst vor der Kamera. Sie sind die Fachleute, und ich bin derjenige, der mit Null Wissen ankommt. Es fasziniert mich wirklich, sonst hätte ich das ganze Format nicht gemacht. Ich gehe jedes Mal nach dem Dreh raus und sage: "Mensch, da hast du was gelernt."
teleschau: Und der Zuschauer?
Bömecke: Der soll mit einem Lächeln staunen und das Ganze bestenfalls auch ein bisschen bewundern.
teleschau: Ein schmaler Grat zwischen Lächeln und Auslachen ...
Bömecke: Nein - es gibt kein Auslachen. Denn wir führen niemanden vor oder stellen ihn bloß. Diese Jungs sind unsere Helden, und wir wollen zeigen, dass sie etwas Tolles machen. Aber wir konterkarieren das Ganze natürlich auch.
teleschau: Wie denn?
Bömecke: (lacht) Mit der Ehefrau. Die sagt dann halt mal: "Mensch, mein Mann hat ganz schön einen an der Klatsche!" Weil er die ganze Zeit im Keller hockt oder die ganze Kohle fürs Hobby raushaut. Ich sprach mit Frauen, die konnten sich nicht erinnern, wann sie zum letzten Mal zum Essen eingeladen wurden. Wir vom Filmteam treten dabei schon mal einen Schritt zurück und schmunzeln. Wir lachen überhaupt sehr viel mit den Leuten zusammen, weil sie sich selber ja auch nicht so ernst nehmen. Die wissen halt genau, dass das ein bisschen extrem ist, was sie da tun.
teleschau: Ein bisschen extrem ist Ihr Job ja auch. Wie wurden Sie denn Fernsehmoderator?
Bömecke: Ich bin Journalist. Dabei meinten meine Eltern nach dem Abitur, ich soll etwas Gescheites lernen ...
teleschau: Was denn?
Bömecke: Ich machte eine Banklehre. Nach vier Wochen in Anzug und Schlips stellte ich dann fest, dass das doch keine so gute Idee ist. Langweilig. Ich zog es dennoch durch - und nebenbei schrieb ich für die Zeitung: montags bis freitags in der Bank - am Wochenende bei den Tauben- und Karnickelzüchtern. Parallel zum Zivildienst machte ich später Lokalradio, dann ging ich nach Leipzig, um Journalistik zu studieren. Während meines Volontariats bei einer Produktionsfirma trat ich erstmals für eine "taff"-Geschichte mit versteckter Kamera als Lockvogel auf: Im Supermarkt behauptete ich, es gelten Verkehrsregeln, und plötzlich hielten die Leute beim Abbiegen mit dem Einkaufswagen die Hand raus. Geil!
teleschau: Arbeiten Sie lieber mit ganz normalen Leuten als mit Stars?
Bömecke: Promis reizen mich überhaupt nicht. Ich war 2002 im Oscar-Team von ProSieben in Los Angeles, um Kurzinterviews zu machen. Auf einer Pre-Oscar-Party stand plötzlich Uma Thurman vor mir. Ich fragte sie, ob sie denn auch zur Oscar-Verleihung kommt. Sie blaffte mich völlig genervt an: "Natürlich, mein Freund ist schließlich nominiert!" Und ich hatte wirklich keine Ahnung, dass sie damals mit Ethan Hawke zusammen war ... Ich bin einfach nicht prädestiniert für den Job als Promi-Reporter, fürchte ich.
teleschau: Was spricht für Reality-TV?
Bömecke: Menschen, die normal im Leben stehen, haben die interessanteren Geschichten zu erzählen. Und: Normale Menschen erleben mitunter eben auch Sachen, die gar nicht so normal sind - siehe unser Format bei kabel eins! Ich finde das sehr sympathisch.
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