teleschau - der Mediendienst GmbH

Verena Wriedt: Auf dem roten Teppich geblieben

12/06/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Der Glamour ist auch nicht mehr das, was er einmal war. In der Zeit der Goldkettchen, der Brustbehaarung, der Cabriolets, Föhnfrisuren und grässlichen Sakkos - manche nennen sie die 80-er - waren Promimagazine verlässliche Quotengaranten. Lang ist's her. Doch nach jahrelanger Flaute rollen die roten Teppiche inzwischen wieder häufiger in die Wohnstuben. RTL hat den Dauerbrenner "Exclusiv", das ZDF "Leute heute", vox hat "Prominent!" und ProSieben seit Kurzem "Red!". Nun zieht Sat.1 mit "STARS & Stories" (ab Sonntag, 21. Juni, 22.15 Uhr) nach, das standesgemäß von einer großen, attraktiven Blondine präsentiert wird. Verena Wriedt heißt sie, ist 34 Jahre alt, moderiert noch bis 19.06. das N24-Männermagazin "MM" und erweist sich im Gespräch vor allem als zweierlei: aufgeweckt und überraschend bodenständig.

teleschau: Frau Wriedt, woran liegt's eigentlich, dass Glamour-Magazine nach langer Flaute wieder mehr im Trend liegen? Gerade jetzt, wo vor wachsendem Sozialneid gewarnt wird, schaut man den Superreichen wieder freudig zu?

Wriedt: Naja, irgendwo hat doch jeder diese Sehnsucht. Egal, wie gut oder schlecht man betucht ist: Jeder träumt gerne. Und jeder lästert gerne (lacht). Für mich ist Glamour jedenfalls schon immer spannend gewesen.

teleschau: Motiviert Sie auch der Wunsch, ein bisschen zu den Schönen und Reichen dazuzugehören?

Wriedt: Nein, eigentlich nicht. Ich bin niemand, den es in die Öffentlichkeit zieht. Ich mache den Job nicht, um bekannt zu werden, sondern weil Leidenschaft dahintersteckt. Wenn ich mit Schlabberlook, Brille und Pferdeschwanz durch die Straßen gehe, finde ich es gut, wenn mich die Menschen auch weiterhin nicht erkennen. Wenn ich von Gina-Lisa höre, dass sie von Teenies auf dem Klo geknipst wird, muss ich sagen: Da bin ich nicht scharf drauf.

teleschau: Gerade in Ihrem Metier scheint die Gefahr aber groß zu sein, dass Moderator und Star zu einem Glamour-Klüngel verschmelzen.

Wriedt: Das ist richtig. In meiner Branche ist die Trennung von Beruf und Privatleben ganz wichtig. Ich berichte über Stars, dazu muss ich aber selbst kein Star sein. Ich halte gerne die Fäden in der Hand, muss aber nicht im Mittelpunkt stehen.

teleschau: Mal eine konkrete Verstehensfrage, die zugegeben ein bisschen unfair ist: Boris Becker feiert vor laufenden Kameras Traumhochzeit. Warum muss man das sehen?

Wriedt: Zum einen, weil darüber gesprochen wird und man ja mitreden möchte.

teleschau: Na gut.

Wriedt: Zweitens: Wenn wir von diesem Event wissen und nicht darüber berichten, machen wir vermutlich etwas falsch in unserem Job. Drittens interessiert mich von einem professionellen Standpunkt die Umsetzung: Wie viel gibt dieser Weltstar letztlich preis und wie viel nicht? So viel kommt ja häufig doch nicht dabei rum.

teleschau: Ist Ihnen das Gefühl des Fremdschämens vertraut?

Wriedt: Doch das habe ich auch ... (Pause) sogar oft (lacht). Es ist eine Herausforderung, solche Momente in Begleitung der Kamera zu erleben. Man muss zwar neutral bleiben, darf niemanden in die Pfanne hauen. Aber wenn jemand etwas extrem Dummes sagt, hat man ja schon seine Meinung, mit der ein Journalist auch nicht unbedingt hinter dem Berg halten muss. Da darf man schon mal dezent nachhaken.

teleschau: Drückt eigentlich die Finanzkrise auf die Stimmung bei den Millionären. Musste schon einer die Jacht verkaufen?

Wriedt: (lacht) Das kommt sicherlich vor. Aber nach meinem Eindruck ist die Krise in den superreichen Kreisen noch nicht wirklich eingeschlagen. Bei Events werden ein bisschen die Ausgaben zurückgefahren, was ich völlig angemessen finde. Aber richtig hart hat's die Wenigsten getroffen. Glamour gibt's immer.

teleschau: Aber nicht überall. Sie wuchsen zum Teil auf den Philippinen auf ...

Wriedt: Richtig, mein Vater war kaufmännisch tätig und nahm dort ein Jobangebot wahr. Es sollten erst ein bis zwei Jahre werden, wurden tatsächlich aber zehn. Für mich war das eine extrem prägende Zeitspanne, ich war dort im Alter von sechs bis 16 Jahren.

teleschau: Wie genau prägte Sie diese Zeit denn?

Wriedt: Als Ausländer lebten wir in einem sogenannten Village, einer wohlhabenden, sicheren Gegend. Doch direkt hinter den Mauern, die dieses Village umgaben, begannen die Slums. Als Kind muss man diese Situation erst einmal verstehen. Unsere Eltern versuchten, mich und meinen Bruder für die Situation zu sensibilisieren. Auch an der Schule gab es Aktionen, bei denen wir Teddybären oder Reissäcke in die Slums brachten. Das war eine harte Erfahrung, aber auch sehr lehrreich. Auf dem Teppich zu bleiben, ist mir gerade heute sehr wichtig.

teleschau: Haben Sie noch Kontakte auf den Philippinen?

Wriedt: Leider nicht. Ich war das letzte Mal mit 21 dort. Da hatte sich schon so viel verändert, dass mein Bruder und ich uns entschlossen, das Land so in Erinnerung zu behalten, wie wir es als Kinder erlebten. Das sind meine schönsten Erinnerungen überhaupt. Allerdings spreche ich noch ein paar Brocken Tagalog, das ist der philippinische Hauptdialekt.

teleschau: Den beherrschen Sie noch nach all den Jahren? Respekt!

Wriedt: (lacht) Beherrschen ist vielleicht zu viel gesagt, ich könnte Ihnen die Nationalhymne vorsingen. Es ist schon einiges verloren gegangen. Aber immer, wenn ich Philippinos auf der Straße sehe, kann ich es mir nicht verkneifen, sie auf Tagalog anzusprechen (kichert). Der verwunderte Blick, den man erhält, wenn eine blonde Frau, die etwa anderthalb Köpfe größer ist als der Durchschnittsphilippino, ihre Sprache spricht, ist herrlich und sehr amüsant.

teleschau: Noch mal zurück zum Beruf. Sie moderieren bei N24 das Männermagazin "MM". Außerdem berichten sie seit Kurzem aus der DTM-Boxengasse. So eine Jungswelt, ist das was für Sie?

Wriedt: Total! Ich bin inzwischen ein Riesenfan der DTM, fuchste mich da richtig rein, bereitete die Rennen akribisch vor. Es ist eine ganz andere Atmosphäre, mit 30 Rennfreaks am Tisch zu sitzen, aber es ist nett (lacht).

teleschau: Benzin statt Parfum - sind Ihnen solche Kontraste wichtig? Auch im Privaten?

Wriedt: Absolut. Diese Glamour-Pärchen, wo er Schauspieler ist und sie Moderatorin, das ist nicht meine Welt. Ich bin froh, dass mein Mann etwas komplett anderes macht. Glamour findet in meinem Privatleben in dem Sinne nicht statt. Ich gehe auf dem Kiez zu meinem Lieblingsitaliener mit seinen Holzstühlen und fühle mich total wohl.

teleschau: Wenn Sie die Gegensätze so schätzen, ist Ihre Wahlheimat Berlin genau die richtige Stadt, oder?

Wriedt: Genau das liebe ich an Berlin. Ich war heute Morgen beim Sport und hatte anschließend keine Lust, was Ordentliches anzuziehen. Dann habe ich meinen besten Freund, der gegenüber wohnt, in Jogginghose und Kapuzenpulli auf einen Kaffee getroffen. Da schaut einen in Berlin niemand schräg an, das ist herrlich, man fühlt sich total frei. In München oder Hamburg wäre ich mir vermutlich komisch vorgekommen.

teleschau: Sie kamen viel rum, lebten auf den Philippinen und in den USA. Verbinden Sie überhaupt mit einem speziellen Ort ein Heimatgefühl?

Wriedt: Ja, zum ersten Mal seit der Zeit auf den Philippinen fühle ich mich in Berlin nach neun Jahren richtig heimisch. Deshalb bin ich auch froh, dass ich wegen der Sendung, die in München produziert wird, nicht umziehen musste. Es gibt ja Flugzeuge.

teleschau: Wenn Sat.1 demnächst die Kartons packt und von Berlin nach München zieht, gehen also Sie nicht mit?

Wriedt: (lacht) Nein, ich darf zum Glück in Berlin bleiben!

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