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Das Kreuz mit dem Hasen: Warum man den Fernsehsendern für ihr Osterprogramm das Fell über die Ohren ziehen sollte

13/03/2009 0:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Irgendwann wird es dem Osterhasen zu bunt werden. Und das aus gutem Grund: Obwohl er seit Jahrhunderten mindestens genauso viel schuftet wie der Weihnachtsmann, genießt er noch immer nicht die gleichen Rechte wie sein kühler Kollege. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass Meister Lampe weder von Rentieren noch von Wichtel unterstützt wird und immer an den Feiertagen arbeiten muss, nein, er kann nicht einmal auf eine gebührende Anerkennung seiner Plackerei hoffen. Denn während Santa Claus in den kalten Tagen einen Fernsehauftritt nach dem anderen hat, schlagen die Sender einen Haken um den langohrigen Schwerstarbeiter.

Dass er am Karfreitag (10.04.) nicht im Programm auftaucht, kann dem Osterhasen eigentlich ganz recht sein. Denn wer will an diesem Tag schon Jesus in die Quere kommen? Dessen Martyrium beginnt bereits um 17.45 Uhr bei ProSieben mit der Wiederholung von James Camerons pseudowissenschaftlicher Dokumentation "Das Jesus-Grab". Dass der "Titanic"-Regisseur dieses tatsächlich gefunden hat, stellt gleich im Anschluss (19.25 Uhr) Aiman Abdallah in einer nicht minder fundierten "Galileo Mystery"-Ausgabe in Frage. So besagt "Die Jesus-Verschwörung", die Kreuzigung des Gottessohns sei nur eine Inszenierung gewesen. What would Jesus do? Wahrscheinlich umschalten.

Denn ab 19.30 Uhr beweist das Zweite, dass man die Bibelstunde sowohl wissenschaftlich als auch humorvoll gestalten kann. In der Dokumentation "Himmel, Hölle, Fegefeuer" macht sich Daniel Sich augenzwinkernd über das Jenseits Gedanken. Todernst gestaltet hingegen Sat.1 das Abendprogramm - Mel Gibsons Drama "Die Passion Christi" (23.30 Uhr) zeigt zum wiederholten Male den Leidensweg Jesu mit allen blutigen Details.

Geradezu schockierend mutet auch die Hasendiskriminierung in den folgenden Tagen an. Statt am Karsamstag (11.04.) die Verdienste des Osterhasen angemessen zu würdigen, zeigt das Erste Jörg Pilawas Spiel- und Rateshow "Frag doch mal die Maus", in der dem Langohr nur eine untergeordnete Rolle zukommt. Doch das soll nicht die einzige Demütigung vonseiten der ARD bleiben: So spielen am Ostersonntag, 12.04., 15.40 Uhr, in der Free-TV-Premiere des Trickfilms "Happy Feet" steppende und singende Pinguine die Hauptrollen. Am Ostermontag (13.04.) wird in einer britischen Naturdokumentation über "Das heiße Leben der Schneeaffen" (18.30 Uhr) - nicht Schneehasen - berichtet. Und von Freitag bis Montag tobt in einer skandinavischen Krimi-Reihe jeweils nach dem Primetime-Programm "Der Wolf" durch das Erste.

Die tierische Verwirrung macht auch vor anderen Sendern nicht halt: So spielt in der Erstausstrahlung des Animationsfilms "Ab durch die Hecke" (Samstag, 20.15 Uhr, Sat.1) vom Waschbär über Eichhörnchen bis zur Schildkröte fast jedes erdenkliche Kleintier mit, und RTL bringt es am Ostersonntag sogar fertig, in der Ben-Stiller- Komödie "Nachts im Museum" zur Primetime einen Dinosaurier über den Bildschirm zu jagen. Von einem Hasen fehlt jedoch jede Spur. Nicht einmal in der ProSieben-Free-TV-Premiere des Thrillers "Prestige - Meister der Magie" (Mo., 20.15 Uhr), in dem ein tödlicher Wettstreit zwischen zwei aufstrebenden Illusionisten entbrennt, ziehen Christian Bale und Hugh Jackman ein Karnickel aus dem Zylinder.

Auch ARTE weiß nicht, wie der Hase läuft, und überschreibt den samstäglichen Themenabend mit "Die Katze, das rätselhafte Wesen" (20.15 Uhr). Doch zumindest scheint das Osterfest in Straßburg ansatzweise bekannt zu sein: Am Samstag, 21.00 Uhr, sucht Bernd Boehm in seiner unterhaltsamen Dokumentation "Fabergé - Ostereier für den Zaren". An großen Klunkern zeigt ebenfalls ProSieben Interesse - wobei es in "Blood Diamond" (Sonntag, 12.04., 20.15 Uhr) mit Leonardo DiCaprio so brutal zugeht, das man keinem Hasen auch nur eine Nebenrolle wünscht.

Gleiches trifft auf die neue Sendung von Tim Mälzer zu, der am Ostersonntag, 17.15 Uhr, seinen Einstand im Ersten feiert. Alfred Biolek klärt "den jungen Wilden" bei einem Kochgipfel darüber auf, was er sich für seine Arbeit im Öffentlich-Rechtlichen besser hinter die Löffel schreiben sollte. Bevor sich die Zuschauer nun sorgen, dass der Hase bei den beiden Fernsehköchen im Pfeffer liegt, kann das Zweite Entwarnung geben: Ausgerechnet im Charlotte-Link-Thriller "Das Echo der Schuld", der am Sonntag, 21.50 Uhr, und Montag, 22.00 Uhr, läuft, wurde ein quicklebendiges Kaninchen gesichtet. Manchmal dauert die Suche an Ostern eben etwas länger ...

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