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"Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse" - Die Hoffnung schimmert nur ganz schwach

14/03/2008 0:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Es gibt Geschichten, die müssen einfach erzählt werden, auch wenn sie nicht von Glück und allgemeiner Freude handeln. Das sagt Lemony Snicket und rekapituliert die unglücklichen Ereignisse, die den drei Baudelaire-Kindern widerfuhren. Brad Silberlings ("Moonlight Mile", "Stadt der Engel") Film "Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse" (2004) ist düster wie Charles Dickens, fantasievoll wie Tim Burton und und ein rauer Spaß für die ganze Familie - sofern man die Kinder aufs Zimmer schickt. Umso mehr darf man sich über den frühen ARD-Sendetermin der Free-TV-Premiere am Ostermontag wundern ...

Kaum zu glauben, wie hier die heile Geschichtenerzähler-Welt auf den Kopf gestellt und durchgeschüttelt wird: Nachdem ihre Eltern in einem plötzlichen und unerklärlichen Feuersturm, der durch ihr beschauliches Haus raste, umkamen, sind Klaus (Liam Aiken), Violet (Emily Browning) und Baby Sunny plötzlich Waisen und werden der Obhut ihres Verwandten, des Grafen Olaf (grandios: Jim Carrey) anvertraut. Der entpuppt sich als mieser Schauspieler und noch mieserer Charakter und trachtet danach, die armen Sprösslinge wegen der Erbschaft möglichst einfallsreich über den Jordan zu schicken. Die Kinder begeben sich fortan auf eine unsanfte Odyssee durch die verbleibende Verwandtschaft, immer mit Olaf in verschiedenen Verwandlungen auf den Fersen. Der sorgt dann auch dafür, dass den Kindern in bester Dickens-Manier das Glück immer wieder davon läuft.

Bereits Silberlings rasant-komische Vorstellung der drei leidtragenden Charaktere lässt die "Royal Tenenbaums" wie eine graue Durchschnittsfamilie aussehen. Doch die Lacher halten sich nur bedingt. Mit eiskaltem Sarkasmus weht der Film über seine Darsteller hinweg, erspart ihnen keinen noch so kruden Schlenker.

Trotz des bissigen Tonfalls steckt "Lemony Snicket" in einem biederen Gewand und besitzt alle Zutaten einer reinen Märchenerzählung. Da fährt die Kamera gekonnt durch opulente, surreale Bilder, die an Tim Burtons "Big Fish" erinnern. An seltsamen Einfällen wird nicht gespart, und so staunt man über die doppelköpfige Kobra, die Untertitel, die die Babysprache übersetzen, und Meryl Streeps windschiefes Haus. So verwegen das ist, es erschlägt den Zuschauer nicht (obwohl das diesem Snicket vermutlich gefallen würde). Abgesehen von Jim Carrey in der Rolle des exzentrischen Bösewichts.

Es mag schizophren klingen, doch trotz seiner diesmal besonders beeindruckenden Wandlungsfähigkeit wird er ein wenig zum Stolperstein für "Lemony Snicket". Carreys Stärke erweist sich als Schwierigkeit, denn der Film kämpft um seine Story, vor allem deren Doppelbödigkeit. Doch immer wieder marschiert der neu maskierte Jim Carrey ins Bild und degradiert den spannenden Plot zu seiner Bühne, zum Schauplatz, um des Kaisers neue Kleider zu präsentieren und die anderen, nicht minder skurrilen Charaktere - Meryl Streep als Tante und Billy Connolly als Onkel - an die Seite zu drängen.
Ausstrahlung am 24.03.2008 um 13:10 Uhr auf ARD