teleschau - der Mediendienst GmbH

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück: Wo bleiben die hochaufgelösten Bilderfluten?

14/03/2008 0:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) LCDs und Plasmabildschirme, wohin das Auge in den Elektromärkten auch blickt. Viele haben sich so einen schicken Flachmann schon zur WM 2006 ins eigene Wohnzimmer geholt, andere schlugen erst mit der Veröffentlichung der PlayStation3 zu. Der Rest kaufte quasi blind diese Dinger, weil sie sich prima an der Wand machen - und warten seitdem. Darauf, dass die Bilder so gestochen scharf aussehen wie damals, als der Verkäufer seine Testvorführung startete, von Full-HD schwärmte, Kontrastwerte in orgiastische Höhen trieb und Reaktionszeiten wie ein Technik-Mantra vorbetete. Die TV-Realität ist jedoch eine andere: Was aus dem Kabel und Äther kommt, ist oft nur Pixelbrei, zu grob für die feinen Flachbildschirme. Schlimmer noch: Die deutschen Zuschauer gucken noch ziemlich lange in die Röhre.

HDTV findet derzeit vornehmlich woanders statt. Im Pay-TV etwa, wo Premiere HD mit seinen hochauflösenden Blockbustern und Fußball-Übertragungen das Maß aller Dinge darstellt. Oder bei Discovery HD, einem Doku-Kanal, der ebenfalls verschlüsselt ist und mit knapp zehn Euro im Monat zu Buche schlägt - zusätzlich zum Premiere-Abo. Der einzig frei über Satellit empfangbare HD-Kanal ist derzeit Anixe HD, vom Astra Demokanal einmal abgesehen.

ProSieben? Sat.1? Haben ihre HD-Übertragungen vorerst eingestellt. Die Gründe waren eine simple Kosten-Nutzen-Abwägung sowie die fehlende Unterstützung anderer Sender, so Konzernsprecherin Katja Pichler. Allen voran ARD und ZDF hätten Zeichen setzen können - schon bei der WM 2006, der kommenden Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz oder den Olympischen Spielen in Peking. Doch daraus wird nichts. Die Bürokratie obsiegt über das Medium. Die geltenden Staatsverträge würden laut Jörg-Peter Jost, Technik-Chef des Hessischen Rundfunks und Koordinator der digitalen Satelliten-Aktivitäten der ARD, eine veränderte Nutzung der bestehenden Übertragungswege nicht einfach so erlauben. Der offizielle Startschuss für das öffentlich-rechtliche HDTV wird deshalb wohl erst 2010 bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver fallen. Davor will man allenfalls eine Handvoll "Showcases" zeigen, die als Testlauf und Appetizer zugleich fungieren.

So werden während der Osterfeiertage (21. bis 24.3.) beim Digitalkanal EinsFestival über 40 Sendungen mit einer Gesamtlänge von knapp 75 Stunden in dem hochauflösenden Format übertragen - darunter die bildgewaltige BBC-Serie "Planet Erde" (23.3., ab 13.15 Uhr) oder eine digitalisierte Form der Kultserie "Kir Royal" (21.3., 17.30 Uhr). Klar, dass zum Empfang ein HD-fähiger Reciever vonnöten ist.

Doch während der deutsche Zuschauer mit der Lupe auf Programmsuche gehen muss, ist es um die Nachbarn in Österreich und der Schweiz wesentlich besser bestellt. Die Eidgenossen läuteten die HD-Ära bereits Ende letzten Jahres ein, der ORF will zur EM im eigenen Land nachziehen.

Dafür holt der TV-Standort Deutschland an anderer Stelle auf: bei der Online-Verwertung seiner Inhalte. ProSiebenSat.1 bestückt dieser Tage seine Internet-Videothek mit aktuellen Folgen ausgewählter Formate. So bieten ProSieben, Sat.1 und kabel eins auf ihren Homepages seit Kurzem "K11 - Kommissare", "Germany's next Topmodel", "Jedes Kilo zählt - Eine Insel wird schlank" und "Ich Tarzan, Du Jane" kostenlos zum Download an. Dieses Angebot soll sukzessive nach amerikanischem Vorbild ausgebaut werden, Networks wie ABC stellen bereits direkt nach der Ausstrahlung aktuelle Episoden ihrer Topserien wie "Lost" ins Netz.

Bei RTL geht man noch einen Schritt weiter. So zeigen die Kölner ab sofort die Rennen der Formel-1-Saison auch als Live-Stream - sehr zum Ärger des Pay-TV-Kanals Premiere, der Ähnliches plante, nur eben nicht kostenlos. Und auch ARD und ZDF planen künftig Live-Streams. Entsprechende Vereinbarungen mit Kooperationspartnern seien "abschlussbereit".