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Sebastian Urzendowsky: Spielt nicht die Helden

14/03/2008 0:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) "Mich kennt keiner", sagt Sebastian Urzendowsky, und er klingt dabei ziemlich zufrieden. Seit mehr als zehn Jahren steht der 22-jährige Berliner vor der Kamera und kann auf eine beeindruckende Laufbahn zurückblicken. Mit großen Namen hat der Jungschauspieler bereits gearbeitet, zählte unter anderem zum Ensemble des Oscar-prämierten Dramas "Die Fälscher". Doch irgendwie hat es Urzendowsky geschafft, sich immer geschickt am Mainstream vorbeizuspielen und über die Jahre hinweg ein hochgelobter Geheimtipp zu bleiben. Schon bald könnte es aber vorbei sein mit der recht willkommenen Anonymität. Anfang April ist das Naturtalent gleich in zwei Hauptrollen zu sehen: in der skurrilen Landei-Komödie "Nimm dir dein Leben" (Donnerstag, 10.04., 23.15 Uhr, WDR) und im packenden ARD-Fernsehfilm "Guter Junge" (Mittwoch, 09.04., 20.15 Uhr), in dem er einen pädophilen Jugendlichen verkörpert.

Eine außergewöhnliche Rollenwahl, mit der er viel Mut beweist. Doch Sebastian Urzendowsky, der sich zur Vorbereitung von einem Spezialisten für Sexualmedizin der Berliner Charité beraten ließ, empfindet sich selbst als nicht besonders couragiert. "Auch mein Film-Vater Klaus J. Behrendt sagte zu mir, dass er mich mutig fände, weil sonst alle immer nur die Helden spielen wollten. Aber das kann ich nicht nachvollziehen. Für mich ist eine Figur genau dann spannend, wenn sie ein Problem hat." Die Sonderlinge, die einsamen, die skurrilen Charaktere haben es ihm also angetan. Auch er selbst neige dazu, nachdenklich zu sein, sagt Urzendowsky, der im Gespräch für sein Alter erstaunlich reif und überlegt antwortet. Doch das Ernste, Melancholische sei nur eine Seite von ihm. "Ich kann auch sehr entspannt und lustig sein", erklärt er, und man glaubt es dem ruhigen und freundlichen Schauspieler gern.

Privat führt Urzendowsky ein ganz normales Leben. Er wohnt in einer Zweier-WG im Berliner Zentrum, liebt es zu lesen, Filme zu schauen und vor allem, Freunde zu treffen. Seine engsten kennt er noch aus Schultagen. Schon damals stand er vor der Kamera, spielte etwa in Dominik Grafs "Der Felsen" (2000) oder im Kritikererfolg "Pingpong" (2006). Doch an die große Glocke hing das der Junge nie, der mit acht Jahren durch Zufall von einer Agentur entdeckt wurde. Sebastian Urzendowsky kommt es nicht darauf an, berühmt zu sein oder "geknipst zu werden". Ihm geht es um die Sache, um seinen Beruf. "Interessante Figuren verkörpern zu dürfen, mit der Zeit nicht abzustumpfen und vor allem sich immer weiterentwickeln zu können", das sind seine Träume für die Zukunft. Für Casting-"Berühmtheiten" hat er daher keine besonders netten Worte übrig: "Furchtbar! Jeder weiß, da geht es nicht um die Lieder oder die Filme, sondern darum, dass man am Ende in irgendeinem Boulevard-Blatt landet."

Angst habe er nun schon ein bisschen vor dem Bekanntsein - und davor, "wie man dann wahrgenommen wird", räumt er ein. "In den Medien entsteht schnell ein falsches Bild, gegen das man sich nicht wehren kann." Das sei ihm zuletzt auf einer der wenigen Premierenfeiern aufgefallen, die er besuche. "Bekannte und Freunde von mir standen zusammen und tranken und lachten. Auf jeder anderen Party wäre das völlig in Ordnung gewesen, aber hier heißt es direkt: 'Diese jungen Schauspieler!'"

Vom Arbeiten werden ihn diese Bedenken jedoch nicht abhalten. "Ich bin immer froh, wenn ich etwas tun kann", sagt der Berliner, der auch den Krach und das Gewusel seiner Heimatstadt nicht missen möchte. "Ich hätte Angst vor einer totalen Entspannung." Verheizen lässt er sich aber noch lange nicht. Der 22-Jährige weiß ganz gut auf sich selbst aufzupassen. Derzeit studiert er im zweiten Jahr an der Universität der Künste in Berlin - auch weil er spürte, dass er noch eine "Schutzphase" braucht, einen Ort, "an dem ich noch ein bisschen aufgehoben bin".