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Ausstrahlung am 23.03.2008 um 21:45 Uhr auf ARD(tsch) Skandinavische Krimis sind in - sowohl bei deutschen Lesern als auch beim Fernsehpublikum. Nachdem die schwedischen Autoren Henning Mankell und Håkan Nesser mit ihren Kommissaren Wallander und Van Veeteren Quote machten, darf nun ein neuer nordischer Ermittler nachrücken. Varg Veum oder - wie er auf Deutsch heißt - "Der Wolf" ist ein Privatdetektiv aus den norwegischen Bergen. Die Romane seines Erfinders Gunnar Staalesen erfreuen sich in ihrer Heimat großer Beliebtheit - kein Wunder also, dass mit Trond Espen Seim einer der bekanntesten und attraktivsten Schauspieler Norwegens den kernigen Detektiv verkörpert. Zweimal muss "der Wolf" über Ostern ran, dem Auftaktfall "Das vermisste Mädchen" (So., 23.03.) folgt "Dunkle Geschäfte" (Mo., 24.03., beide um 21.45 Uhr im Ersten).
Die pittoreske Stadt Bergen sei ein zwiespältiger Ort - meint Hauptdarsteller Trond Espen Seim, der schon vor der Produktion der Varg-Veum-Filme ob eines Engagements am dortigen Theater einige Jahre in der zweitgrößten Stadt Norwegens lebte. Einerseits bietet die alte Hansestadt herrliche Hügel mit schmucken Holzhäusern, dazu eine atemberaubende Natur mit hohen Bergen und einer Menge Wasser davor. Anderseits erzeugt das Eingeschlossensein in diese martialische Landschaft auch eine klaustrophobische Enge, die vom ständigen Regen an der norwegischen Westküste nicht gerade aufgelockert wird.
Ein guter Ort für düstere Kriminalromane, dachte sich wohl der in Bergen lebende Autor Gunnar Staalesen, Jahrgang 1947, und ein guter Freund des schwedischen Erfolgsschriftstellers Henning Mankell. Bereits in den Achtzigern erschienen Staalesens erste Varg-Veum-Romane, 13 sind es mittlerweile, doch erst kürzlich wurden sechs davon fürs norwegische Fernsehen verfilmt.
Im seinem ersten Fall bekommt es Varg Veum mit einem verschwundenen kleinen Mädchen zu tun. Da sich dessen Mutter, eine konservative Spitzenpolitikerin, keine negative Publicity im Wahlkampf leisten kann, weiht sie lediglich den zottelhaarigen Privatdetektiv in ihr Geheimnis ein - das Kind verschwand zeitgleich mit dem Geliebten der unglücklich verheirateten Mutter. Varg Veums Ermittlungen führen ihn bald zu einer dubiosen Chemiefabrik, in der der abhandengekommene Liebhaber zuletzt als Chemiker beschäftigt war.
Norwegen-Fans werden auf ihre Kosten kommen: Kameraperspektiven vom Hubschrauber begleiten Varg Veums Autofahrten durch die raue und faszinierende Landschaft seines Reviers. Dazwischen die malerischen Gassen und schmucken Holzhäuser von Bergen, das sieht trotz des dauerhaft schlechten Wetters am Drehort einfach gut aus ("Anders als bei Regen kann man in Bergen nicht drehen, da es fast immer regnet", sagt Hauptdarsteller Seim). Auch wenn gerade der Auftaktfall nicht die Klasse der besten Mankell-Filme erreicht, macht Varg Veum auf eine düstere Art irgendwie Spaß. Das liegt vor allem am attraktiven Slacker-Detektiv Varg Veum, der wie eine Mischung aus Nirvana-Sänger Kurt Cobian und dem jungen Nick Nolte daherkommt.
Seine im Leben gescheiterte und dennoch idealistische Figur erinnert an die "Schwarze Serie"-Romane von Raymond Chandler mit ihrem Helden Philip Marlowe. Der zweite Fall am Ostermontag ("Dunkle Geschäfte") ist übrigens - vor allem, was Zeichnung und Tiefe der Charaktere angeht - der klar bessere.