Ausstrahlung am 19.08.2009 um 23:30 Uhr auf ARDWussten Sie, dass Trendfarben drei Jahre im Voraus international verabredet werden? Dass bei Ihrem Staubsauger womöglich ein Jahr lang intensiv daran getüftelt wurde, ihn einfach nur saugfähiger klingen zu lassen? Und dass hinter den Kulissen von Hotels und Supermärkten Geruchsdesigner am Werke sind, um Ihnen Wohlbehagen zu verschaffen und Ihnen somit die Bereitschaft, Geld auszugeben, sagen wir mal: zu erleichtern? Filmemacher Jan Tenhaven nimmt die spätabendlichen ARD-Zuschauer in seiner Dokumentation "Angriff auf die Sinne - Wie wir Verbraucher verführt werden" mit auf eine ebenso faszinierende wie erschreckende Reise ins Reich der Sinne und ihrer Manipulation im Dienste des Konsums.
Wer bislang der Überzeugung war, Kaufentscheidungen allein nach Preis und Qualität zu fällen, muss das hinterfragen. Letztendlich ist der Mensch doch ein Würstchen. So manipulierbar. Einst half ihm sein Gehör, Gefahren wahrzunehmen und sich zeitig davor zu schützen. Heute spielt es ihm Streiche. Beziehungsweise: Ganze Wissenschaften haben sich der Aufgabe verschrieben, es zu verführen - ebenso wie unsere Augen und unsere Nase. Und wir können uns kaum dagegen wehren. Die Marketing-Experten haben unser Unterbewusstes ausgemacht und investieren Millionen in dieses Gebiet.
Es macht sogar Spaß, sich das anzuschauen, was wie die Superhelden-Truppe aus einem futuristischen Comic wirkt, aber tatsächlich die Realität der Konsumwirtschaft ist: Zum Beispiel schnüffelt sich eine attraktive, international anerkannte Geruchsdesignerin ein halbes Jahr lang durch ein Hotel, die Schweiz und ihr unfassbar zahlreich bestücktes Geruchslabor, um der Schweizer Kette die perfekte subtile Duftnote zu verpassen. Den "Corporate Smell", was nicht so abstoßend ist, wie es klingt. Er soll machen, dass der Kunde immer wieder kommt. Geruch geht sofort ins Gehirn. "Ein Traum von Marketing", sagt Geruchsexpertin Sissel Tolaas.
Interessant, zu erfahren, dass es das Berufsbild des Psychoakustikers gibt, hier vertreten durch einen sympathischen Sachsen, eigentlich Instrumentenbauer. Ein Jahr lang arbeitet er daran, einem Staubsauger ein verlockendes Sauggeräusch zu verpassen. Und es ist äußerst erhellend, zu beobachten, wie sich Farbexperten von Motorrad-, Möbel- und sonstigen Herstellern bei einer Zusammenkunft auf die Trendfarben für in drei Jahren einigen. Damit dann keiner aus der Reihe tanzt - beziehungsweise aus der Mode, wenn eher dunkle Töne ein gewisses Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen.
Denn das, was Tenhaven hier zeigt, soll ja eigentlich kein Verbraucher allzu genau wissen. Und damit es sich nicht allein schon wieder vom Anblick dieser sinnlichen Arbeitswelten einlullen lässt, erinnert der Autor sein Publikum in regelmäßigen Abständen im Off-Text daran: Das dient alles nur dem einen Zweck - konsumieren, konsumieren, konsumieren.
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