Apocalypto: Würze trotz Kürze?

14/08/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Ausstrahlung am 23.08.2009 um 20:15 Uhr auf ProSieben

Aus 140 Filmminuten im Kino werden bei der Free-TV-Premiere bei ProSieben gerade noch 112. "Apocalypto" läuft bereits um 20.15 Uhr und ist deshalb in der TV-Version deutlich entschärft. Im Kino erhielt Mel Gibsons Gemetzel 2006 nicht mal eine Jugendfreigabe, war also ab 18. ProSieben erhielt für die geschnittene Version nun gar die Freigabe für die beste Sendezeit, also ab zwölf Jahren. Von unabhängigen Prüfern wohlgemerkt.

Wer sich mehr Originaltreue erhofft, der schaltet um 00.25 Uhr am gleichen Abend ein. Da wird die erwachsenere Ausgabe des Films gezeigt, immerhin 124 Minuten lang. Zieht man sechs Minuten Abspann ab, die ohnehin nie ausgestrahlt werden, erreicht diese Fassung bis auf wenige Minuten die Länge des Originals. Vor allem einige "Spitzen" bei der Brutalität mussten sicher herausgenommen werden, heißt es bei ProSieben, eine Verstümmelung wird jedoch nicht befürchtet. Allemal bleibt Mel Gibsons Abenteuer eine furiose Expedition ins Innere des zum Untergang geweihten Maya-Reiches, die zwar anstrengend ist, aber auch in keiner Sekunde langweilig wird.

Es gibt gute Naturburschen, die in so perfektem Einklang mit sich und der Natur leben, dass es fast schon unwirklich ist. Es gibt Krieger, die richtig böse, hinterhältig, zerfressen vor Neid und Geltungssucht sind. Es gibt Liebe, und es gibt Hass. Und es gibt eine Handlung, die so einfach wie nachvollzieh- und vorhersehbar ist. Der Film, beziehungsweise sein Protagonist "Pranke des Jaguars" (Rudy Youngblood) gehen von A, dem heimischen Dorf, nach B, der Stadt der Mayas, und zurück nach A.

Das reicht völlig aus. Gibsons Beschränkung darauf ist so konventionell wie genial. Der Intellekt wird nicht überfordert, sodass alle Verarbeitungskapazitäten für die primären Sinne "sehen" und "hören" frei sind. Denn "Apocalypto" ist voll wilder Energie, der Film kommt nie zur Ruhe, gönnt sich keine Pausen, ist ständig in Bewegung.

Mel Gibson beginnt, indem er die Idylle des Stammes von "Pranke des Jaguars" zeigt. Die Männer jagen im Einklang mit dem Wald, im Dorf herrscht eine soziale Ordnung des Respekts. Ein paar Minuten später geht all das aber in Flammen auf und ertrinkt in Blut. Eine marodierende Horde Krieger überfällt das Dorf, um die Männer und Frauen zu versklaven. "Pranke des Jaguars" kann seine hochschwangere Frau und seinen Sohn gerade noch in einem Erdloch verstecken, bevor er selbst gefangen genommen wird.

Allmählich wird klar, worum es in Gibson Untergangs-Vision geht. Er zeigt die Apokalypse einer Zivilisation, die auf der einen Seite hoch entwickelt, auf der anderen Seite aber archaisch und brutal geblieben ist. Hier wird dekadente Überheblichkeit mit faschistoiden Tendenzen - die Rede des Hohepriesters gipfelt in der Feststellung der Überlegenheit des eigenen Volkes - von Dürre, Pest und Sklaverei flankiert. Dieses Katastrophenkonglomerat überlebt keine Zivilisation.

Gibsons Dramaturgie ist erzkonservativ. Die Figuren sind lediglich erschaffen worden, um der historischen Vision des Regisseurs, seiner Schilderung der sündigen Verdorbenheit einer hoch entwickelten Zivilisation das für die Aufmerksamkeitsspanne notwendige Leben einzuhauchen. Das Publikum soll dabei bleiben, soll fühlen und erleben. Gibson macht das mit simpel gestrickten Mustern und schafft es gerade mit dieser Reduzierung auf ein einfaches Weltbild, einen Eindruck vom Leben in einer fernen Zeit an einem fremden Ort zu vermitteln.

"Apocalypto" ist sicher äußerst streitbar, bleibt aber im Gedächtnis. Im Kino kam er mangels prominenter Darsteller zum einen und auch aufgrund des einigermaßen ramponierten Rufs des "Passion Christi"-Regisseurs eher mäßig an. Nur gut 200.000 Zuschauer wurden hierzulande an den Kassen gezählt.

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