Frei nach Plan: Familienfest ohne Augenzwinkern

14/08/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Ausstrahlung am 24.08.2009 um 22:45 Uhr auf ARD

"Ein Runder", das klingt schon wie eine Drohung. Die zwei knappen Worte beschreiben die Vollendung eines Jahrzehnts - das muss gefeiert werden, mit der ganzen Familie. Auch dann, wenn die längst auseinandergebrochen ist. Spaß macht Franziska Meletzkys Film "Frei nach Plan" (2006) nicht. Unsinnig, auf kleine Niedlichkeiten zu warten oder unterschwelligen Humor. Und trotzdem: "Bester Film", hieß es beim Shanghai Filmfestival. "Beste Darstellerin", urteilten die Juroren über die drei von Corinna Harfouch, Dagmar Manzel und Kirsten Block verkörperten Schwestern. Den Publikumspreis erhielt das triste Familiendrama bei der Filmkunstmesse Leipzig überdies. Alles ganz wunderbare - und gerechtfertigte - Entscheidungen.

Mama Silvia (Christine Schorn) lädt zum runden Geburtstag ein. Die größte Tochter Iris (Harfouch) hat es nicht weit, lebt sie doch mit ihr unter einem Dach. Sie ist zur Stelle, wenn ihre Mutter einen alkoholbedingten Ausfall hat, macht ihre Wäsche mit und plant selbstredend auch die Feier. Marianne (Block) und ihr Mann Martin (Robert Gallinowski) wohnen in ihrem trautem Eigenheim, samt etwas zu dick geratenem Sohnemann, ebenfalls nah dran. Zu Besuch kommen Anne (Manzel), die Verrückte des Hauses, eine gescheiterte, aber lebensfrohe Rockröhre, und der Papa. Der reist samt neuer Freundin gleich zwei Tage zu früh an.

Kunstvoll wehen die frisch gewaschenen Handtücher im Wind, und schon zu Anfang gefriert immer wieder Corinna Harfouchs Gesicht. Man bekommt ein wenig Angst, dass der Holzhammer agiert, wenn es darum geht, biederes Schnürkorsett der Bürgerlichkeit und vergebene Chancen zu illustrieren. Die Sprachlosigkeit der Schwestern beim Wiedersehen bleibt in Wiederholungen von Floskeln stecken. Doch letztlich ist das nur reale Abbildung dessen, was ansteht: Das Zusammentreffen, das man vielleicht verhindern möchte, das aber die Chance zur Veränderung beherbergt. Und das ist der interessante Teil.

Die Stärke des Drehbuchs von Elke Rössler ist, dass niemand hier auf seine Rolle festgelegt ist, im wahrsten Wort- und Familiensinn. Mehr noch, auf unüblichem und sehr glaubwürdigem Weg biegen nach diesen Tagen alle in eine andere Richtung ab. Selbstkritik, wenige schöne Erlebnisse und die vielen Katastrophen, die nicht als Spannungsbogen, sondern als menschliche Begebenheiten inszeniert werden, führen zum letzten Anstoß für Neues.

Das Schlingern und sich Fangen wird mit Klarheit gespiegelt. So unmissverständlich und Hoffnung spendend, dass man diesen tristen Film nur auszeichnen kann. Regisseurin Franziska Meletzky begeisterte das anspruchsvolle Publikum bereits mit ihrem Abschlussfilm "Nachbarinnen". Damals war ihr Thema "Wie weit kann ich gehen, um die Nähe eines geliebten Menschen zu behalten?" - ebenfalls mit Dagmar Manzel und Kirsten Block. Die junge Regisseurin übernahm auch die Regie einiger Folgen der vierten Staffel der ProSieben-Comedy-Serie "Stromberg" mit Christoph Maria Herbst in der Rolle des fiesen Versicherungschefs, die im Herbst ausgestrahlt wird.

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