Höhere Gewalt: "Die einen ficken, die anderen werden gefickt"

14/08/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH teleschau - der Mediendienst GmbH
Ausstrahlung am 17.08.2009 um 22:45 Uhr auf ARD

Sechs Jugendliche, ein einsames Haus im Wald und dumme Gedanken. Selten kommt dabei etwas Gutes heraus - zumindest, wenn sich das ein Film zur Ausgangskonstellation macht. Bei "Höhere Gewalt" ist das nicht anders. Das "Debüt im Ersten" von Regisseur Lars Henning Jung ist eine dieser Produktionen, die dem Zuschauer wehtun wollen und für junge Schauspieler die perfekte Plattform bieten, sich für mehr zu empfehlen. Vinzenz Kiefer zum Beispiel, der hier die Hauptrolle des unheilvollen Anführers spielt, wurde daraufhin unter anderem für Bernd Eichingers "Der Baader Meinhof Komplex" engagiert.

Aus dem Off erklärt der junge Mann mit dem bezeichnenden Namen Strecker (Kiefer) gleich am Anfang, das Wochenende im Wald sei eine blöde Idee gewesen. Aber ehe sich nun bald ihrer aller Wege trennen, will die Clique eben noch ein letztes Mal zusammen Zeit verbringen. "Wenn man sich so lange kennt, geht es nicht mehr nur um Freundschaft", weiß aber Strecker. "Es geht nur darum, dass man seinen Part gut spielt." Und sich seinen Platz erobert. "Die einen ficken, die anderen werden gefickt." Damit ist der Ton vorgegeben.

Tatsächlich ist schon im Auto die Stimmung mies. Von Freundschaft keine Spur. Das heruntergekommene Wochenendhaus von Betz' (Tobias Schenke) Vater und das schlechte Wetter machen's nicht besser. Was bleibt übrig, außer Drogen und Ficken? "Spiele", die aus Langeweile, Angst und gar nicht mal so latenter Aggression entstehen. Verletzter Stolz, unerwiderte Gefühle und sonstiges subtil Schwelendes brechen sich am Ende in einem extremen Gewaltakt Bahn.

Abgesehen davon, dass dessen Intensität letztendlich doch ein wenig die Begründung fehlt, beeindrucken alle sechs Darsteller, denen die schonungslosen Szenen körperlich und physisch einiges abverlangt haben. Kein einziger Charakter erscheint besonders sympathisch, doch Schwarz-Weiß-Malerei in der Figurenzeichnung lässt sich Drehbuchautor und Regisseur Jung wirklich nicht vorwerfen: Die scheinbar brave Steffi (Natalie Spinell), der egomanische Betz, die durchtriebene Jasmin (Anna Bertheau), ihre Schwester Maike, die Außenseiterin (Alice Dwyer), der Nerd Sören (Christian Polito) und der brodelnde Vulkan Strecker - sie sind unberechenbar und handeln immer wieder überraschend. Gelungen ist auch die Konzentration auf den Moment: Kaum erfährt der Zuschauer, welche Geschichte die sechs haben. Er ist nur mit ihrer unmittelbaren Befindlichkeit konfrontiert. Und das reicht, um zugleich abzustoßen und unter die Haut zu gehen.

"Höhere Gewalt" ist der Abschlussfilm von Lars Henning Jung, der an der Filmakademie Baden Württemberg studierte. Sein Werk feierte Premiere beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis und erhielt die Auszeichnung der Schülerjury. Alice Dwyer wurde zur besten Nachwuchsdarstellerin gekürt.

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