Ausstrahlung am 16.08.2009 um 20:15 Uhr auf ARTE"Cogito ergo sum" - "Ich denke, also bin ich", hieß es noch bei Descartes. "Ich laufe, also bin ich" behauptet nun in freier Abwandlung der Kulturkanal ARTE und macht neugierig auf das Gemeinte. Jahrtausende lang gehörte es zum Alltag, auch weite Strecken zu Fuß zurückzulegen. Andernfalls blieb man halt zu Hause. Doch neuerdings geht der Trend zum Wandern, Walken, Rennen. Pilgerpfade, Wandertouren und vor allem Marathonveranstaltungen haben Hochkonjunktur. "Grund genug", so behauptet ARTE akademisch, dem Laufen, dieser "natürlichsten aller Fortbewegungen", einen Themenabend zu widmen.
Am Beginn steht um 20.15 Uhr der australische Spielfilm "Der lange Weg nach Hause" aus dem Jahr 2002 (Regie: Phillip Noyce). Drei australische Mischlingskinder fliehen hier aus einem Umerziehungslager und machen sich notgedrungen zu Fuß auf eine abenteuerliche Reise quer durch das Outback auf dem fünften Kontinent.
Ausgangspunkt ist 1931 ein rassistischer Wahn, der Aborigines über mehrere Generationen hinweg zu Weißen umformen will: So werden Mischlingskinder, die meist aus der Verbindung weißer Wanderarbeiter mit Aboriginesfrauen hervorgegangen sind, von ihren Müttern getrennt und in sogenannte "Umerziehungslager" verschleppt.
Die Schwestern Molly und Daisy werden gemeinsam mit ihrer Cousine Gracie aus ihrem Heimatdorf entführt und in das 1.500 Meilen entfernte Lager Moore River gebracht. Unter Mollys Führung ergreifen die Mädchen jedoch schon bald die Flucht, wobei ihnen der "Rabbit-Proof Fence", ein Stacheldrahtzaun, der als Schutz vor den damals zur Plage gewordenen Kaninchen den gesamten Kontinent durchzieht, als einzige Orientierung dient. Verfolgt von der Polizei und einem erbarmungslosen Spurensucher, machen sich Molly, Daisy und Gracie zu Fuß auf den weiten Weg zurück und erreichen nach neun Wochen ihr Ziel.
Mit dem Film, der auf dem Roman "Rabbit-Proof Fence" basiert, den Doris Pilkington über die Erlebnisse ihrer Mutter Molly Craig schrieb, wurde ein lange tabuisiertes Kapitel der australischen Geschichte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Die "emotionale Härte" mit den Bildern des wochenlangen Fußmarsches werde "durch einen poetischen Grundtenor" gemildert, urteilte die Fachzeitschrift "film-dienst". Andere fanden die Bilder der 2.400 Kilometer langen Flucht vor Sonnenauf- und -untergängen einfach zu schön.
Die Dokumentation von Gerhard Schick "Wüstenglück - Der Lauf durch die Sahara" (21.45 Uhr, Erstausstrahlung, 2009) widmet sich dem "Marathon des Sables" der über 250 Kilometer durch die marokkanische Sahara führt. Der Lauf über sechs Etappen gilt als einer der härtesten der Welt - bei bis zu 50 Grad im Schatten. Warum, so fragt Schicks Film, unterziehen sich die 850 Ultraläufer aus aller Welt freiwillig derart harten Torturen? - Und stößt dabei in die Innenwelten der Läufer vor.
Ein besonderes Kapitel schlägt die Dokumentation "Der Sprinter ohne Beine" (22.40 Uhr, 2008) von Tristan Chytroschek auf. Der behinderte Läufer Oscar Pistorius kämpfte jahrelang für seinen großen Traum: bei den Olympischen Spielen in Peking auf zwei Beinprothesen regulär zu starten. Wie man weiß, gelang ihm das nicht. Doch die Begeisterung des Läufers reißt jeden Zuschauer ohne Zweifel mit.
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