Ausstrahlung am 23.08.2009 um 23:40 Uhr auf ZDFHeike Makatsch und Regisseur Ed Herzog ... Da war doch was. Richtig, der Film "Almost Heaven", der die ehemalige Viva-Moderatorin 2005 auf einem musikalischen Selbstfindungstrip zeigte und die Zuschauer in der Vorhölle schmoren ließ. Eine Referenz, der nur Besseres folgen konnte. Was dann auch mit "Schwesterherz" gelang. Das Drehbuch verfasste Heike Makatsch gemeinsam mit der renommierten "FAS"-Redakteurin und Autorin Johanna Adorján, weil die Geschichte ihrer Meinung nach "eine ehrliche Deskription der Problematik einer neuen Generation ist". Das ZDF wiederholt das mit einigen Jungstars stark besetzte Drama (2006) nun in der Reihe "Das kleine Fernsehspiel: Gefühlsecht".
Ein Film mit Anliegen - gefährlich. Und dann noch die "Probleme": Die hätten 80 Prozent der Frauen gerne. Denn "Heldin" Anne, forsch und kämpferisch, mit manchmal etwas zu viel Tristesse von Makatsch gespielt, ist eine erfolgreiche Musikmanagerin. Ihre mondäne Wohnung kann sich sehen lassen, die Klamotten sind schick (und teuer), und das Handy glüht im Dauereinsatz. Alles im Lot? Nein. Mit dem Freund (Marc Hosemann, "Reine Formsache"), mit dem klappt's nämlich nicht. Er arbeitet nicht, hängt rum, feiert, ist wortkarg und unbeständig. Und von dem Kerl ist Anne auch noch schwanger.
Ein Feminismus-Stück also, das ein neues, starkes Frauenbild zeichnet und die selbstbewusste Drei-Wetter-Taft-Lady in den Mittelpunkt stellt. Die Story einer Frau, die den drei großes Ks - Kirche, Küche, Kinder - erfolgreich trotzt? Auf der einen Seite ja. Aber der Erfolg - das wird hier klar - ist auch teuer erkauft. Dafür muss die Individualität geopfert, mit den Wölfen geheult werden.
Schön, schlank, fröhlich sein, das gehört zum Geschäft. Und Heike Makatsch dürfte das als Fernseh-Girlie vom Dienst wohl jahrelang am eigenen Leib erfahren haben. Davon befreit sie sich hier. Endgültig. Radikal. Findet als Anne quasi zu sich selbst. Und schrittweise zu der schauspielerischen Klasse, die zuletzt in ihre große Knef-Darstellung im Biopic "Hilde" (2009) mündete.
Regnerisch, menschenleer, unwirtlich präsentiert sich später im Film die spanische Sonnenküste, spiegelt Annes desolates Innenleben. Hierher hat Anne ihre kleine Schwester Marie (Anna Maria Mühe) zu deren 18. Geburtstag eingeladen. Doch die denkt nicht daran, sich dem Willen des angekratzten Vorbilds zu beugen.
Und so lernen die beiden Frauen verschiedener Generationen voneinander. Dass das Leben Schmerzen bereitet, dass es Wichtigeres gibt als Geld und gutes Aussehen. Nichts Neues, weder das Thema noch die Struktur der Darstellung. Dafür stimmen die kleinen Gesten, die Nuancen, die Zwischentöne, die von guter Beobachtung zeugen. Den Rest erledigen, schauspielerisch souverän, Makatsch und Mühe.
Für ihren nächsten Kinofilm "Die Tür" wird sich Heike Makatsch nicht nur an der Seite von "James Bond"-Bösewicht Mads Mikkelsen beweisen können, sondern auch in einem für sie eher ungewohnten Genre. Der Mystery-Thriller von Regisseur Anno Saul startet voraussichtlich am 12. November in den deutschen Kinos.
Das ZDF setzt die Spielfilmreihe "Das kleine Fernsehspiel - Gefühlsecht" am Montag, 24.08., 00.25 Uhr, mit Ulrike von Ribbecks Tragikomödie "Früher oder später" fort.
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