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(tsch) "Keine hautengen Anzüge, keine Capes", verspricht Jack Coleman, einer der Darsteller dieser neuen US-Kult-Serie, die RTL II nun erstmals in Deutschland ausstrahlt: Schließlich gehe es darin nicht um Typen wie Superman, sondern um die ganz besonderen "Heroes" der gleichnamigen Serie. Gewöhnliche Menschen entdecken plötzlich, dass sie übernatürliche Fähigkeiten entwickeln - das kann kein Zufall sein! Dem Heimatsender NBC, bei dem derzeit die zweite Staffel läuft, bescherte das Mystery-Konzept den erfolgreichsten Serienstart der TV-Saison 2006 / 2007, acht Emmy-Nominierungen gab's obendrein. Weil die Produktion wie kaum eine andere zuvor zusätzliche Plattformen neben dem Fernsehen nutzt, genießt sie bereits vor Ausstrahlung auch Kultstatus in Deutschland. Als einige der Darsteller und Macher zur "Heroes World Tour" nach München kamen, wurden sie am Flughafen und vor dem Hotel bereits von Fans begrüßt. Was steckt dahinter?Während die junge Cheerleaderin Claire Bennet (Hayden Panettiere) in Texas feststellt, dass an ihr selbst schwerste Verletzungen innerhalb von Sekunden heilen, entdeckt der Büroangestellte Hiro (nomen est omen) Nakamura (Masi Oka) in Tokio, dass er kraft seiner Gedanken die Zeit anhalten kann - und nicht nur das: Per Teleportation versetzt er sich nach New York. Dorthin führen Nachforschungen auch den indischen Genetik-Professor Mohinder Suresh (Sendhil Ramamurthy): Er will den Mord an seinem Vater aufklären - einem Humangenetiker, der Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten auf der Spur war ... Zu diesen gehört unter anderen auch der Maler Isaac Mendez (Santiago Cabrera), der in seinen düsteren Bildern die Zukunft vorhersieht. Sein letztes Werk zeigt New York während einer nuklearen Katastrophe. - Nach einer Doppelfolge zum Auftakt am Mittwoch, 10. Oktober, um 20.15 Uhr, zeigt RTL II jeweils mittwochs ab 20.15 Uhr eine weitere der insgesamt 23 Folgen.
"Ich denke, einer der Grundsätze der Autoren lautet: Peter Parker ist interessanter als Spider-Man", mutmaßt Jack Coleman, der Claire Bennets Vater spielt, einen undurchsichtigen Charakter mit Brille, auch "Horn Rimmed Glasses" genannt. Auf die Frage: "Ist er gut oder böse?" antwortet Coleman schlicht mit "Ja." Er fährt fort: "Deshalb verbringen wir viel Zeit mit diesen Peter Parkers - Es geht um Menschen, die damit klarkommen müssen, dass sie diese Fähgkeiten haben." Nutzen sie sie für gute oder böse Zwecke? Wenden sie sie begeistert an, oder ignorieren sie sie? Erkennen sie das höhere Ziel, dem sie damit dienen sollen? Und vor allem: Wie werden sie im Laufe der Serie miteinander in Verbindung gebracht? Diese Story unterliegt einem geradezu organischen Prozess. Die Drehbuchautoren verfassten Episode für Episode - der weitere Verlauf der Geschichte war ihnen dabei oft noch gar nicht klar.
Das passt zum Stichwort, das Hayden Panettiere für die Serie nennt: "die Evolution der Menschheit". Die Handlung von "Heroes", eine Art Charakter-Drama also, ist eingebettet in eine Comic- und Science-Fiction-Atmosphäre. Erfinder, Drehbuchautor und Executive Producer Tim Kring ("Crossing Jordan") inspirierten zwei Filme zu seiner Mystery-Serie: das Animationsabenteuer "Die Unglaublichen" und Charlie Kaufmans Drama "Vergiss mein nicht!" mit Jim Carrey. Daraus resultierte das Gedankenspiel: Was passiert, wenn sich die Wege von Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten mit denen ganz normaler Menschen kreuzen?
Für den Erfolg von "Heroes" gibt es verschiedene Erklärungen, die wohl alle ein wenig zutreffen: Zunächst sind viele Darsteller bereits weitgehend bekannt. So spielte Jack Coleman jahrelang im "Denver Clan", Milo Ventimiglia ist bekannt aus "Gilmore Girls" und "Rocky Balboa", und Hayden Panettiere war nicht nur Ally McBeal's Tochter, sondern ebenfalls auf der großen Leinwand zu sehen ("Die Eisprinzessin"). Die originelle Geschichte ist auf höchstem, kinogleichem Produktionsniveau erzählt. "Heroes" war teuer, und das sieht man auch. Fiese Cliffhanger sollen dafür sorgen, dass die Zuschauer wieder einschalten und an der fortlaufenden Handlung dranbleiben. Das veranlasste David Letterman im Interview mit Hayden Panettiere zu der Frage: "Werden am Ende alle von der Insel herunterkommen?" Den Vergleich mit der Erfolgsserie "Lost" scheut Tim Kring jedoch nicht: "Ich sage offen, dass 'Heroes' nicht so erfolgreich hätte werden können, wenn 'Lost' nicht den Weg geebnet hätte, sowohl den zum Publikum als auch den für das Netzwerk, mit dem so ein großes Serien-Drama aufgebaut werden kann."
Das deutsche Publikum erwies sich gegenüber solchen TV-Serien ("24", "Prison Break") bislang allerdings als skeptisch. "24' war vielleicht etwas zu hurrapatriotisch für ein europäisches Publikum", überlegt Coleman laut. "Bei 'Heroes' geht es um Individuen aus verschiedenen Kulturen und Nationen. Damit können sich nicht nur US-Amerikaner identifizieren. Und es geht um die Tatsache, dass wir letztendlich alle füreinander verantwortlich sind, auf dieser kleinen Erde." Auf 150 TV-Märkten ist "Heroes" bisher internatioal vertreten. In Deutschland könnte erschwerend hinzu kommen, dass zeitgleich ProSieben neue Folgen "Desperate Housewives" ausstrahlt.
Nicht zuletzt ist es jedoch die Strategie, ein breites Publikum zu erreichen, die die Serie auch über die Grenzen der TV-Zuschauerschaft, ja die des Ausstrahlungslandes hinaus bekannt machte: In den USA erschienen zusätzlich zahlreiche Comics, die Hintergründe zu Charakteren und Story erzählen. Auch im Internet finden sich eigene Comic-Romane. Die zusätzliche Vermarktung als DVD sowie PC- und Video-Spiel versteht sich da beinahe von selbst. Dennis Hammer, einer der Executive Producers, gibt zu: "Es macht einen gewaltigen Unterschied für uns, die Fans auch auf diese Weise zu erreichen. Das ist auch der Grund, warum es bereits Fans in Deutschland gibt, obwohl die Serie hier bislang noch gar nicht lief."