Markenzeichen: große grüne, sprechende Augen, aus denen Wärme und Mitempfinden sprechen, Merkmal: "Sommer vorm Balkon", Filmname: Katrin - aus dem Westen kommend und jetzt ganz oft Rotwein auf dem Balkon ihrer Film-Freundin Nadja Uhl trinkend, von der sie zeitweilig ein selbstverliebter Macho trennt. Der Film, heißt es manchmal, habe die Schauspielerin Inka Friedrich "berühmt" gemacht. Naja, berühmt? - "In Berlin werde ich ab und zu immer noch von Passanten auf den Film angesprochen, insbesondere von Apothekern", sagt Inka Friedrich im Gespräch. Im Film war der Apotheker von gegenüber in sie verliebt. Im ARD-Film "Kuckuckszeit" (Mi., 27.05., 20.15 Uhr) ist sie nun als Frau eines insolventen Bauunternehmers zu sehen.Aber auch sonst passiert es immer wieder, dass irgendwer, beispielsweise in einem Laden, sagt: "Sie kommen mir bekannt vor. Waren Sie nicht schon mal hier, haben Sie nicht schon mal hier eingekauft?" Andere wiederum halten Inka Friedrich für eine Schauspielerin, erinnern sich aber nicht mehr an den richtigen Film, der im Kino die Millionengrenze überschritt und den der "Spiegel" ob seiner Stimmigkeit als einen "echten deutschen Widervereinigungsfilm" pries.
"Ich sage im Film ja auch, dass ich aus Freiburg komme", entgegnet Inka Friedrich, wenn man behauptet, man könne sie für eine Frau aus dem Osten halten, weil sie so erstaunlich natürlich, patent und offen wirke. Ein bisschen liegt dieser Eindruck aber auch am Regisseur Andreas Dresen, mit dem Inka Friedrich mehrfach zusammengearbeitet hat, der einen sehr natürlichen, unsensationellen Erzählstil pflegt.
In ihrem neuen Fernsehfilm, "Kuckuckszeit" (NDR, bereits 2006 gedreht), geht es allerdings jetzt eher kapitalistisch westlich zu. Ein Bauunternehmer (Wotan Wilke Möhring) gerät unaufhaltsam in die Pleite. Als er auch noch einen Herzinfarkt erleidet, will ihn seine Frau (Inka Friedrich) retten. Und die Firma. Beherzt übernimmt sie das Geschäft, versucht Gläubiger zu vertrösten, Bankforderungen zu verlängern, Kunden zu gewinnen.
Wenn Inka Friedrich das spielt, wenn sie erpresserische Kunden überzeugen will, mit dem Rücken an der Wand, und ihr dabei der Atem stockt, beginnt der Film zu knistern, läuft die Spannungslunte heiß. Ihr selbst sind aber jene Szenen wichtiger, in denen das Unternehmerpaar am Ende des Films, arbeitslos und pleite, nach allerlei Krächen wieder zueinander findet. "Endet denn jetzt deshalb das Leben?", fragt die Schauspielerin und fährt fort, sich mit den verunsicherten Filmfiguren identifizierend: "Es ist doch keine todbringende Krankheit, ohne Geld und arbeitslos zu sein. Es ist doch trotzdem unser Leben." Ihre Lieblingsszene ist die einer zarten Annäherung: "Komm, wir gehen mal raus, auch am Mittwochvormittag", sagt ihr Mann da, und sie: "Aber nur ums Quadrat!"
Zu oft spiele sie vielleicht die Mütter, wie auch in diesem Film, "die Sensiblen, Schwachen, Weinenden", glaubt Inka Friedrich. Immerhin: Eben hat das ZDF das Vertriebenendrama "Ein Dorf schweigt" mit ihr gezeigt. "Da durfte ich mal die harsche Böse sein und endlich mal, flapsig gesagt, die Sau rauslassen." Auch wäre sie gerne mal die Gangsterfrau, die Film-Spionin. Sie mag die grellen Filme des Pedro Almodovar, aber auch die Dänen. So eine konfliktgeladene Rolle wie Mads Mikkelsen in "After the Wedding", sagt sie, würde sie "als Frau mal gerne spielen".
Überhaupt hätte sie es gern mal internationaler: "Raus aus dem engen Topf, nicht mehr in Ost-West-, Nord-Süd-Koordinaten denken, sondern sich fragen: "Ist man Spanisch, Franzose, Däne oder Italiener?"
Auch wenn sie demnächst im TV-Zweiteiler "Hope" als Revolutionärin Clara Zetkin an der Seite von Heike Makatsch zu sehen sein wird, die hier die erste in Deutschland promovierte Ärztin Hope Bridges Adams am Ende des 19. Jahrhundert spielt: Ganz so international wird es vorerst noch nicht. Doch ein zeitweiliger Wechsel nach Zürich steht immerhin an. Ihr Mann, der Schauspieler Frank Seppeler, geht als festes Ensemblemitglied ans dortige Schauspielhaus, sie arbeitet dort von Zeit zu Zeit als Gast, bleibt aber dem deutschen Film erhalten.
Der Wohnsitz der Familie (Sohn Moritz ist jetzt vier, Leonard ein Jahr alt) ist derzeit mitten in Berlin, und zwar auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße, "gleich beim Mauermuseum". Dort hat man eins von insgesamt 16 Architektenhäusern gebaut. Alle kennen sich, "es gab endlose Sitzungen, etwa darüber, wie man die Rohre verlegt". Und jetzt? - "Ein bisschen grün, aber noch viel Baustelle. Wir haben einen großen Baum, der auf der Gemeinschaftsfläche erhalten ist, mit einem Mäuerchen zum Sitzen drum herum." Was für eine Idylle - mitten in Berlin. Und ziemlich symbolisch.
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