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Ausstrahlung am 22.05.2008 um 20:15 Uhr auf 3sat(tsch) Staatenruinen, Korruption, Krankheit, Terror - "Natürlich sind wir nicht so naiv, anzunehmen, dass man nicht entsetzt ist, wenn man nach Afrika blickt", sagt Peter Zurek deutlich. "Aber es gibt sicher Hoffnung für bestimmte Regionen Afrikas." Seit 35 Jahren besucht er für seine Dokumentarfilme immer wieder den Kontinent, für den er seit seiner ersten Arbeit dort "Feuer gefangen" hat. Diesmal möchte Zurek fünf Projekte in verschiedenen Staaten vorstellen, die die Hoffnung schüren, "Das afrikanische Jahrzehnt" sei angebrochen. 3sat zeigt die 45-minütige Dokumentation in Erstausstrahlung im Rahmen eines Thementages Afrika zur besten Sendezeit.
Ist Afrika Thema in den Medien, handelt es sich meist um Schreckensberichte. Dem möchte Peter Zurek nun einen kleinen Hoffnungsschimmer entgegensetzen. So reiste er beispielsweise nach Pointe Sarène im Senegal, wo 240 Frauen eine Kooperative gegründet haben: Sie verkaufen den Fisch, den ihre Männer fangen. Das Geschäft entwickelte sich gut und mit ihm der Ort. "Die Hauptstadt Dakar ist die Hölle. Doch dann fährt man zwei Stunden mit dem Auto bis an den Atlantik und bekommt den Eindruck, ein völlig anderes Leben zu sehen." Weil die Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. "Ich hatte überhaupt den Eindruck: Wenn irgendwo etwas vorwärtsgeht auf diesem Kontinent, dann steckt die Energie der Frauen dahinter. Sie sind es, die etwas bewegen."
Am Anfang dieses Erfolges standen in Pointe Sarène ein Kleinkredit aus Österreich und vor allem Training durch Experten. "Früher hieß es: Wir geben Milliarden nach Afrika, dort muss es vorwärtsgehen", so Zurek. Doch vielerorts versickerten diese Investitionen - häufig nach Gießkannen-Prinzip verteilt - und verwässerten mitunter auch die Eigeninitiative. Mittlerweile wurde erkannt: "Milliarden müssen es überhaupt nicht sein! Sondern gezielte Förderung. Es gibt da diesen Spruch: 'Schenk mir keinen Fisch, sondern lehre mich, Fische zu fangen." Die Frauen von Pointe Sarène können heute selbst Kredite vergeben - an ihre Männer - und der Trend unter der jungen Bevölkerung, auf einem Seelenverkäufer die lebensgefährliche Flucht nach Europa antreten zu wollen, hat sich, wie Peter Zurek berichtet, zumindest dort gewendet.
Ein anderer Schauplatz in Zureks Film ist Durban in Südafrika. "Das ist ein Projekt, das komplett auf afrikanischem Boden wächst: die Selbstverwaltung eines 'Informal Settlements', wir würden dazu 'Slum' sagen." Die Bewohner gründeten eine soziale Initiative, die ihre Interessen vertritt und sich um eine funktionierende Infrastruktur kümmert. "Ich bin nicht blöd genug, um Optimist zu sein", stellt Peter Zurek klar. "Aber Hoffnung wird man doch haben dürfen. Und es ist kein Zufall, dass sie in demokratisch verwalteten Regionen entsteht. Diese Beispiele machen Schule - und wenn Regierungen guten Willens sind, sind sie eher bereit, diesen zu folgen."
In der Primetime dieses Afrika-Tages bei 3sat tut solch ein Hoffnungsschimmer zum Auftakt gut. Denn es folgen preisgekrönte Filme, die den Schrecken auf dem Kontinent eindringlich vor Augen führen: Hubert Saupers Dokumentation "Darwins Albtraum" (21.00 Uhr), das Bürgerkriegsdrama "Hotel Ruanda" (22.45 Uhr) und die Dokumentation über das Schicksal von Kindersoldaten, "Lost Children" (00.40 Uhr). Erst mitten in der Nacht lassen eine Wiederholung von "Africa Live - Eine Konzert-Kampagne gegen Malaria" (02.25 Uhr) und danach "Femi Kuti & The Positive Force" (03.55 Uhr) den Thementag ausklingen.