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(tsch) Bei manchen Filmen muss man sich fragen, wieso sich Geldgeber dafür gefunden haben. Meistens lässt sich der Irrsinn auf den Erfolg eines ersten Teils zurückführen, dessen Geschichte nun entweder fortgesetzt oder einfach neu verfilmt werden soll. Beim Dschungel-Horror "Anacondas - Die Jagd nach der Blut-Orchidee" (2004) aber, den ProSieben nun wiederholt, ist der Sachverhalt etwas diffiziler. Denn ein Kriterium für die Rechtfertigung dieses Schrei-und-Kreisch-Remakes fällt gänzlich weg: Schon das Original, das im Anschluss um 22.05 Uhr gezeigt wird, war grottenschlecht.Niemand Geringeres als Jennifer Lopez watete 1997 schon einmal durch die schwülen Sümpfe am Amazonas und kam dabei einer schlecht gelaunten Anaconda ins Gehege. Dabei wurde von den Filmemachern nicht nur außer Acht gelassen, dass diese Art von Riesenschlangen zwar liebend gerne ihre Opfer in den Schwitzkasten nehmen und nicht reihenweise verschlingen - obwohl sie es vermutlich könnte - , sondern auch, dass man lieber mit einem Schocker über eine fiese Schlange warten sollte, bis man andere Spezialeffekte zu Hilfe nehmen kann als einen Wasserschlauch.
Regisseur Dwight H. Little tat dies und benutzte sein neues Computerspielzeug gleich derart inflationär, dass bei der "Jagd nach der Blut-Orchidee" eine überschaubare Zahl attraktiver Hollywood-Newcomer (Johnny Messner, KaDee Strickland, Matthew Marsden) gegen eine ganze Horde schlängelnder Ungeheuer anschreien muss.
Die Rahmengeschichte des Films ist Nebensache, so hanebüchen wirkt sie. "Anacondas" bietet ausschließlich mit Klischees beladene Charaktere, mit denen sich wohl kaum ein Zuschauer identifizieren kann oder will. So wird es für das vorrangig jüngere Publikum der einzige Spaß bleiben zu wetteifern, wer denn nun als Erster im Schlangenmagen landet.
Dwight Little hat sich mit dieser Regie-Arbeit keinen Gefallen getan. Mehr als fraglich bleibt freilich, ob selbst ein Regie-Genie das fade Drehbuch hätte besser in Szene setzen können. Auch aus den Darstellern war scheinbar nicht mehr rauszuholen. So langweilt die Jagd nach der Blutorchidee schon nach wenigen Minuten. Wer sich vor Schlangen ängstigt, kann beruhigt sein: Offenbar reichte die Rechenkapazität des Animationscomputers nicht aus, um das listig dreinschauende Schlängelwesen auch nur annähernd wie eine realistische Mutation aussehen zu lassen. Möglich, dass diese Anacondas in den Spezialeffekt-Schmieden der Welt schon jetzt als Gartenschläuche der schönen neuen CGI-Welt gelten.
Ausstrahlung am 24.05.2008 um 20:15 Uhr auf ProSieben