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Carin C. Tietze: "Ich brauche einen guten Beat"

16/05/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Sie hat frei, es sind Schulferien - und schon hat Carin C. Tietze wieder die Koffer gepackt. Zum "Kulturtrip mit den Kindern" ging's diesmal für die spontane Reiselustige nach Venedig. "Ich könnte auch einfach losfahren und einmal um die Welt zuckeln." Davon hat die Schauspielerin - nicht zuletzt durch ihre Arbeit - schon ziemlich viel gesehen. Für die Sat.1-Komödie "Safari ins Glück" (Do., 12.06., 20.15 Uhr, Sat.1) zum Beispiel verbrachte sie drei Wochen in Kapstadt. Immer im Gepäck: gute Laune und "die größte Erfindung", einen MP3-Player.

"Drei Wochen sind gerade noch ein erträglicher Zeitraum", räumt Familienmensch Carin C. Tietze ein. "Danach fangen wir wirklich an, uns zu vermissen." Zu dem "Wir" gehören neben ihrem Ehemann, dem Regisseur Florian Richter ("Forsthaus Falkenau"), die gemeinsamen Kinder Lilly (11) und Fausto (7). Trotzdem schwärmt die Schauspielerin von den Dreharbeiten: "Die Sonne Südafrikas in Kombination mit dem kalten Atlantik - das gibt eine Luft zum Atmen, das ist genau meins!"

Ebenfalls "ihrs" war wohl auch die Rolle der Henriette in der unterhaltsamen Sat.1-Produktion. Enttäuscht von Ehemann Harry (Heio von Stetten), dessen Leidenschaft mehr der Aufzucht seiner Hühner als der Ehe zu gelten scheint und der dann auch noch ohne sie in den Männerurlaub abhaut, steigt sie selbst ins nächste Flugzeug. "Bei Komödien ist das häufig so: Die Figur selbst mag sehr tragisch sein - nur für den Zuschauer ist es dann lustig. Die Komödie ist die Königsklasse: glaubwürdig spielen, aber trotzdem komisch sein." Carin C. Tietze - das C. steht übrigens für Christina - kann das gut, wie sie zum Beispiel auch in Gastauftritten der ProSieben-Reihe "Tramitz & Friends" zeigen konnte.

Diese Fähigkeit ist nichts, was sich die Absolventin der New Yorker "Neighborhood Playhouse School Of Theatre" antrainieren musste. "An der Schauspielschule spielte ich lustigerweise immer die Dramen. Die Frau, die die Welt auf den Schultern trägt. Aber eigentlich bin ich viel mehr Quatschkopf." Als solcher ist sie voll des Lobes für Kollegin Anke Engelke. "Ich verehre sie unglaublich für das, was sie macht und kann. Jetzt gibt es immer mehr Frauen, die diesen Weg einschlagen. Doch das wurde überhaupt erst durch Anke Engelke salonfähig."

Carin C. Tietzes eigene, "sehr ausgeprägte Clown-Seite" sorgt innerhalb der Familie jedoch nicht immer nur für Heiterkeitsausbrüche. "Die verdreht manchmal schon die Augen. Ich habe halt auch Freundinnen, die mindestens genauso albern sind. Das ist für Kinder manchmal extrem peinlich", sagt die 43-Jährige verständnisvoll. Aber: "Irgendwann erkennen sie auch, dass es eigentlich ganz schön ist, wenn man den Humor im Leben wahrt."

Für Frohnatur Carin C. ist die gute Laune, die sie schon morgens beim Aufwachen hat, essenziell, auch bei der Arbeit. "Komischerweise umso mehr, je dramatischer eine Szene ist. Es gibt aber auch Kollegen, die erst einmal die Luft verpesten müssen und sich nur wohl fühlen, wenn alle schlecht drauf sind. Vielleicht ist das eine Art, Lampenfieber zu kompensieren." Zum Wettkampf zwischen der gut Gelaunten und einem Miesepeter am Set kam es aber noch nie ("Mei, da hält man halt Abstand.") Ebenso wenig gehört sie zu den anstrengenden Zeitgenossen, die nun wirklich jedem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wollen: "Ne, um Gottes Willen! Die Energie hab ich nicht. Ich für mich brauch's - aber da muss keiner mitmachen", lacht sie.

Die positive Ausstrahlung behält sich die vielseitige Mimin irgendwie immer - egal, ob sie im "Winzerkönig" spielt oder als Polizistin ("Sperling", "SK Kölsch") auftritt, und das stets glaubhaft. Das macht die Frau mit den großen, braunen Augen wohl auch zu einer der beliebtesten Darstellerinnen im deutschen Fernsehen. Gelegentlich hört sie schon: "Sie sind meine Lieblingsschauspielerin!" - "Das finde ich sehr süß und auch warm. Denn ich weiß selbst, was Lieblingsschauspieler einem bedeuten können." Schließlich war Bette Davis die "Ur-Lieblingsschauspielerin" von Carin C. Tietze. "Sie war mit ein Antrieb, warum ich unbedingt diesen Beruf ergreifen wollte."

Was viele vielleicht nicht ahnen: Oft ist auch Carin C. Tietze drin, wo gar nicht Carin C. Tietze draufsteht. Unter anderem synchronisierte sie Juliette Binoche in "Der englische Patient" und den beiden Michael-Haneke-Filmen "Code: unbekannt" und "Caché". "Das war toll! Dieser Mann ist einfach so pingelig! Ich glaube, ich habe an einer Stelle 40-mal ein 'Nein' gesagt ... Es war lustig, sich eine Stunde lang nur über ein Wort zu streiten." Ein gutes Training auch zwischen den zahlreichen Drehs. Zuletzt stand Carin C. Tietze unter anderem für "Das Traumschiff: Vietnam" vor der Kamera.

Eine Sache fehlt dann nie im Gepäck: "Die größte Erfindung ist ja der MP3-Player. Früher antwortete ich immer auf die Frage, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde: 'all meine Schallplatten und Kassetten. Aber das Beste wäre, wenn es einen Automaten gäbe, wo man das alles reintun könnte!" Was sie da nun hört, ist beinahe klar: "Depri-Musik mag ich nicht. Ich brauche immer einen richtigen guten Beat!" Damit ist der Musik-Automat ein guter Begleiter für viele Lebenslagen: "Ich kann mich damit auch beim Sport motivieren, durchzuhalten." Eine ehemalige Skirennläuferin (TSV Starnberg) braucht Motivation zur Bewegung? "Ausdauersport ist für mich eine echte Qual. Aber man muss fit bleiben als Schauspieler. Und als Frau muss man ja auch a bissl nach was ausschauen, gell!"

Dem Akzent nach ist für den aufmerksamen Zuhörer klar, wo Carin C. Tietze verwurzelt ist: im Bayerischen nämlich, was auch gerne in ihren Rollen hervorgehoben wird (zum Beispiel im "Tatort: Viktualienmarkt", den das Bayerische Fernsehen am Dienstag, 10.06., um 21.45 Uhr, mal wieder zeigt). Doch so einfach ist das nicht für Carin C. Tietze, die in Denver / Colorado in den USA geboren und noch immer amerikanische Staatsbürgerin ist. Sie wuchs zwar in Oberbayern auf, aber: "Ich hatte zwischendurch mal eine Identitätskrise und wusste nicht genau: 'Was bin ich eigentlich?' Bayerisch bin ich nicht, aber inzwischen weiß ich, wo meine Heimat ist: München, die Berge und der Starnberger See."