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(tsch) Neben den Moderatoren Anne Gesthuysen, Sven Lorig und dem lustigen Sportreporter Peter Großmann darf man Meteorologe Donald Bäcker als die eher nüchterne Type im Quartett des ARD-Morgenmagazins bezeichnen. Dennoch erfreut sich der Wetterbericht des 40-jährigen Brandenburgers beim Publikum besonderer Beliebtheit. Im Interview spricht der verheiratete Vater einer Tochter über wettersüchtige Chaoten, Moden der Medien-Meteorologie und natürlich die Prognose für den Sommer 08 (das ARD-Morgenmagazin mit Donald Bäcker läuft vorwiegend in den geraden Kalenderwochen von 5.30 Uhr bis 9.00 Uhr).teleschau: Ihr Morgenmagazin-Kollege, der Moderator Sven Lorig, geht um 14 Uhr ins Bett und steht um 23 Uhr auf. Haben Sie ebenso fiese Arbeitszeiten?
Donald Bäcker: Für die Moderatoren ist der Job noch härter. Sie müssen sich bereits in der Nacht in ihre Themen einlesen und ihre Moderationen vorbereiten. Als Meteorologe ist das Ganze ein wenig überschaubarer und ich habe vor allem alles in der eigenen Hand. Ich mache in den frühen Morgenstunden meine eigene Vorhersage, male Symbole auf eine Karte, die werden von der Grafik aufgearbeitet, ich trete vor die Kamera und erkläre das. Das war's.
teleschau: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Donald Bäcker: Spätestens gegen 3.00 Uhr stehe ich auf, um 3.45 Uhr ist Dienstbeginn. Dann checke ich die aktuelle Wetterlage, die neuesten Vorhersagemodelle und male meine Wetterkarten. Das funktioniert übrigens immer noch auf Papier. Darauf kritzele ich meine Symbole und die Temperatur. Das wird dann an Meteomedia in die Schweiz gefaxt - die Firma von Jörg Kachelmann, die fürs Morgenmagazin den Wetterbericht erstellt. Dort werden die Tafeln und Grafiken angefertigt, die der Zuschauer sieht. Um 9.00 Uhr endet unsere Arbeit vor der Kamera. Um 9.45 Uhr gibt es noch mal eine Konferenz, in der die Sendung besprochen und kritisiert wird.
teleschau: Was kann man am Wetterbericht verbessern?
Donald Bäcker: Da gibt es schon immer wieder mal kleine Veränderungen. Und sei es nur, dass der Regen aus unseren Wolken nun animiert ist. Sprich: die Tropfen bewegen sich. Entscheidender ist natürlich, wie man den Wetterbericht grundsätzlich macht. Früher hieß es: "Heiter bis wolkig, gelegentlich Schauer." Das ist aber eine Nullaussage, denn es kann im Prinzip alles passieren. Heute versuchen wir, den Leuten die komplexen Zusammenhänge beim Wetter genauer zu erklären und unsere Vorhersage auch regional zu differenzieren.
teleschau: In den letzten Jahren hat man das Gefühl, dass Wetterberichte immer länger und komplexer werden. Warum?
Donald Bäcker: Weil man das Wetter heute genauer herausarbeiten kann und dies vom Zuschauer auch angenommen wird. Beispiel Morgenmagazin. Wir sind ein Zuschaltprogramm, das um 5.30 Uhr beginnt und um 9.00 Uhr endet. Kein Mensch guckt sich das von vorne bis hinten an, daher kann man Quotenverläufe messen. Während der Tagesschau, die jede halbe Stunde kommt, steigen die Quoten immer deutlich an, bleiben beim Wetter hoch, um danach wieder abzusinken. Das könnte am so genannten "Wetterknick" liegen.
teleschau: Aber der Wetterbericht ist heute nicht nur länger und aufwendiger als früher, auch die Erklärungstiefe hat zugenommen. Senden Sie für eine wachsende Schar von Fans der Naturwissenschaften?
Donald Bäcker: Das ist eben die Art Wetterbericht, die Jörg Kachelmann und Meteomedia in den 90er-Jahren eingeführt haben. Wir gehen auf Wetterphänomene ein und erklären den Leuten, wie Wetter funktioniert. Beim Zuschauer kommt das gut an - nicht bei allen, aber bei der überwiegenden Mehrheit. Bei Nachrichtensendungen, die auf den Service vom Deutschen Wetterdienst zurückgreifen, gibt es nach wie vor Einheitssprache mit Begriffen wie "heiter bis wolkig" und eine ganz nüchterne Grundversorgung.
teleschau: Aber die Gefahr des komplexen Wetterberichts besteht darin, dass man eventuell am Ende gar nicht mehr weiß, wie morgen das Wetter wird ...
Donald Bäcker: Eventuell, in diesem Fall haben wir unser Ziel verfehlt. Es gibt bestimmte Sendungen, in der wir das Wetter am Ende des Berichts noch einmal zusammenfassen. Nach dem Motto: im Süden weitgehend sonnig, im Norden besteht die Gefahr einzelner Schauer. Das könnte ein Trend werden ...
teleschau: Interessiert es die meisten Leute nicht vor allem, ob es morgen nun regnet oder die Sonne scheint?
Donald Bäcker: Temperatur, Sonne oder Regen - das ist sicherlich die Information, die den Leuten am wichtigsten ist. Aber so einfach ist Meteorologie nicht. Wir sind Naturwissenschaftler und versuchen, bei der Vorhersage so exakt wie möglich zu sein. Doch nicht alle Medien geben den Wetterbericht so weiter, wie wir ihn erstellt haben. Das sorgt immer wieder für Missverständnisse, die letzten Endes unseren Ruf als Meteorologen nicht gerade verbessern. Wenn ich einem Radiosender einen geschriebenen Wetterbericht sende, in dem es heißt "am Nachmittag örtlich Schauer", heißt das, dass die meisten Leute trocken durch den Tag kommen, da es ja nur örtlich regnet. In der Sendung heißt es dann aber nicht selten "am Nachmittag zunehmend regnerisch", und uns Meteorologen sträuben sich die Nackenhaare. "Regnerisch" bedeutet für uns flächendeckender Regen. Und die Hörer wundern sich, warum der Wetterbericht mal wieder nicht gestimmt hat.
teleschau: Die private Konkurrenz hat dem "Amtswetter" dennoch gehörig Dampf gemacht?
Donald Bäcker: Früher hatte der Deutsche Wetterdienst ein Monopol auf die Wettervorhersage in Deutschland. Dann kam Kachelmann, der ja auch beim Morgenmagazin angefangen hat. Durch seine lockere Moderation und eine gewisse Wortwahl haben wir den Leuten das Thema Wetter einfach näher gebracht. Da wurde dann von Quellwolken oder Blumenkohlwolken gesprochen, und den Leuten hat's gefallen. Das machte Kachelmann in Meteorologenkreisen sehr bekannt. Weil er nicht nur gut formulierte, sondern auch fachlich gut war.
teleschau: Klingt ganz so, als würden Sie gerne für Kachelmann und Meteomedia arbeiten ...
Donald Bäcker: Kachelmann hat um sich herum eine Gruppe von Wetterfanatikern aufgebaut. Das sind spezielle Charaktere, wir sind süchtig nach Wetter. Wenn nachts ein Gewitter angesagt ist, können wir nicht ins Bett gehen und schlafen. Dann müssen wir beobachten, messen, Verläufe analysieren. Erst wenn das Ganze abgezogen ist, beruhigen sich bei uns die Nerven wieder. Dagegen kann man nichts machen, das ist Veranlagung.
teleschau: Auf Ihrer Webseite bezeichnen Sie Wetter nicht nur als Ihren Beruf, sondern auch als Ihr größtes Hobby. Kann Wetter zur Sucht werden?
Donald Bäcker: Sicherlich. Angefangen hat diese Sucht, als ich etwa zehn, elf Jahre alt war. Im Winter 1978 / '79 erlebten wir im brandenburgischen Flachland einen extremen Wintereinbruch mit großen Schneemassen. Wo sonst maximal fünf Zentimeter Schnee lagen, gab es plötzlich Schneeverwehungen von zwei Metern Höhe. Wir waren von der Außenwelt abgeschnitten, was viele Menschen schlimm fanden. Ich fand das total schön. Später folgte dann in der Schule ein Wetterprojekt, bei dem wir eine Zeit lang Wetterdaten erhoben und aufgezeichnet haben. Als das Projekt beendet war, konnte ich damit nicht aufhören und habe das auf eigene Faust weitergeführt. Mein Vater gab mir einen Tipp, dass es bei uns in der Nähe in Neuruppin eine Wetterstation gab. Dort bin ich hingefahren und habe mir einen ausgedienten Regenmesser besorgt. Spätestens da war es um mich geschehen.
teleschau: Meteorologie konnten Sie in der DDR aber nicht studieren, warum?
Donald Bäcker: Jeder, der studieren wollte, musste drei Jahre Militärdienst leisten. Und gerade bei der Meteorologie gab es so wenig Bedarf, dass man da nur einen Studienplatz bekam, wenn man sich 25 Jahre verpflichtet hat, also Berufssoldat wurde. Das war mir die Sache dann doch nicht wert, denn so staatstreu war ich nicht. Ich wurde stattdessen Facharbeiter, Wetterbeobachter. Technischer Assistent Meteorologie hieß das damals. Dann kam die Wende und ich ging zum Deutschen Wetterdienst, wo ich ein Studium absolvierte und vielleicht noch heute säße, wenn mich Jörg Kachelmann nicht überredet hätte, Wettervorhersagen vor der Kamera zu machen. Das wollte ich nämlich nie. Dafür aber unbedingt in der Vorhersage arbeiten. Da es die beiden Jobs bei Kachelmann nur im Paket gab, musste ich ins kalte Wasser springen.
teleschau: Welches Talent benötigt ein guter Wetter-Vorhersager?
Donald Bäcker: Man benötigt viel Gespür und Erfahrung. Praktiker und Leute, die zum Beispiel von der Fachschule kommen, sind da oft besser als Menschen, die an der Universität sechs Jahre lang Meteorologie studiert haben. Die können zwar Formeln an die Wand malen, die einmal ums Zimmer reichen. Gute Wettervorhersagen zu treffen, ist aber ein ganz eigenes Talent.
teleschau: Wird der Sommer 2008 gut werden?
Donald Bäcker: Gute Frage, keine Ahnung. Langfristige Wettervorhersagen sind immer noch unseriös. Es gibt zwar nun vom "Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage" den Versuch, auch Jahreszeitenprognosen zu treffen, aber das ist alles noch in der Versuchsphase. Das Thema ging ja auch durch die Bildzeitung, denn der Deutsche Wettedienst hat sich da mit drangehängt, nachdem die uns beschimpft hatten, dass wir Vorhersagen mit mehr als fünf Tagen machen. Jetzt versucht der Deutsche Wetterdienst Kachelmann rechts zu überholen, indem sie behaupten, dass sie wissen, wie der ganze Sommer wird. Das ist nach wie vor nicht möglich.
teleschau: Wie lange kann man das Wetter heute vorhersagen?
Donald Bäcker: Die Genauigkeit für die nächsten zwei bis drei Tage ist relativ hoch. Ein Trend von zehn bis vierzehn Tagen kann man einzuschätzen versuchen. Alles, was darüber hinausgeht, ist unseriös.