Ausstrahlung am 21.05.2008 um 00:35 Uhr auf ZDF
(tsch) Andrea Ypsilanti hätte die LINKE gerne stillschweigend akzeptiert, um Hessens neue Ministerpräsidentin zu werden, doch regte sich Widerspruch in ihrer Partei. In manchen (neuen) Bundesländern übertrifft indessen die neue Linkspartei bei Umfragen schon die SPD. Offenbar, weil sie lauthals "mehr soziale Gerechtigkeit" in Deutschland verspricht, wie es der Vorsitzende Oskar Lafontaine formuliert. Dabei gibt es innerhalb der Partei Widersprüche zwischen Ost und West, zwischen Altkommunisten und pragmatischen Verneinern wie Oskar Lafontaine. Für die Reportage "Vorwärts Richtung Westen" sprachen Autoren des ZDF-Hauptstadtstudios mit Oskar Lafontaine und Fraktionschef Gregor Gysi, aber auch mit Parteikritikern wie dem Europaabgeordneten André Brie.
"Je stärker die LINKE wird, umso mehr soziale Gerechtigkeit gibt es in Deutschland": Diesen Satz hört man immer wieder von Oskar Lafontaine, Parteivorsitzender der Linkspartei seit dem Sommer 2007. Der Erfolg seiner Partei bestehe darin, "dass jetzt die anderen Parteien unter Druck geraten", sagte er gegenüber dem ZDF. Als Programm im Falle einer Regierungsbeteiligung merkte er immerhin "die Wiederherstellung der Rentenformel, die Durchsetzung des gesetzlichen Mindestlohns, längeres Arbeitslosengeld für ältere Arbeitnehmer und den Rückzug der Truppen aus Afghanistan" an.
Während Lafontaine die Partei im Westen vorerst auf einen harten Oppositionskurs einschwört, macht sie im Osten längst pragmatisch Regierungspolitik - auch in Berlin. Eine Zerreißprobe, zumindest ein Spagat zwischen den verschiedenen Flügeln: hier die ehemalige WASG ("Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit"), die 2004 aus ehemaligen SPD-Mitgliedern und Gewerkschaftern entstand, dort die Nachfolgeschaft der früheren SED und nachmaligen PDS mitsamt ihrer Verklärung der DDR-Vergangenheit.
Über die internen Widersprüche der inzwischen drittstärksten Partei sprechen die ZDF-Korrespondenten mit deren wichtigsten Vertretern und internen Kritikern, die den Oppositionskurs der "Westler" als schädliche "Nicht-Politik" bezeichnen. Aber auch Amtsinhabern wie dem Bürgermeister im thüringischen Hildburghausen oder den Neulingen im Hessischen Landtag wird anlässlich ihres Tuns das Wort erteilt.