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Wolfgang Winkler und Jaecki Schwarz: Die besten Bouletten von Berlin

16/05/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Seit 1996 sind sie - in über 30 Fällen - die Hallenser Kommissare vom "Polizeiruf 110": Wolfgang Winkler und Jaecki Schwarz. Die Quote stimmt, mit bis zu neun Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 26 Prozent. Man kommt an beim Publikum. Ein eingespieltes Paar sind die beiden, Freunde auch im richtigen Leben. Winkler macht den etwas Prolligen, Schwarz ist der intellektuelle Pedant. Als Kommissar Schmücke (Schwarz) im Film gar in Schneiders Wohnung zog, segelte man stark auf Lemmon-Matthaus "Odd Couple"-Kurs. Inzwischen ist das Private beim "Polizeiruf" wieder gekappt. Als Ersatz dafür gibt es nun einen sehr netten Degeto-Familienfilm quer durch alle Generationen, in dem sich die beiden endlich mal nach Lust und Laune wieder kabbeln dürfen. Wie aber steht es mit dem "Traumpaar" (Fr., 23.05., 20.15 Uhr, ARD) in Wirklichkeit?

teleschau: Im MDR-"Polizeiruf 110" uferte Ihr gemeinsames Privatleben gelegentlich aus. Inzwischen leben Sie da aber wieder getrennt. Nun spielen Sie in der Familienkomödie "Das Traumpaar" ein Altherren-Paar, das sich gegenseitig gerne auf die Schippe nimmt. Hatten Sie Spaß daran?

Wolfgang Winkler: Der Titel ist natürlich schmeichelhaft. Ein "Traumpaar" sind wir sicher nicht, aber so richtig haben wir nichts dagegen, wenn man uns so nennt. Ist doch schön, wenn man mal was anderes als nur immer die Kommissare spielen darf und nicht immer die berühmten Kurzsätze sagen muss: "Wo waren Sie gestern zwischen neun und zehn?"

Jeacki Schwarz: Es war ein lang gehegter Wunsch von uns beiden, so ein Freundespaar zu spielen, das sich Jahrzehnte kennt und immer wieder in die Wolle kriegt. Wir haben irgendwann nach Jahren endlich unsere Fernsehspielchefin erweicht, dass wir das spielen dürfen. Bei "Wo waren Sie gestern ...?" muss ich ja schon immer lachen. Die Frozzeleien im "Polizeiruf" wurden zurückgeschraubt. Sie wurden von der Redaktion nicht so gemocht, obwohl wir vom Publikum viel direkten Zuspruch bekamen. Ist doch schön, so ein bisschen Verarsche in all der knisternden Spannung zwischendurch.

teleschau: Standen Walther Matthau und Jack Lemmon Pate?

Winkler: Na ja, an die kommen wir nicht heran. Wenn man diese Latte anlegt, wird man dem Film nicht gerecht. Bei aller Liebe: Bei Neil Simon sind die Dialoge einfach geschliffener. Wir hatten keinen Shakespeare, den hätten wir gern gehabt. Aber wir haben beide als Schauspieler unser Bestes gegeben. Wenigstens das.

teleschau: Haben Sie "Ein seltsames Paar" auf der Bühne gespielt?

Winkler: Ich habe es in der Dresdner Komödie gespielt, mit einem anderen Partner. Jaecki Schwarz hatte leider keine Zeit - schade.

teleschau: Werden Sie es irgendwann doch noch spielen?

Jaecki Schwarz: Auf keinen Fall. Der Zug ist abgefahren. Nun hat er es ja schon mit einem anderen gespielt. Nee, das ist vorbei. Wir suchen dringend ein neues Stück.

teleschau. Wie sehr sind Sie miteinander befreundet im richtigen Leben?

Winkler: Wir kennen uns seit Jahrzehnten, sind sogar auf dieselbe Schauspielschule, die Deutsche Hochschule für Filmkunst im Potsdam, gegangen. Er kam allerdings, als ich ging, weil ich der Ältere von uns beiden bin. (Winkler ist 1943 in Görlitz geboren, Schwarz 1946 in Berlin, d. Red.). Er war später Promischauspieler am Berliner Ensemble. Man hat die Arbeit des anderen gesehen und auch zusammen Filme gedreht. So kam es, dass aus Kollegialität allmählich Freundschaft wurde. Und wenn zwei Menschen dann noch 13 Jahre lang jeweils vier Monate zusammen vor der Kamera stehen, entwickelt sich so etwas natürlich weiter.

Schwarz: Ich bin ja auch der Patenopa seines kleinsten Enkels, Theo. Der ist fünf. Und weil die anderen zwei, der Älteste ist 15, mit so dünnen Stimmchen sagten: "Und wer nimmt uns, wir haben nix?" habe ich auch zu denen "Ja" gesagt. Ich selber habe ja keine Familie, da tut sowas gut.

teleschau: Sie sind, wie man hört, sogar beide das Wagnis eingegangen, zusammen ein Grundstück im Umland von Berlin zu erwerben. So was geht gewöhnlich schief.

Schwarz: Wir haben ein Grundstück an einem kleinen See gemietet. Jeder hat seine kleine Wohnung. Er für die Kinder, die Enkel. Ich für meinen Vater, der da Angeln gehen kann. Jeder hat sein eigenes Terrain, und so oft sind wir ja sowieso nicht draußen.

teleschau: Jeacki Schwarz, lassen Sie Herrn Winkler spüren, dass er in Görlitz geboren ist, Sie aber ein echter Berliner sind?

Winkler: Klar, er kennt sich in Berlin besser aus. Ich habe in Halle gelebt, bin erst seit zwei Jahren in Berlin - als Rucksack-Berliner, wie man das nennt.

Schwarz: Ach wo. Er kennt sich in Berlin schon besser aus als ich. Er fährt mich mit seinen teuren Schlitten, er ist ja ein Auto-Freak, durch die Gegend. Er ist ein sehr guter Chauffeur, das lass' ich mir gerne gefallen. Wir fahren auch mal zu dritt in den Spreewald raus. Wenn seine Frau Zeit hat, ist sie dabei: Dann sind wir eine richtige Ménage à trois.

teleschau: Wie man hört, kochen Sie beide sehr gern.

Winkler: Ich mache die niederen Arbeiten, Kartoffeln schälen, Mohrrüben putzen, er ist der Gourmet und übernimmt das Kommando. Aber Gulasch, das klassische, leicht angebrannte, mache ich selber gern.

Schwarz: Ich koche selber nicht gourmetmäßig. Bouletten sind meine absolute Spezialität. Wie bei Oma. Es sind die besten Bouletten von ganz Berlin. Katharina Thalbach und Detlev Buck haben das bestätigt. Wolfgang kocht gerne für die Presse zu Hause, mitsamt Kindern und Frau. Die fotografieren uns dann, und wir essen am Ende immer allet uff!

teleschau: In der DDR waren Sie mit ihren frühen Filmen in den 60-ern berühmt. Der eine, "Das Kaninchen bin ich", wurde verboten und gab einer ganzen Reihe verbotener Filme, den "Kaninchen-Filmen", den Namen. Der andere, "Ich war neunzehn", ein Kriegsheimkehrer-Film, wurde von der Partei schwer gelobt.

Schwarz: Ja, seiner wurde verboten. Für meinen wurde eine Kampagne gemacht.

teleschau: Kampagne?

Schwarz: Na ja, da wurden Schulklassen und Brigaden reingeführt, weil er als wertvoll für den Aufbau des Sozialismus galt. Ne Kampagne ist natürlich immer Scheiße. Aber die Filme sind beide gut. Das haben nach 'ner halben Stunde auch die Schulklassen und später die Kritiker im Westen gemerkt.

teleschau: Herr Schwarz, könnten Sie sich vorstellen, mit ihm zusammenzuleben, so wie mal im "Polizeiruf"?

Schwarz: Ne. Im Film gerne. Aber persönlich: ne. Er ist überhaupt nicht mein Typ. Da fehlt einfach der Intellekt.

teleschau: Denken Sie manchmal heimlich daran, ihn zu erschießen, Herr Winkler?

Winkler: Wo denken Sie hin! Nicht mal verbal. Aber es stimmt: Er kann einen machmal zur Weißglut bringen. Es gibt so Momente wie in einer Ehe, da denkt man: Jetzt könnte ich mich vielleicht scheiden lassen. Aber dann siegt die Vernunft, man muss ja zusammen sein Geld verdienen.

teleschau: Wie lange noch?

Schwarz: Solange den Autoren noch was einfällt, spielen wir. Die Quote ist unsere Rettung. Sonst wären wir - beide über 60 - ja längst raus. Das Damoklesschwert rückt merklich näher. Wir kennen doch alle den allseits grassierenden Verjüngungswahn.