"Futter für die richtigen Fragen": Gert Scobel führt durch das KI.KA-Philosophie-Doku-Magazin "Nächster Halt ..." (

16/10/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm! - Das wissen schon die Allerkleinsten und fragen den Erwachsenen Löcher in den Bauch. Doch nicht selten sind auch die Großen bei den mitunter existenziellen Themen überfragt: "Mama, was ist das Jenseits?" "Papa, was ist Glück?" Tja, gar nicht so leicht zu erklären, erst recht nicht in wenigen Worten. Gert Scobel (50) springt da nun wieder ein. Zusammen mit seinen jungen Co-Moderatoren Sabrina Stehnicke und Torsten Flassig führt der studierte Philosoph und mehrfach ausgezeichnete Kulturjournalist durch neue Folgen des Philosophie-Doku-Magazins "Nächster Halt ..." im KI.KA. Nach ein paar Wiederholungen ("Liebe", "Das Böse") heißt der erste Stopp am 1. November "Gerechtigkeit" (sonntags, 19.50 Uhr).

Der zweifache Vater hatte selbst die Idee für das Kindermagazin, das 2008 erstmals ausgestrahlt wurde: "Es gibt hervorragende Wissenschaftssendungen für Kinder wie 'Wissen macht Ah!' oder '"Willi will's wissen', erklärt Scobel. "Aber es gab für sie keine einzige Kultursendung. Und wenig Sendungen, die Orientierung bieten." Dabei kann die Philosophie den jungen Zuschauern durchaus wichtiges Rüstzeug fürs Leben mitgeben. Ziel ist es nicht unbedingt, definitive Antworten auf Fragen zu finden. - Das gebe es in der Philosophie eher selten. Man will mit "Nächster Halt ..." aber einen Anreiz geben, weiterzufragen und sich zu informieren. "Die Sendung liefert Futter für die richtigen Fragen. Fortschreitende Erkenntnis hat mit der Veränderung der Fragen zu tun."

Durch Scobels Format sind die Eltern oder Lehrer also noch längst nicht aus der Nummer raus. Doch niemand muss sich grämen, wenn er seinem Kind philosophisch nicht das Wasser reichen kann, denn "viele Kinderfragen können noch nicht einmal Fachleute wirklich beantworten", weiß der Journalist. "Sinnfragen etwa oder Fragen zur Entstehung der Welt." Dennoch schreckt Scobel nicht davor zurück und traut sich auch an unangenehme oder sehr komplexe Themen wie "Das Jenseits", "Das Böse" oder "Gott" heran. Unterschätzen oder unterfordern möchte er das junge Publikum nicht. "Kinder sind ganz offen. Sie reden über alles und meistens auch unverkrampfter, als wir selbst das tun."

Zu schwer will man die Themen allerdings auch nicht präsentieren. Wenn man die Kernaussagen des Buddhismus in 30 Sekunden zusammenfasst, kürzt man natürlich und vereinfacht. Wichtig sei jedoch, dass bei den Kindern etwas Richtiges haften bleibt, das sie weiter beschäftigt. In "Nächster Halt ..." werden auch keine staubigen alten Bücher gewälzt. Die jungen Co-Moderatoren Sabrina und Torsten, die gemeinsam mit Scobel, dem Philosophen Norbert Meuter ("Er ist einfach wunderbar im einfachen Erklären schwieriger Zusammenhänge"), der Produktionsfirma Studio.TV.Film GmbH sowie Regisseurin Nicole Volpert an der Konzeption der Sendungen arbeiten, reisen mit einem Bus von Station zu Station. Dabei kommen sie Stück für Stück den Antworten auf ihre Fragen nach "Ich" (08.11.), "Glück" (15.11.), "Schuld" (22.11.), "Gott" (29.11.), "Streit" (06.12.) und "Wahrheit" (13.12.) und auch sich selbst ein bisschen näher.

Unterwegs trifft das Trio viele interessante Menschen: Kinder, die ihre persönlichen Erfahrungen zum jeweiligen Thema schildern, aber natürlich auch Philosophen wie Aristoteles oder Platon. Denn die sind zwar schon lange tot, haben aber immer noch viel zu sagen. Während in anderen Wissenschaften wie etwa der Molekularbiologie bestimmte Erkenntnisse irgendwann überholt und widerlegt sind, sind die alten Philosophen bis heute präsent und aktuell: "Über die Wahrheitsfrage gibt es mit gewissen Variationen bis heute eine Diskussion zwischen Aristoteles und Kant. Und sie wird auch nicht enden", weiß Scobel. Also erscheint der gute Aristoteles schon mal als Zeichentrickfigur auf dem Busfenster und bringt sich produktiv in die Diskussion ein. Das ist amüsant und lehrreich zugleich - genau nach Scobels Motto: "Kultur ist Unterhaltung - aber mit Erkenntnisgewinn".

Und nicht nur das: Philosophie biete die Möglichkeit, bestimmte Probleme durch Analyse aufzulösen. "Wenn ein Kind ein ganz drängendes, existenzielles Problem hat, weil etwa der Vater Alkoholiker ist, dann löst sich dieses Problem sicher nicht alleine mit Hilfe der Philosophie", erläutert Scobel. "Man braucht andere Menschen, denn Philosophie kann die Welt an sich nicht verändern." Aber sie lasse den Menschen erkennen, dass es außerhalb der bedrohlichen Situation Sinn und Bedeutungszusammenhänge gibt, in die man sich einklinken kann. "Vielleicht hilft das, Hilfe zu finden und die Situation zu verlassen. Kindern hilft Philosophie vielleicht auch bei der Erkenntnis, dass sie mit 'seltsam erscheinenden Fragen' eben doch nicht alleine sind. Zumal Philosophie kein wahlloses Stochern im Nebel ist. Sie bietet hier und da Eckpunkte und Inseln, auf denen man sich niederlassen kann, um die Welt mal aus dieser Perspektive zu betrachten und Orientierung zu finden."

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