Marie Zielcke: Die Julia Roberts der Daily Soap

16/10/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Vom Mann verlassen, mittellos, das Sorgerecht fürs Kind weg - darauf gibt's eine Kampfansage. Marie Zielcke, sonst auch gerne mal in Arthouse-Filmen als zartes Wesen besetzt, wird nun knallbunt, impulsiv und laut: Sie spielt Manu Berlett, Putzhilfe im Nobelhotel und Heldin der neuen SAT.1-Daily "Eine wie keine" (Mo., 16.11., 18.00 Uhr). Die 30-Jährige, der es privat erklärtermaßen schon peinlich ist, vor einer Tischrunde laut beim Kellner zu bestellen, macht jetzt mal was ganz anderes (zum Vergleich: am Di., 17.11., 20.15 Uhr, wiederholt SAT.1 das Drama "Noch einmal lieben", in dem Marie Zielcke eine junge krebskranke Frau spielt). Während Popstar Jeanette Biedermann bei SAT.1 die schüchterne "Anna und die Liebe" gibt, spielt die zurückhaltende Marie Zielcke nun eine Art resolute Erin Brockovich in Berlin. Wie erklärt die Lebensgefährtin von Christoph Maria Herbst ("Stromberg") und Mutter einer Tochter, die über ihr Privatleben nicht gerne spricht, diesen Wandel? Ebenfalls ziemlich selbstbewusst.

teleschau: Wer hat am lustigsten auf die Nachricht reagiert, dass Sie Star einer neuen SAT.1-Daily werden?

Marie Zielcke: Ich glaube, ich selbst. Wenn ich so durch die Straßen lief, es mir plötzlich wieder einfiel und ich dachte: Huch, krass! Warum habe ich das noch mal zugesagt? Geht das alles wirklich? War das die verrückteste oder die geilste Entscheidung meines Lebens?

teleschau: Dann erzählen Sie doch mal, bitte: Wie kam's?

Marie Zielcke: Irgendwann kam ein Anruf, ob ich mir vorstellen könnte, zu diesem Casting zu gehen. Ich fing an nachzudenken ... eher lange.

teleschau: Wie lange?

Marie Zielcke: Gefühlte Wochen. Aber ich sagte mir: Ich kann ja mal gucken. Ich war neugierig, ob ich schon beim Casting merken würde, dass das ein komplett anderes Format ist, und wollte wissen, wie sich das anfühlt.

teleschau: Und?

Marie Zielcke: So eine Rolle wollte ich eigentlich schon immer mal wahnsinnig gerne spielen! Beim Casting war ich dann so begeistert ... vom Regisseur und der Art und Weise, wie's geschrieben war. Ich dachte direkt: Ach du meine Güte, es gefällt mir auch noch! Ich habe mich auch in die Art zu arbeiten verliebt - dieses schnelle Abrufen von Text und Gefühl und Wachheit. Das liegt mir.

teleschau: Was ging Ihnen während der langen Denkphase im Vorfeld durch den Kopf?

Marie Zielcke: Ich habe 15 Jahre lang Filme gemacht - teils Arthouse-Filme, zum Beispiel mit Oskar Roehler ... Was denkt die Branche über mich, wenn ich Daily Soap mache? Aber ich kam irgendwann zu dem Schluss: Wenn man etwas hundertprozentig vertreten kann, kann einem niemand etwas anhaben. Wenn man sich versteckt und sagt: "Naja, ich find's ja selber blöde und mache das nur, weil ...", dann hat man ein Problem. Aber ich finde die Figur der Manu so toll, und es steckt viel Liebe zum Detail drin. Das ist keine schnelle Nummer. Deswegen bin ich stolz auf das, was ich mache.

teleschau: Die Umstellung von der anspruchsvollen Tochter eines Regisseurs und einer Schauspielerin, von der Max-Ophüls-Preisträgerin zum Daily-Soap-Star war also einfacher als gedacht?

Marie Zielcke: Es wird ja trotzdem von mir verlangt, dass ich gut spiele. Ich muss nur schneller und offener sein. Ich fühle mich viel freier, kann improvisieren. Es gibt viele Möglichkeiten, ich sehe die Einschränkungen nicht wirklich.

teleschau: Hatten Sie Vorbehalte gegenüber dem Format?

Marie Zielcke: Früher sah ich auch "Verbotene Liebe" und "GZSZ" und kann durchaus verstehen, warum die Zuschauer das mögen. Ich finde es wahnsinnig entspannend und spannend zugleich. Ich lebte auch länger in Amerika, da wird das komplett anders gesehen: Jeder, der dort eine Hauptrolle in einer Daily bekommt, wird beglückwünscht. Nur hier wird eher die Nase gerümpft: Das habe nicht genug Anspruch, das sei nicht dies und jenes ... Solche Berührungsängste hatte ich eigentlich nie. Dem Vorwurf, das seien keine richtigen Schauspieler und keine schauspielerische Arbeit, muss ich lauthals widersprechen. Was man da leisten muss, ist definitiv Hardcore.

teleschau: Ihre Recherche für die neue Rolle war eher ungewöhnlich: Sie haben "gefühlte 150-mal" "Pretty Woman" und "Erin Brockovich", jeweils mit Julia Roberts in der Titelrolle, angesehen. Ihre Idee?

Marie Zielcke: Die Titel sind natürlich gefallen, als es um das Kostüm und das Auftreten der Figur Manu Berlett ging. Aber es lag auch auf der Hand, das noch einmal anzuschauen. Das sind sowieso Filme, die ich schon sehr oft gesehen habe ... Ich setzte mich aber nicht mit Stift und Block davor. Es ging eher um ein Grundgefühl.

teleschau: Sie sagten mal, dass Sie aus einem besonderen Grund jedes Mal das Drehende kaum erwarten können: Um endlich wieder die Frisur verändern zu dürfen. Diese Dreharbeiten werden länger als ein paar Monate dauern ...

Marie Zielcke: (lacht) Es ist zwar ungewohnt, aber dadurch, dass ich die Figur so mag und inzwischen auch eine Frisur habe, die ich sehr mag, ist das nicht so schlimm. Allerdings treiben mich die blonden Strähnchen in den Wahnsinn ...

teleschau: Sie wurden Anfang des Jahres 30 - ein für Sie weltbewegender Geburtstag?

Marie Zielcke: Ich muss kurz überlegen, was ich gemacht habe ... Ne, überhaupt nicht. Ich freute mich, 30 zu werden, weil ich 29 eine doofe Zahl fand. Die sagte ich auch nicht gerne. 28 klang besser. Ich mag einfach ungerade Zahlen nicht.

teleschau: Keine große Party?

Marie Zielcke: Gar nicht. Ich gehe selbst nicht gerne auf große Partys - und eine machen mag ich schon gleich gar nicht. Ich habe nur ganz ruhig und in sehr kleinem Kreis gefeiert, ganz unspektakulär.

teleschau: Sie sind allgemein ein eher zurückhaltender Mensch. Durch die Daily-Soap-Hauptrolle wird sich Ihr Bekanntheitsgrad schlagartig potenzieren. Sind Sie darauf vorbereitet?

Marie Zielcke: Überhaupt nicht. Im Moment ist ja noch alles beim Alten, und ich kann wie bisher weitgehend unbehelligt morgens aus dem Haus schleichen. Die Vorstellung, dass sich das verändern könnte, ist sehr merkwürdig. Aber solange das noch nicht passiert, denke ich auch nicht darüber nach.

teleschau: Als Star einer Daily werden Sie außerdem auch zu einem Gesicht des Senders ...

Marie Zielcke: Meine allererste Filmrolle vor ungefähr 15 Jahren hatte ich bei SAT.1 in "60 Minuten Todesangst". Ich kehre sozusagen nach vielen, vielen Umwegen zu meinen Wurzeln zurück. Jetzt für eine Weile SAT.1-Gesicht zu werden, finde ich völlig okay.

teleschau: Fühlen Sie sich jetzt in einem Boot mit Kerner und Pocher, die das neue SAT.1 repräsentieren?

Marie Zielcke: Nein, da steckt ein Konzept dahinter und sicherlich super Ideen, aber jeder macht seins. Wir sind mit dieser Daily ein Teil davon. Ich sehe mich in keiner direkten Verbindung mit allen anderen. Wenn die was machen würden, womit ich mich nicht identifizieren kann, hätte ich ja gleich ein Problem (lacht).

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