Sebastian Deyle: "Endlich über Schauspieler schimpfen"

16/10/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Die ZDF-Telenovela "Alisa - Folge deinem Herzen" wird ab 5. November von einem echten Serien-Profi verstärkt: Sebastian Deyle spielte schon in "Unter uns", dem "Marienhof" und in "Sturm der Liebe". Doch obwohl der 31-Jährige nun erneut in einem täglich laufenden Nachmittagsformat zu sehen ist, hat er ein durchaus breitgefächertes Repertoire vorzuweisen. Als Sohn eines Dirigenten saß er schon im zarten Alter von vier Jahren das erste Mal am Klavier. Er moderierte zahlreiche Shows ("Quizfire", Sat.1; "Immer wieder sonntags", ZDF) sowie Galas und war auch schon in einigen Spielfilmen ("Flash Back - Mörderische Ferien", "Wilde Jungs") zu sehen. Seit über zwei Jahren ist Deyle zudem Geschäftsführer und Teilinhaber der Produktionsfirma "Goodstuff Pictures" und damit auch als Produzent tätig.

teleschau: "Unter uns", "Marienhof", "Sturm der Liebe" und jetzt "Alisa - Folge deinem Herzen": Du bist ja ein richtiger Soap-Hopper ...

Sebastian Deyle: (lacht) Bei "Unter uns" war ich ja nur wenige Wochen. Aber es ist richtig, dass ich durch das Soap-Fach zum Fernsehen kam. Viele Kollegen verurteilen diesen Weg. Grundsätzlich habe ich aber das Gefühl, dass Soaps heute tendenziell eher mehr Ansehen genießen als noch vor einigen Jahren. Mathieu Carrière etwa ist ein brillianter Schauspieler. Er ist jetzt bei "Anna und die Liebe" zu sehen, und keiner würde ihn dafür angreifen. Ich finde es schon vermessen, wenn Kollegen heute immer noch sagen, sie wollen nur fürs Kino arbeiten.

teleschau: Warum?

Deyle: Jeder Schauspieler, der nur Kinofilme macht, sollte mal an einem Soap-Set 20 Szenen am Stück drehen. Dann zeigt sich schnell, dass die Leistung, die ein Seriendarsteller täglich abliefert, keinesfalls geringer einzuschätzen ist als die Leistung an einem Kinoset. Soap und Kino sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe, und ich finde, beides hat Respekt verdient.

teleschau: Neben der Schauspielerei bist Du noch anderweitig aktiv ...

Deyle: Vor Kurzem erhielt ich von einer Kollegin eine E-Mail, in der sie über mich schrieb: "Der Schauspieler, Sänger, Moderator, Entertainer, Produzent ..." Das klingt erst mal komisch. Aber es ist die Folge davon, dass ich mich noch nie in eine Schublade habe stecken lassen. Ich versuche einfach, das zu machen, was mir Spaß macht. Denn wenn man Spaß an der Sache hat, dann wird es auch gut.

teleschau: Du bist seit zwei Jahren Teilinhaber einer Produktionsfirma. Wie kam es dazu?

Deyle: Ich wollte endlich andere Rollen spielen. Rollen, die mir aus Typgründen noch nie angeboten wurden. Deshalb bin ich schließlich Schauspieler geworden. Irgendwann dachte ich mir einfach: "Wenn dir keiner diese Chance gibt, dann machst du das jetzt eben selbst." (lacht)

teleschau: Also hat auch Frust eine Rolle gespielt?

Deyle: Nein, ganz im Gegenteil. Das war für mich eher Motivation, die dann aber sehr schnell in den Hintergrund trat. Ich schrieb zunächst zusammen mit einem befreundeten Regisseur einen Kurzfilm, "Happy Hour", der es immerhin zum Shortfilmcorner nach Cannes schaffte. Dort folgte dann ein weiterer Kurzfilm, "Come with nothing - go with everything", der immerhin den Publikumspreis "Cannes a la Flip special mentioned" erhielt. Im Anschluss ging es dann richtig los. Neben vielen Entwicklungen konnten wir etwa den Kinofilm "Waffenstillstand" mit Hannes Jaenicke in der Hauptrolle koproduzieren, der gerade auf dem Festival in Montreal und in Zürich zwei Preise abgeräumt hat und Ende des Jahres in Deutschland in die Kinos kommen wird. Ich finde es spannend, ein Projekt von Anfang an zu begleiten und dann zu sehen, was daraus wird.

teleschau: Hat sich Dein Blick auf die Filmlandschaft durch Deine Tätigkeit als Produzent geändert?

Deyle: Total! Man fängt automatisch an, eine Stückchen über den eigenen Tellerrand zu blicken. Toll ist auch: Als Produzent kannst du endlich über die Schauspieler schimpfen. (lacht)

teleschau: Und Du hast mehr Mitspracherecht ...

Deyle: Nicht wirklich. Meist haben sehr viele Leute etwas zu sagen. Aber zumindest sieht man mal, wie klein und unwichtig die Probleme im Gesamtbild sind, die man als Schauspieler für so wichtig hält. Man lernt viel über sich selbst, und ich denke, beim nächsten Mal, wenn ich wieder der Schauspieler am Set bin, dann nehme ich mich lieber zurück und mich nicht ganz so ernst.

teleschau: Du warst früher also anstrengender?

Deyle: Ich hoffe, in der Arbeit als Schauspieler angenehmer geworden zu sein, weil ich mich nicht mehr so unfassbar wichtig nehme. Als ich 20 war, sah das noch ganz anders aus, und ich dachte tatsächlich, ich sei der Nabel der Welt.

teleschau: Bereust Du das?

Deyle: Nein, eigentlich nicht. Ich war eben noch sehr jung und total unerfahren. Wenn du Anfang 20 bist, und die Mädels kreischen, dann denkst du natürlich irgendwann: Hey, ich bin ein Star! Schlimm wird es meiner Meinung nach nur, wenn man auf diesem Stand hängenbleibt. Es gibt die Schauspieler, die mit 30 immer noch so denken, und andere, die sich weiterentwickeln. Und ich hoffe inständig, dass ich persönlich zur zweiten Gruppe gehöre (lacht).

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