teleschau - der Mediendienst GmbH

Isi: "Sex im Container ist menschlich!"

18/07/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Bis sie in den Container einzog, verdiente die 26-jährige Isi aus Mülheim an der Ruhr ihr Geld als Gogo- und Table-Dancerin. Eine Vorbildung, die ihr auch bei "Big Brother" zugutekam. 183 Tage lang quasselte und strippte sich die freizügige Blondine in die Herzen der Zuschauer, die sie nun zur Gewinnerin der achten TV-Knast-Soap kürten. Im Interview berichtet die dralle Ex-Insassin vom Leben im Container, dem schwierigen Prozess der "Auswilderung" und von ihren Zukunftsträumen. Außerdem verrät sie, mit welchem "Mitbewohner" sie bald zusammenziehen möchte.

teleschau: Herzlichen Glückwunsch, Isi! Du bist jetzt um 250.000 Euro reicher. Was willst Du mit dem Gewinn anstellen?

Isi: Ich muss das alles erst mal verarbeiten! Was ich mit dem Geld anfange, werde ich mir bald in einer stillen Minute zu Hause überlegen. Aber ich bleibe bei dem, was ich immer gesagt habe: Zuerst kommt meine Mama und dann ich. Wir werden zusammen darüber quatschen, welche Wünsche ich ihr erfüllen kann. Vielleicht eine kleine Eigentumswohnung ...

teleschau: Du hast Dich für diese viertel Million 183 Tage lang wegsperren lassen. War es das wert?

Isi: Nur allein des Geldes wegen habe ich nicht mitgemacht. "Big Brother" war eine tolle Erfahrung. Ich habe unheimlich viel über mich selbst dazugelernt. Ich wusste vorher zum Beispiel gar nicht, dass ich so ein geduldiger Mensch bin. Ich dachte bislang immer, ich wäre genau das Gegenteil. Außerdem sprang ich im Haus nicht nur über einen, sondern gleich über mehrere Schatten. Ich ging weit über meine Grenzen hinaus. Und das war genau das, was ich wollte: neue Herausforderungen und Abenteuer-Feeling.

teleschau: Vor "Big Brother" warst Du Table-Dancerin. Erhoffst Du Dir nun neue Job-Angebote, vielleicht als Moderatorin?

Isi: Wenn sich in dieser Richtung etwas ergeben würde, wäre das natürlich super - das Nonplusultra. In meinen alten Beruf möchte ich nicht unbedingt zurück, auch wenn er mir unheimlich viel Spaß gemacht hat. Ich will einfach nicht auf der Stelle treten.

teleschau: Du hast Abitur und eine fast abgeschlossene Ausbildung zur Versicherungskauffrau ...

Isi: Oh ja, Kopfrechnen! Nie wieder! Aber ich bereue die Zeit nicht. Ich bin froh, dass ich drei Jahre meine Erfahrungen in dem Bereich sammeln konnte. Was ich als Nächstes mache, weiß ich noch gar nicht. Ich muss überhaupt erst mal wieder draußen in der realen Welt ankommen. Ich bin gedanklich noch mehr im Haus als sonst irgendwo.

teleschau: Habt Ihr von der Außenwelt wirklich gar nichts mitbekommen?

Isi: Wir waren komplett isoliert. Die Welt ist für mich kurz nach Silvester, als ich in den Container einzog, stehengeblieben. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung, was los ist, was meine Freunde machen. Wenn man Glück hatte, bekam man mal eine Nachricht. Ich hatte die große Ehre, dass meine Mama zu Besuch kommen durfte. So konnte ich wenigstens ein bisschen Außenluft schnuppern und erfahren, dass alles in Ordnung ist. Das war eine wahnsinnige Energiespritze.

teleschau: Ist es nicht beängstigend, wenn man von der Außenwelt völlig abgeschnitten ist und nichts vom Weltgeschehen mitbekommt?

Isi: Ich wusste ja gar nicht, wovor ich Angst haben sollte. Hauptsächlich habe ich mir Sorgen um Freunde und Familie gemacht.

teleschau: Und jetzt wirst Du mit Informationen überschüttet ...

Isi: Überrollt!

teleschau: Hört sich stressig an. Wie fühlen sich die ersten Tage in Freiheit an?

Isi: Das ist alles noch sehr ungewohnt. Plötzlich sind da wieder so viele Menschen um mich herum. Ich werde auch oft auf der Straße angesprochen: "Mensch, Dich kenne ich doch! Ich habe immer für Dich angerufen." Das ist ein schönes Gefühl, aber leider kann ich nicht so viel zurückgeben, wie ich von den Leuten bekomme. Alle kennen mich, ich aber kenne keinen. Ich muss erst noch lernen, damit umzugehen.

teleschau: Fühlst Du Dich manchmal immer noch von Kameras beobachtet?

Isi: Ich habe keinen Verfolgungswahn (lacht). Aber manchmal suche ich nach meinem Mikro und will nachschauen, ob der Sender richtig sitzt.

teleschau: Was wirst Du am meisten am Leben im Container vermissen?

Isi: Die Dori (ein Kugelfisch war das "Big Brother"-Haustier, d. Red.).

teleschau: Vielleicht kannst Du sie adoptieren ...

Isi: Ich werde auf jeden Fall einen Antrag stellen.

teleschau: Was war das Schlimmste an der Zeit im Container?

Isi: Schlimm war, dass ich keinen richtigen Ansprechpartner oder eine Bezugsperson im Haus hatte. Ich war eher als Einzelkämpferin unterwegs.

teleschau: Stört es Dich, wenn Du für viele jetzt nur noch die Stripperin aus dem "Big Brother"-Haus bist?

Isi: Das war ich nun mal. Ich war mit meinem Beruf auch immer ganz zufrieden. Warum sollte ich die Vergangenheit leugnen? Sie ist ein Teil von mir.

teleschau: Im Haus hattest Du immer wieder Pech mit den Männern. Hast Du jetzt draußen schon Liebeserklärungen bekommen?

Isi: Nein, nicht wirklich. Dafür ist alles noch viel zu frisch. Ich hatte auch kaum Zeit, irgendetwas in dieser Richtung aufzuschnappen. Allerdings habe ich gehört, dass es hieß: "Isi liebt alle Männer!"- Ja, keine Frage. Ich liebe Männer. Auch wenn sie mir oft ein einziges Rätsel sind. Ich finde sie einfach viel zu interessant, als dass ich sie hätte links liegen lassen können. Ich bin Single, ich bin neugierig, und wenn ein hübscher Kerl vorbeikommt, dann schaue ich mir den gerne an. Wenn ich allerdings merke, dass nicht viel dahintersteckt, verliere ich ganz schnell das Interesse. Einer, der mir wirklich gefallen hätte, war im Haus aber gar nicht dabei: Dann bin ich nämlich ganz klein mit Hut.

teleschau: Aber Sex vor laufenden Kameras hättest Du Dir trotzdem vorstellen können?

Isi: Das ist menschlich! Jeder braucht ein bisschen Liebe und Zuneigung. Und auch das gehört mit zu "Big Brother". Wenn man 24 Stunden am Tag auf engstem Raum miteinander verbringt, sind die Emotionen einfach groß, ob es nun positive oder negative sind. Entweder hat man ein extremes Hoch oder ein extremes Tief, ein Mittelmaß gibt es im Container nicht. Das kann man sich draußen gar nicht vorstellen.

teleschau: In dieser Staffel sorgte nicht der Sex für einen Skandal. Kandidatin Rebecca rief im Haus eine Nazi-Parole und wurde sofort von der Show ausgeschlossen. Was hast Du davon mitbekommen?

Isi: Dazu kann ich gar nicht viel sagen. Ich saß zwar mit am Tisch, war aber ganz in Gedanken versunken. Jedenfalls wurde schneller gehandelt, als wir gucken konnten. Rebecca musste ins Sprechzimmer kommen, kam mit bedrücktem Gesichtsausdruck heraus, und dann war sie auch schon weg.

teleschau: Die Castings für "Big Brother 9" laufen. Hat der Zuschauer das Container-Leben nicht irgendwann mal satt?

Isi: Ich glaube, das Publikum kann nicht genug davon bekommen. "Big Brother" wird noch sehr lange für die Leute interessant sein.

teleschau: Weil es den Voyeurismus befriedigt?

Isi: Nicht unbedingt. Wenn viele unterschiedliche Charaktere zusammenleben, wird es einfach nie langweilig für die Zuschauer. Sie können lachen, sich freuen und sich auch über bestimmte Dinge aufregen.

teleschau: Wie reagierst Du auf Kritik an der Sendung?

Isi: Ach, das sehe ich locker. Geschmäcker sind eben verschieden.

teleschau: Viele Teilnehmer sind nach "Big Brother" in der Versenkung verschwunden. Hast Du Angst davor, wieder unbekannt zu sein?

Isi: Gar nicht. Keine Frage: Über alles, was sich an neuen Jobs ergibt, freue ich mich. Aber wenn nichts passiert, dann ist das auch nicht so schlimm. Ich könnte mir auch eine schulische Weiterbildung vorstellen. Mir stehen alle Türen offen.