Ausstrahlung am 23.06.2009 um 23:00 Uhr auf 3sat"Gerry" ist einer dieser Filme, die die Zuschauer unerbittlich in zwei Lager spalten. Die einen finden ihn ob der cineastischen Perfektion grandios, die anderen wegen der stoischen Handlung und der zelebrierten Langsamkeit unerträglich. Gus Van Sant ("Good Will Hunting", "Elephant") hat 2001 mit Matt Damon und Casey Affleck ("Die Ermordung des Jesse James ...") ein naturgewaltiges Experiment unternommen - die beiden Freunde verlaufen sich in der Prärie und irren ohne Proviant durch das berauschende Nichts des Mittleren Westens. Die existenzielle Erfahrung, die dem Zuschauer viel Zeit zum Nachdenken lässt, zeigt 3sat nun in einer Wiederholung.
Es ist eine ganz besondere Beziehung, die Gus Van Sant, Matt Damon und Casey Affleck (der jüngere Bruder von Ben) führen. Sie sind ein Kreativteam, das mühelos den Generationenunterschied überwindet und mit "Gerry" einen bemerkenswerten Film drehte. Gemeinsam verfassten die drei das Script für ihr meditatives Leinwandexperiment, das mit minimaler verbaler Kommunikation auskommt.
Hilfreich war dabei, dass Van Sant seit seinen ersten Filmen in den 80er-Jahren als ausgewiesener Experte in Sachen Jugendkultur gilt. Es ist die Suche nach Identität und das juvenil-rauschhafte Vorwärtsstreben, das ihn immer interessierte.
In "Gerry" schickt er Damon und Affleck, die den Filmtitel jeweils als Vornamen tragen, auf einen unendlichen Wüstentrip. Sie verlieren sich im Nichts, nachdem ihr Auto weitab der Zivilisation den Dienst verweigert. Ohne Proviant durchleiden sie tagelang die Horrorseite der unberührten Natur, die sie mit ihrer ganzen Pracht und Schönheit empfängt, aber ihnen auch erbarmungslos die jugendliche Unbeschwertheit nimmt.
Gus Van Sant nahm sich alle Zeit der Welt für seine außergewöhnliche Studie, die vor allem dank ihrer grandiosen Naturaufnahmen eine geradezu hypnotische visuelle Kraft entfaltet. Ein bisschen erinnert das existenzielle Setting an Samuel Becketts absurden Theaterklassiker "Warten auf Godot". Für den Zuschauer jedenfalls gilt: Wer Geduld hat, wird belohnt.
Zum Jahresende wird der fleißige Matt Damon in den neuen Filmen von Clint Eastwood ("The Human Factor"), Steven Soderbergh ("The Informant") und "Bourne"-Regisseur Paul Greengrass ("Green Zone") zu sehen sein. In seine wohl bekannteste Rolle als Agent Jason Bourne schlüpft er wohl nicht wieder vor 2011.
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