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Ausstrahlung am 04.04.2008 um 20:15 Uhr auf 3sat(tsch) "Er war ein Machiavel mit der Seele eines Kindes", behauptet eine seiner Verehrerinnen. Und wahrscheinlich ist das keine schlechte Umschreibung für das Phänomen Karajan, das der Regisseur Robert Dornhelm (der in Wien gerade "La Bohème" mit Anna Netrebko und Roberto Villazón für den Musik- und Eventfilmproduzenten Jan Moito drehte), im Geschwindschritt von allen Seiten zu durchleuchten versucht. "Karajan - oder 'Die Schönheit, wie ich sie sehe" zitiert einen Satz des vor 100 Jahren in Salzburg geborenen Maestro, der sich nicht zuletzt auf dessen visuelle Umsetzung von Musik bezieht. Karajan arbeitete jahrzehntelang mit Kirch und dessen "Unitel"-Produktion zusammen. Es entstanden daraus 600 Stunden Musikfilm, auf die nun Dornhelm für seine Karajan-Erinnerungen zurückgreifen kann. (Das ZDF sendet den Film am 06.04., um 23.40 Uhr.)
Anfänglich sieht es im Film so aus, als solle am Denkmal Karajan gehörig gerüttelt werden. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt lässt da beispielsweise wissen, dass Karajan "ein verschlossener Charakter" war (später wird er ihn als großen Segler und emsig-asketischen Arbeiter loben). Joachim Kaiser gibt gar zu bedenken: "Er war kein Intellektueller!", wieder andere wissen alle von Gott weniger begnadeten Zeitgenossen mit dem Befund zu trösten, Karajan sei "einer der einsamsten Menschen" gewesen, die sie gekannt hätten. Sehr nett.
Dornhelm versteht die Kunst des Vorhalts blendend. Und so dauert es noch eine ganze Weile, bis die versammelten Augenzeugen, von Kaiser bis Jansons und gar Thielemann, berichten dürfen, dass vom Dirigenten eine schier Schlaf raubende geheimnisvolle (überirdische) Energie am Pult ausgegangen sei.
Für den gemeinen Zuschauer aber mag nichts so faszinierend wie diese raue, kehlige Stimme sein, mit der Karajan samt seiner trübblauen Augen geradezu wie ein Außerirdischer zu ihm spricht. Die NSDAP-Zugehörigkeit sei ein Muss zum Zeitpunkt des Antritts als Generalmusikdirektor in Saarbrücken (1934) gewesen, so erfährt man vom Maestro selbst nur recht nebenbei, während Helmut Schmidt milde den Satz: "Die Kunst geht nach Brot" bemüht.
Der dritten Frau, Eliette von Karajan, mit der er 31 jahre verheiratet war, ist es zu verdanken, dass auch der Boulevard das Seine bekommt. Man gewährt Einblick ins schöne Salzburger Heim, das offenbar unverändert blieb. Der Schwalbenflug zu Mahler wirkt ergreifend, weniger der deutsche Adler, der am Ende so heroisch am Himmel kreist. Fast hätte - so erfährt man eingangs - ein vom unerbittlichen Meister in seiner Karriere bedrohter Kapellmeister diesen in seiner frühen Zeit mit dem Revolver niedergestreckt. Das konnte glücklicherweise in letzter Sekunde verhindert werden. Ob der Titan vom lieben Gott allerdings das von ihm eingeforderte zweite Leben bekam, um das unvollendet geglaubte Wirken fortzusetzen, lässt sich leider nicht erweisen.