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Im Bann des Jade Skorpions: Verbrechen im Zeichen der Blümchentapete

21/07/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Ausstrahlung am 01.08.2008 um 00:10 Uhr auf ZDF

(tsch) Er wird alt. Die Haare gehen langsam aus, das Gedächtnis lässt nach, und die Attraktivität bei Frauen schwindet. Und obwohl er in letzter Zeit gute Arbeit abgeliefert hat, wird er misstrauisch und lässt sich leicht aus der Ruhe bringen. Die Rede ist von C. W. Briggs, Versicherungsdetektiv in der Komödie "Im Bann des Jade Skorpions" (2001), die das ZDF erneut ins Nachtprogramm nimmt. Auch Woody Allen ist nicht mehr der Jüngste: Als er das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Hauptrolle kurzerhand selbst übernahm, war er 66. Doch hat der New Yorker Berufsneurotiker auch seitdem nicht an Schaffenskraft nachgelassen. Seit Anfang Juni ist sein Brüder-Drama "Cassandras Traum" mit Colin Farrell und Ewan McGregor in den deutschen Kinos zu sehen, und am 4. Dezember startet mit "Vicky Cristina Barcelona" auch bereits Allens katalanische Ménage-à-Trois-Komödie mit Scarlett Johanssen, Penélope Cruz und Javier Bardem.

"Im Bann des Jade Scorpions" kommt gemächlich daher: stimmungsvolle Jazzmusik, geblümte Tapeten, eine Story, die sich von Anfang bis Ende weigert, einen Zahn zuzulegen. Die Hommage an die 40er-Jahre, an Screwball, Lauren Bacall und Co., versucht gar nicht erst, dem Zeitgeist hinterherzuhecheln und aufs Tempo zu drücken. Im Mittelpunkt stehen Woody Allen und sein hervorragendes Schauspieler-Ensemble. Der Zuschauer kann sich zurücklehnen und entspannt der Dinge harren, die der Meister für sie bereithält.

Das sind vor allem C. W. Briggs und dessen neue Kollegin Betty Ann Fitzgerald, hinreißend gespielt von Helen Hunt. Gerade erst hat sie im gleichen New Yorker Versicherungsbüro angeheuert, für das Briggs seit Jahren erfolgreich auf Verbrecherjagd geht. Die Neue bringt Schwung in den Laden, und Briggs fürchtet, von ihr ausgebootet zu werden. Die Hassliebe der beiden trägt den ganzen Film, und die Kälte, die zwischen ihnen herrscht, wird immer wieder durch Funken sprühende Wortgefechte und die bei Briggs auflodernde Leidenschaft aufgelockert.

Nach zahllosen Irrungen und Wirrungen - genüsslich dringt Allen hier in die Tiefen des Bewusstseins vor und entfaltet ein Kaleidoskop aus unterdrückten Begierden, Liebe, scheinbaren Stärken und offensichtlichen Schwächen - stellt Briggs schließlich noch einen Schwerverbrecher, der ihn mit hypnotischen Kräften zum Komplizen und geschickten Einbrecher machte. Zum Schluss wäre dann nur noch ein Problem zu lösen: Betty Ann.

Nach der Premiere erklärte Woody Allen, mit seinem Hauptdarsteller unzufrieden gewesen zu sein. "Ich hätte liebend gern Tom Hanks, Tom Cruise oder Dustin Hoffman für die Rolle gehabt. Die hätten das viel besser gemacht." Natürlich meinte er das nicht ernst: Keiner räumt so geschickt Villen aus wie Briggs, und niemand spielt Woody Allen so gut wie er selbst: zappelig, hektisch und hellwach. Von Altersdemenz ist er ebenso weit entfernt wie von Actionkino und Los Angeles.

Helen Hunt scheint nun ebenfalls auf den Spuren des Altmeisters zu wandeln: Bei ihrem letzten Projekt, einer Komödie über eine New Yorkerin in der Midlife-Crisis, war die Oscar-Preisträgerin Hauptdarstellerin, Koproduzentin, Koautorin und Regisseurin in einer Person. "Then She Found Me" erzählt mit einer Starbesetzung von Colin Firth bis Bette Midler von einer Frau Ende 30, die frisch geschieden, frisch verliebt und schwanger ist, als sie obendrein ihre eigene leibliche Mutter kennenlernt. Bei der ShoWest, der Convention der Kinobetreiber, wurde Helen Hunt prompt als "Breakthrough Director of the Year" ausgezeichnet. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest.