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Esther Zimmering: "Man muss auch die Seele aufräumen"

21/07/2008 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern (tsch) Der Vorführraum im Hochhaus des Bayerischen Rundfunks wirkt nicht gerade sonderlich wirtlich. Ein an die Wand gestellter Müllberg zum Thema verstärkt noch das eher raue Klima. Immerhin: Etwa 200 Menschen, viele Darsteller freilich darunter, haben die Erstaufführung des TV-Films "Morgen räum ich auf" miterlebt. Darunter auch Esther Zimmering, die darin die Rolle eines weiblichen Messies spielt. Nach dem Film bleibt ihr wenig Zeit für Interviews - der Andrang ist groß, das Fernsehen hat Vorrang wie stets, ein Casting-Termin wartet schon. Esther Zimmering antwortet trotzdem freundlich auf alle Fragen. Sie ist Berlinerin, wie sie im Buche steht.

"Icke bin Balinerin", antwortet sie im weichsten Berliner Sound, als wir sie danach fragen, ob sie sich als "echte" Berlinerin fühlt. Immerhin wurde sie 1977 in Potsdam, damals noch Deutsche Demokratische Republik, geboren. Erst sei sie Ossi, dann Ossiwessi gewesen, dann nur noch Wessi, sagt sie lachend. Aber man solle so was nicht schreiben, es könnte in die falsche Kehle geraten.

Mit dem Privaten hält sie es gerade ebenso. Sie habe sich nun mal entschlossen und es auch so kundgetan, dass sie über ihr Privatleben nichts sagen wolle, und daran halte sie sich. Sagt's dermaßen charmant, dass man kaum eine Möglichkeit sieht, dagegen anzugehen. Nicht in diesem gemütlichen Müll-Ambiente zumal, und schon gar nicht bei eilig hinuntergekauten Shrimps-Häppchen zwischen Tür und Angel am Stiel.

Esther Zimmering ist ja beileibe kein unbeschriebenes Blatt. Sie hat ihre Ausbildung an der renommierten Schauspielschule "Ernst Busch" genossen. Sie bekam 2003 für "Der Liebe entgegen" den deutschen Nachwuchs-Filmpreis, für "Kleine Schwester" 2004 einen Darstellerpreis beim Fernsehfestival in Baden-Baden, und, und, und. In ihrer Vita ist gar eine Goldene Schallplatte aufgelistet, die sie zusammen mit der Band "Wolfsheim" bekam.

Da steht sie nun, die mit ihren 30 Jahren immer noch ziemlich junge Frau, und bestätigt mit ihrer lichten Höhe (1,61 Meter) die alte These, dass die kleineren Schauspieler sehr oft die Besseren sind. Und leuchtet mit ihren dunklen braunen Augen. - Ob man eigentlich wisse, wie groß Romy Schneider gewesen sei, hatte sie bei einem früheren Gespräch gefragt. Die Antwort ließ sich leicht erraten. Damals hatte sie auch noch vom Nutzen des (Theater-)Spielens in der Provinz erzählt und die Ortsnamen "Anklam" oder "Senftenberg" auf der Zunge zergehen lassen. Gleich nach dem Mauerfall spielte die Arzttochter an einer Jugendbühne in Charlottenburg in Ariane Mnouchkines "1789" den, wie sie sagt, "roten Faden der Revolution", als Bäuerin mit gackerndem Huhn.

Jetzt also die Mülltante, die "Schlampe", wie sie die Tochter im Film mal zärtlich nennt. Die Messie-Frau. "Diese Ellen ist eine Mischung aus ganz vielen, mit denen ich gesprochen habe", sagt sie ein wenig brav und erläutert, dass eine wie diese Ellen "nicht nur die Wohnung, sondern auch die Seele" aufräumen muss. Als Filmmutter hat sie eine zwölfjährige Filmtochter, die aus arbeitsrechtlichen Gründen - täglich sind für Jugendliche nur fünf Stunden erlaubt - Zwillinge (Gina und Sandy Holzapfel) spielen.

Fast bewundernd spricht Esther Zimmering von der Spielleidenschaft "ihrer" Zwillinge. Man hat im selben Hotel gewohnt, sich gemeinsam - wegen der nötigen Ähnlichkeit - beim Friseur die Haare färben lassen, und - das auch - zusammen indisch tanzen gelernt, wie es die Filmhandlung verlangt. Die Tanzlehrerin soll "schrecklich" gewesen sein.

Ein bisschen Angst hatte sie davor, die Mutter zu spielen. Selbst noch nicht Mutter, erinnerte sich Esther Zimmering an die Zeit, als sie selber zwölf Jahre alt war, sie hat "andere Mütter beobachtet" und schließlich auch die eigene Mutter zur Rolle befragt. Die Familie, die Freunde leben in Berlin. Letztlich ist es das, was ihr an der Stadt gefällt. Aber es gibt eine schmerzliche Vergangenheit. Die jüdische Familie des Vaters lebte in Berlin, der Großvater musste unter den Nazis nach England emigrieren. Esther Zimmering dreht gerade einen Dokumentarfilm über den Zweig ihrer Familie, der in Israel lebt. Erste Szenen, in Tel Aviv, Haifa und Beer Sheva sind bereits im Kasten.