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Ausstrahlung am 01.08.2008 um 21:45 Uhr auf ARD(tsch) "Ob ich diese Figur spielen wolle, fragten mich die Harrichs. Woher er käme, wie der Anfang seines Lebens verlaufen sei, wollte ich wissen. Die Antwort war so überraschend, dass ich sofort zusagte." So kam es, dass Ulrich Tukur nun als Horst David zu sehen ist, ein spektakulärer Serienmörder der deutschen Kriminalgeschichte. Dem prominenten Darsteller des Täters stellt das in kriminalistischen Stoffen erfahrene Autoren-Ehepaar Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich den Mann gegenüber, der ihn gefasst hat: Josef Wilfling, den Leiter der Münchner Mordkommission. Auf einem Sendeplatz, der sonst Wiederholungen von "Tatort" und "Polizeiruf 110" vorbehalten ist, zeigt das Erste mit dem semi-dokumentarischen Drama "Der Mann, dem die Frauen vertrauten - Der Serienmörder Horst David" (NDR) diesmal einen echten Krimi. Der ist informativ und fast ein wenig zu spannend und unterhaltsam.
Natürlich ist Ulrich Tukur die Idealbesetzung für ein solches Porträt. Er strahlt in den Spielszenen all das aus, was die Zeitzeugen im Film über ihren Angestellten, Nachbarn und Bekannten von einst, Horst David, bestätigen: Tukur ist dieser nette Kerl von nebenan mit vielen Talenten, der zuverlässig arbeitet und Schlag bei den Frauen hat. Ebenso überzeugend wird der Schauspieler, wenn er die dunkle Seite des Malermeisters und Familienvaters zeigt: Zwischen 1975 und 1993 tötete er sieben Frauen in Regensburg und München - Prostituierte sowie ältere Bekannte und Gönnerinnen. Das sind zumindest die Geständnisse, die ihm ein Kommissar später, 1994, entlocken konnte.
Dieser Kriminaler ist wichtig im Film. Immer dann, wenn Tukur-David mit seiner Präsenz irgendwie auch dem Zuschauer zu Herzen zu gehen droht. Bei dieser Faszination für den "Würger von Regensburg" schämt man sich fast ein wenig den Opfern gegenüber. Eine ebensolche Wirkung mag Horst David wohl auf die Umwelt gehabt haben, doch Josef Wilfling, der unter anderem in den prominenten Münchner Mordfällen Rudolf Moshammer und Walter Sedlmayr ermittelt hat, hilft einzuordnen: "Mir war klar, dass man seine Darstellung aus meiner Sicht als Kriminaler und Mordermittler nicht unkommentiert stehen lassen konnte." Gut gelingen nebenbei die Blicke auf das große Ganze: das Verhalten von Mördern, Statistiken in der Verbrechensaufklärung, Fortschritte in der Spurensicherung.
Das Dokudrama in Spielfilmlänge basiert vor allem auf der Lebensbeichte des Horst David, der im Film nicht in Erscheinung tritt, die er der Autorin zukommen ließ. Über 100 Briefe schrieb der in Straubing Inhaftierte (zweimal lebenslänglich, lautete das Urteil) an Danuta Harrich-Zandberg (unter anderem "Die großen Kriminalfälle") während einer über fünfjährigen Korrespondenz. An deren Beginn stand bereits die Idee eines Films. Auf diesen Killer war die studierte Psychologin Harrich-Zandberg durch ein Bild in der Zeitung aufmerksam geworden: "Horst David war nicht Furcht erregend, und das genau gab mir den Antrieb, mehr über ihn erfahren zu wollen."
Warum mordete so einer wie Horst David? Wilfling, ein psychiatrischer Gutachter und Horst David selbst beschäftigen sich mit der Frage. Davids Lebensgeschichte wird nachvollzogen, die mehr oder weniger damit beginnt, dass die Mutter den Fünfjährigen in den Kriegswirren auf einem bayerischen Bahnhof zurückließ, mit einem Namensschild um den Hals. "Es gibt Menschen, die sind zum Heilen und Helfen geboren. Andere zum Vernichten ...", meint der Mörder selbst.
"Er war der größte Blender, der mir in meinem Leben begegnet ist", sagt einer der Bekannten von früher. Sie scheinen sich größtenteils aber auch nicht ungern an den Zeitgenossen zu erinnern. Wilfling ließ sich nicht trügen. Dank eines 20 Jahre alten Fingerabdrucks und - erstmals - des damals absolut neuen computergesteuerten Spurenauswertungssystems sowie dank geschickter Fragetechnik brachte er David zu einem Geständnis nach dem anderen. Von drei, fünf, bald sieben Morden ist in den Überschriften der Zeitungsausrisse im Film zu lesen. Für Wilfling ist David deutsche Kriminalgeschichte - seine Morde seien die ersten "Altfälle" (heute wohl besser bekannt als "Cold Cases") gewesen, die geklärt wurden. Aber: "Ich persönlich glaube, dass es mehr als sieben Frauen waren, die Horst David getötet hat", sagt Wilfling. Nicht zu vergessen, wer hier der eigentliche Held ist.