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(tsch) Sie glauben, Ihr Kind ist in der Schule? Sicher? Ganz sicher? Eine ungewöhnliche Teenie-Variante zum Thema Doppelleben zeigt der Film "Wahrheit oder Pflicht" (2004), den die ARD nun im Rahmen ihrer Reihe "Debüt im Ersten" zeigt. Arbeitslose, die ihrer Familie die heile Welt vorgaukeln, hat man schon gesehen. Annika (Katharina Schüttler) dagegen belügt ihre Eltern. Wegen zu schlechter Noten musste sie das Gymnasium verlassen und kann jetzt das Abi vergessen. Doch die Eltern mit dieser Nachricht enttäuschen? Niemals.Man stelle sich diesen tragischen Moment vor: Die Familie taucht in Festtagskleidung zur Verleihung der Reifezeugnisse in der Schule auf und muss dann feststellen, dass sich kaum noch an einer an die Tochter erinnert, denn sie durfte zum Abi nicht einmal antreten. Aus dieser wahren Begebenheit aus seiner Jahrgangsstufe entwickelte Regisseur Jan Martin Scharf im Team mit Arne Nolting eine schräge Geschichte rund ums Schwindeln.
Eigentlich wollte die 18-jährige Annika ihr Versagen nur über die Sommerferien verschweigen, um den nervigen Vorhaltungen im Familienurlaub zu entgehen. Doch die Begeisterung ihrer Eltern über die künftige Abiturientin ist nicht zu bremsen. Am ersten Schultag nach den Ferien drängt ihre Mutter (Therese Hämer) sie förmlich mit dem Rucksack aus dem Haus. Nicht der richtige Moment für problematische Wahrheiten, denkt sich Annika und nimmt den Bus in die Stadt.
Das Lügenkarussell dreht sich immer schneller. Und statt endlich den Absprung zu wagen, reagiert Annika immer abgebrühter auf lauernde Gefahren wie die drohende Mathenachhilfe und die nahende Klassenfahrt. Das Mädchen rotiert, und ihre Gedanken kreisen nur noch um eines: Wie kann die Fiktion vom Abiturientenstatus aufrecht erhalten werden? Platz für ein Nachdenken, was sie mit ihrem Leben denn anfangen will, bleibt da nicht. Die Lügen bestimmen ihr Leben, sie zerstören Freundschaften und andere Beziehungen. In einem abgewrackten Reisebus in einer Plattenbausiedlung am Rande der Kleinstadt vertreibt sich Annika den Tag mit Herumhängen und Musikhören. Unfähig, aus sich heraus etwas zu entwickeln, orientiert sie sich an zwei sehr unterschiedlichen jungen Männern, die ein gegensätzliches Interesse an ihr haben.
"Wahrheit oder Pflicht" kommt mit einer gefälligen Optik daher und setzt ganz auf seine spröde und natürlich wirkende Hauptdarstellerin Katharina Schüttler, die ab 7. August in der komödiantischen Satire "Die Eisbombe" im Kino zu sehen ist. Die Schwere liegt hier im Detail, die ziellose Wut auf sich selbst und die falsch verstandene Liebe zu den Eltern. Dabei nimmt der Film auch die Nöte seiner etwas einfach gestrickten Hauptfigur ernst.
Ausstrahlung am 28.07.2008 um 22:45 Uhr auf ARD