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Die Sache mit Harald Schmidt ist natürlich ein prima Werbegag. Wo der Late-Night-König auftaucht, ist die öffentliche Aufmerksamkeit gewiss. Das dürfte auch in Folge zwei der neuen ZDF-Serie "SOKO Stuttgart" (ab 12.11., immer donnerstags, 18.00 Uhr) der Fall sein, in der "Dirty Harry" den Leiter einer psychiatrischen Klinik spielt. Dass der jüngste Ableger der "SOKO"-Großfamilie im Zweiten in Zukunft jedoch auch ohne derartige Promiunterstützung auskommen wird, darüber hat man beim Mainzer Sender wenig Zweifel. Schließlich setzten die Macher auf Erfahrung: Astrid M. Fünderich ("Die Cleveren", "Der Fahnder"), seit gut zehn Jahren Krimi-erprobt, kehrt nach längerer Babypause in die Verbrechensbekämpfung zurück. Umgekehrt legt auch die 46-jährige Rheinländerin großes Vertrauen in ihre neue Festanstellung als "SOKO Stuttgart"-Chefin. Wie sie im Gespräch verrät, wird die gemütliche Neckarmetropole zukünftig mehr als nur der Dienstort sein.teleschau: Frau Fünderich, seit "Die Cleveren" und "Der Fahnder" sieht man Sie vorwiegend in Krimirollen. Liegt es an Ihrer kriminalistischen Ausstrahlung, oder gibt das deutsche Fernsehen nichts anderes her?
Astrid M. Fünderich: (lacht) Jetzt muss ich Acht geben, was ich sage. Ich denke, dass meine Physiognomie eine bestimmte Richtung vorgibt. Und das ist zu meinem großen Leidweisen eher nicht die "Rosamunde Pilcher"- oder "Traumschiff"-Schiene, wo ich wahnsinnig gerne auch mal teilnehmen würde.
teleschau: Ach was!
Fünderich: Doch, doch, ich wäre da vollkommen hemmungslos. Ich hätte richtig Lust darauf, einmal nichts Taffes, Investigatives, sondern etwas sehr Sonnenscheiniges zu drehen.
teleschau: Machte Ihnen Harald Schmidt während der "SOKO"-Dreharbeiten das "Traumschiff" schmackhaft? Der entwickelt sich ja dort zu einer Art Stammgast.
Fünderich: Nein, womöglich unterhielt er sich mit Nina (Gnädig, spielt die "SOKO"-Kommissarin Anna Badosi, d. Red.) übers "Traumschiff", die dort mitgespielt hat. Ich muss sagen: Ich hatte großen Respekt vor Herrn Schmidt. Er ist so ein schlagfertiger Mensch.
teleschau: Wie war er denn so?
Fünderich: Es war großartig, mit ihm zu drehen, richtig angenehm. Er war sehr professionell, sehr zurückhaltend. Ich möchte fast sagen: bescheiden.
teleschau. Als Schwabe brachte er vermutlich einigen Lokalpatriotismus ein.
Fünderich: In der Tat. Aber mit einiger Ironie. Bei einer Pressekonferenz sagte er: "In Stuttgart zu sterben, ist sexy."
teleschau: Schöner Satz. Würden Sie den unterschreiben? Oder ist Stuttgart noch Neuland für Sie?
Fünderich: Ich wusste bis vor Kurzem ehrlich gesagt nicht, wo das liegt.
teleschau: Jetzt kokettieren Sie ...
Fünderich: Auf dem Weg zwischen Köln und München halt. Ich bin auch schon mal von Stuttgart nach Mallorca geflogen, aber das waren hier wie dort meine einzigen Besuche. Stuttgart lag nicht auf meiner Landkarte, aber ich bin positiv überrascht, mir gefällt es dort richtig gut.
teleschau: Was genau?
Fünderich: Also, die ganz wilden Jahre mit exzessivem Ausgehen et cetera liegen hinter mir. Mittlerweile habe ich ein Kind, da verschieben sich naturgemäß die Prioritäten. Deshalb finde ich es ganz wunderbar, wenn man nicht alle zehn Meter in Hundekacke tritt und das Umfeld gemütlicher, von mir aus auch spießiger ist. Man lebt in Stuttgart aber auch nicht hinterm Mond. Ich war kürzlich bei einem Dinosaur-Jr.-Konzert, und Kunst und Kultur gibt's hier reichlich.
teleschau: Welchen Eindruck haben Sie vom Stuttgarter Menschenschlag?
Fünderich: Von den Stuttgartern kriege ich so viel nicht mit. Nach den Dreharbeiten abends noch auf die Piste gehen - das schaffe ich einfach nicht mehr. Mein Eindruck ist, dass sie sehr für sich sind. Doch wenn sie einen mögen, können sie auch sehr herzlich sein. Während man in Berlin eher angerotzt wird, stürzten am Stuttgarter Bahnhof Menschen auf mich zu und wollten meine Koffer tragen, weil sie mich erkannten. Die Stuttgarter sind medientechnisch noch nicht so abgebrüht. Dort freut man sich, dass wir mit der "SOKO" da sind.
teleschau: Sie sind gebürtige Düsseldorferin, studierten in Aachen, leben in Pulheim bei Köln. Vermissen Sie das Rheinland während der Drehzeit gar nicht?
Fünderich: Ich bin im Rheinland sehr stark verwurzelt, klar. Doch mein Mann und ich hatten eh überlegt, ob es nicht an der Zeit für etwas Neues ist. Ursprünglich wollten wir in die Gegend von Berlin ziehen, weil dorthin 70 bis 80 Prozent unseres Freundeskreises abgewandert sind. Nun ist es halt Stuttgart geworden. Wir sind eh Vagabunden.
teleschau: Sie ziehen um?
Fünderich: Richtig, wir werden Ende des Jahres nach Stuttgart ziehen. Mein Sohn ist drei Jahre alt. Insofern war das letzte Dreivierteljahr hart und wirklich schwer zu handeln. Es ging nur mit Kindermädchen und großem Einsatz meines Mannes. Viele Familien müssen mit einem Pendlerdasein leben. Aber wir können es ändern, und deshalb werden wir es ändern.
teleschau: Bei "Die Cleveren" starben Sie einst den Serientod, um mehr Zeit fürs Privatleben zu haben. Gibt es nun wieder Dinge, die auf der Strecke bleiben?
Fünderich: (lacht) Alles! Es blieb zuletzt wirklich alles auf der Strecke. Freunde kontaktiere ich nur noch übers Telefon, vielleicht sieht man sich mal am Wochenende. Dazu die Kultur: Kino, Theater. Ich brauche das nicht exzessiv. Aber ab und zu wäre es doch ganz schön.
teleschau: Wie sieht's denn mit der alten Leidenschaft Fallschirmspringen aus?
Fünderich: Ich betrieb das früher mit großer Begeisterung. Ich leide zwar unter Höhenangst, aber wenn man einmal aus dem Flugzeug draußen ist, dann ist es richtig toll. Leider musste ich vor etwa zehn Jahren aufhören, weil das Hobby mit einem Serienvertrag nicht vereinbar ist. Die Statistik sagt zwar, dass Motorradfahren gefährlicher ist. Doch wenn mal was passiert, dann ist es natürlich gleich ziemlich ernsthaft.
teleschau: Brauchen Sie den Nervenkitzel?
Fünderich: Ich weiß gar nicht, wie ich heute zum Fallschirmspringen stünde. Als Mutter entwickelt man ja doch eine andere Sicht der Dinge. Man trägt eine andere Verantwortung.
teleschau: Es gäbe weniger gefährliche Alternativen. Bungeejumping oder Ähnliches.
Fünderich: Bungeejumping würde ich tatsächlich gerne einmal machen. Am liebsten in Auckland oder Sidney. Ich stand schon mehrfach kurz davor und hab's doch nicht gemacht. Aufgegeben habe ich den Plan noch nicht. Außerdem versuche ich mich immer mal wieder am klassischen Surfen - also Wellenreiten. Auch das ist mit Höhenangst schwierig zu bewältigen, denn es macht ja erst ab einer Wellenhöhe von zwei, drei Metern wirklich Sinn.
teleschau: Brachen Sie deshalb einst Ihr Geologie-Studium zugunsten der Schauspielerei ab? War es zu langweilig, zu wenig spektakulär?
Fünderich: Das ist eine etwas längere und komplexere Geschichte. Ich nahm schließlich ein Diplomthema an, das extrem labor- und datenlastig war. Das ging so einfach nicht weiter. Eigentlich wollte ich Lagerstättenkunde betreiben. Das hätte bedeutet, dass ich als Geologin Tagebauminen betreue. Doch da wäre ich meistens die einzige Frau in einem Umkreis von hunderten von Kilometern gewesen. Die Aussicht war mir dann doch zu taff, obwohl es mir prinzipiell Spaß gemacht hätte. Ich absolvierte verschiedene Praktika, unter anderem über mehrere Wochen in Brasilien, das fand ich super.
teleschau: Hatten Sie die romantische Vorstellung, als Geologin rumzukommen in der Welt?
Fünderich: Auf jeden Fall. Rumzukommen, Staub zu schlucken, Jeep zu fahren, mit Helm und Stiefel loszugehen ... Reiselust war immer ein großes Thema, und das ist es geblieben. So langsam kann man mit dem Kleinen auch was anfangen. Es gibt vage Pläne, Neuseeland zu besuchen. Dort wohnen gute Freunde.
teleschau: Neuseeland, Australien, Brasilien ... Ihnen scheinen die Fernziele zu liegen.
Fünderich: Bevor das Kind kam, sind wir noch viel mehr gereist, und immer in die Ferne. Ich war beispielsweise noch nie in der Türkei und erst einmal in Italien. Wir dachten uns: Europa kommt dann später.
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