Loretta Stern: Gehirnjogging in der "Schillerstraße"

23/10/2009 1:00. By teleschau - der Mediendienst GmbH
Foto vergrößern Loretta Stern sagt gerne, dass ihr Dinge "passieren". Vielleicht hat dieses Gestirn am deutschen Künstler-Firmament aber auch einfach eine ganz besondere Anziehungskraft. Die 35-Jährige besitzt eine ganze Galaxie von Talenten: Sie singt (zum Beispiel in der Band Mathilda), spielt (zuletzt in "Unschuldig"), moderiert und ist ein Sprach-Genie. Dass da nicht schon früher jemand auf die Idee kam, Loretta Stern in die "Schillerstraße" zu schicken (ab Fr., 30.10., 20.15 Uhr, SAT.1)? Im Interview verrät die Schauspielerin, die mit dem Sprecher Matti Klemm ("Desperate Housewives") verheiratet ist und in Berlin Mitte lebt, wie sie ihr Hobby "Hirn herausfordern" pflegt, und wie das zusammenpasst: eine Vorliebe für akribische Planung und Improvisations-Comedy.

teleschau: Frau Stern, Sie sagen selbst von sich, privat gerne alles ganz genau zu planen ...

Loretta Stern: Ich bin eigentlich sehr, sehr konzeptionell und analytisch. Ich versuche, jegliche Situationen, die mir theoretisch passieren könnten, schon im Vorfeld von allen Seiten zu beleuchten - was das Leben, zugegebenermaßen, nicht unbedingt einfacher macht.

teleschau: Warum machen Sie dann jetzt ausgerechnet Improvisations-Comedy?

Loretta Stern: Vielleicht deshalb, weil ich mentale Herausforderungen aller Art sehr liebe. Ich bin kein typischer Hobbymensch, aber wenn ich etwas als Hobby bezeichnen würde, dann: mein Hirn herausfordern. Sei es, indem ich eigenartige Sprachen lerne oder mich auf ein dann doch "geschütztes Abenteuer" wie die "Schillerstraße" einlasse.

teleschau: Die Sprache, die Sie sich aktuell vorgenommen haben, ist Türkisch - weil's so schön schwierig ist?

Loretta Stern: Meine mit osmanischen Wurzeln ausgestatteten Freunde fassen sich beim Hören türkischer Musik immer mit Tränen in den Augen ans Herz und schwärmen von den ergreifenden Texten. Wenn ich dann sage: "Übersetz' mal!", kommt nur: "Das kann man nicht übersetzen!" Was mir am Türkischen gefällt, ist, dass es so blumig und bilderreich ist. Ich mag Sprachen, die einem viel Spielraum in der Formulierung lassen. Ich habe auch eine Sammlung von albernen Sätzen in verschiedenen Sprachen, derer ich sonst nicht mächtig bin. Gerade habe ich wieder einen hübschen neuen akquiriert.

teleschau: Der wie lautet?

Loretta Stern: Auf Altpersisch kann ich jetzt sagen: "Du weißt schon, dass du im Kuchen sitzt, gell?" Manchmal höre ich solche Sätze und denke: "Der ist zu schön, um einfach wieder in Vergessenheit zu geraten:"

teleschau: Wo schnappen Sie so was auf?

Loretta Stern: Das war bei einer Geburtstagsfeier im Garten. Als es anfing, wahnsinnig zu regnen, zogen sich alle in einen Pavillon zurück, in dem viele Gartenstühle mit bunten Polstern standen. Nur auf einem war es eben kein Polster ... Ausgerechnet das Geburtstagskind hatte dann Donauwelle am Hintern.

teleschau: Sie kamen als Sängerin zu Mathilda, weil Sie mal eine Verehrungs-E-Mail an die Band geschickt und Interesse bekundet hatten. Haben Sie auch Fanpost an die "Schillerstraße" adressiert?

Loretta Stern: In dem Fall nicht (lacht). Da hielt ich mich zurück! Obwohl ich schon damals, als ich von dem Format nur gelesen hatte, dachte: Ui, das klingt aber toll, das wär ja was ... Ich wurde irgendwann von der Produktionsfirma Hurricane angefragt.

teleschau: Aber den Hauptmieter Jürgen Vogel kannten Sie schon vorher ...

Loretta Stern: Ja, Jürgen ist ein guter Freund!

teleschau: Wie haben Sie sich kennengelernt?

Loretta Stern: Über meine Cousine, Claudia Kotter, mit der ich den Verein Junge Helden (Aufklärung zum Thema Organspende, die Red.) gegründet habe. Wir wohnen ja alle in Berlin, es ist ein großer Freundeskreis.

teleschau: Hatte er nicht vielleicht vorher schon mal den Einfall, dass Sie gut ins "Schillerstraßen"-Team passen könnten?

Loretta Stern: Ehrlich gesagt haben wir nie wirklich darüber gesprochen. Ich wollte ihm auch im Vorfeld nicht das Gefühl geben, dass ich von ihm Insider-Informationen erwarte.

teleschau: Wer ist die Loretta, die in die "Schillerstraße" zieht?

Loretta Stern: Vielleicht so etwas wie eine Loretta Stern mit Augenzwinkern. Wir haben vor der ersten Sendung grob eine Biografie entworfen: Ich bin eine Fitness- und Personal Trainerin aus Berlin, gerade nach Köln gezogen - aufgrund einer unglücklichen Liebe und verschiedenen Verwicklungen des Lebens.

teleschau: SAT.1 will mit Ihnen, Birthe Wolter und Karolin Peiter wieder mehr Frauenpower in die "Schillerstraße" bringen - was ist dazu die besondere "Lorettapower"?

Loretta Stern: Hm. Schwierig. Ich sehe mich ja nicht von außen und kann nur das analysieren, was an mich selbst herangetragen wird, wie ich sei: Die meisten sagen, dass mir offensichtlich rhetorische Schwurbeleien Spaß machen und der Wortwitz als solcher. Ich hoffe, das stimmt.

teleschau: Dass Sie Improvisationstalent haben, konnten Sie ja schon als Moderatorin für ARTE bei den Filmfestspielen in Berlin und Cannes beweisen ...

Loretta Stern: Bei Cannes bin ich im Nachhinein immer noch stolz, dass ich das überhaupt überlebt habe (lacht): Ich ging live und auf Französisch auf Sendung zu einem Zeitpunkt, als wir noch nicht wussten, wer gewinnt! Ich hatte nicht nur all die potenziellen Preisträger im Kopf, sondern auch die dazugehörigen Filme und meine Fragen. Und das in verschiedenen Sprachen. Welche "Palmierten", wie ich sie nannte, zu uns zum Gespräch kommen würden, wurde mir teilweise erst im Laufe einer Moderation übers Ohr mitgeteilt. Von dem französischen Produzenten, der wahnsinnig schnell spricht und nuschelt! Sehr aufregend. Ich glaube, das hat mich auf eine gewisse Weise abgebrüht und fürs Leben gestärkt. Es hat mich sicher auch sehr gut vorbereitet auf die "Schillerstraße" (lacht).

teleschau: Bringen Sie auch WG-Erfahrung mit in die "Schillerstraße"?

Loretta Stern: Nicht im klassischen Sinne. Zu Beginn des Schauspielstudiums in Hamburg zog ich mit meiner Kommilitonin Vivien Mahler zusammen, die sich aber schon bald von der Zweckbekannten zu einer meiner engsten Vertrauten auf diesem Planeten entwickelte. Unser Zusammenleben war herrlich entspannt und familiär und hatte nichts mit dem herkömmlichen "Übrigens, ich kriege noch 80 Pfennig für die halbe Milchtüte"-WG-Erlebnis zu tun.

teleschau: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie sich das Pseudonym Loretta Stern zulegten?

Loretta Stern: Ich kam von der Schauspielausbildung und dachte, mein Weg gehöre dem kargen Theater nach Grotowski, und Kommerz fände ich inakzeptabel. Aber dann passierten so viele lustige Dinge, und Jobs wie die Moderation von "Bravo TV" wurden mir angeboten. Ich wollte das alles mal unter einem Künstlernamen stattfinden lassen, um dann, falls es mir unangenehm werden würde, in Frieden weiter Off-Theater spielen zu können. Darüber hinaus komme ich aus Mainz, keiner so großen Stadt, und meine Mutter stand damals noch im Telefonbuch ... Ich wollte nicht so nachvollziehbar sein.

teleschau: Und warum Loretta Stern?

Loretta Stern: Ich saß mit Freunden zusammen und bat alle, der Reihe nach die Vornamen der Frauen aufzuzählen, die sie an dem Tag getroffen hatten. Als Nachnamen wollte ich etwas Sprechendes, etwas Schönes. In der Tat zog ich auch "Mayra von der Blumenwiese" in Erwägung - und ich schwöre, das war vor Enie van de Meiklokjes (lacht)! Schlussendlich wurde es Loretta Stern, und ich identifiziere mich heute hundertprozentig mit diesem Namen.

teleschau: Gibt es Situationen im Leben, in denen Sie sich einen Knopf im Ohr wünschen würden, aus dem Ihnen jemand sagt, was zu tun ist?

Loretta Stern: Ach nö, ich komme schon ganz gut klar. Was ich mir allerdings manchmal wünsche, ist eine Art Helmkamera, die Situationen mitschneidet, von denen ich denke: Das glaubt mir doch niemand! Das möchte ich nachher noch einmal mit einer Person, die mir wichtig ist, analysieren und auswerten.

(c) Teleschau - der Mediendienst GmbH