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Als Hauptkommissarin Jo Obermaier war es ihre Aufgabe, ihren sturen, manchmal auch sehr verschlossenen Kollegen Tauber (Edgar Selge) zu bändigen und zu erden. Mit der Ausstrahlung ihres letzten gemeinsamen Falls, dem Film "Polizeiruf 110: Endspiel" (So., 08.11., 20.15 Uhr, im Ersten) trennen sich die Wege der beiden BR-Stars. Nach anfänglicher Enttäuschung über das überraschende Aus, das Selge in Eigenregie herbeigeführt hatte, überwiegt bei der beliebten Vollblutschauspielerin jetzt die Erleichterung. Künftig möchte sie sich verstärkt auf neue Rolle einlassen - auch am Theater. Kraft gibt der heute 57-Jährigen ihr tägliches Yoga-Training.teleschau: Frau May, wie groß ist denn die Wehmut über Ihr Aus beim "Polizeiruf 110"?
Michaela May: Die Entscheidung, dass Edgar Selge und ich aufhören werden, liegt jetzt schon zwei Jahre zurück. Mittlerweile bin ich dem Edgar auch dankbar. Ich wäre sicher nicht auf die Idee gekommen, das von mir aus zu beenden. Ich gebe ihm aber Recht, man muss aufhören, wenn es am schönsten ist. Es ist ein warmes Gefühl, vom Publikum vermisst zu werden. Das ist doch besser, als wenn die Fans sagen: Was, Ihr macht das immer noch?
teleschau: Was hat für Sie den besonderen Reiz der Reihe ausgemacht?
Michaela May: Es waren immer besonders tief gehende Fälle und sehr gute Drehbücher. Die Entwicklung der Drehbücher bis zum ersten Drehtag hin war eine große gemeinsame Arbeit. Die Redaktion hat dabei immer sehr interessante Fälle aufgegriffen. Wir Schauspieler durften häufig früh mit eingreifen.
teleschau: Es war zu hören, dass die Drehbücher häufig noch kurz vor Beginn umgearbeitet wurden, um aktuell zu sein.
Michaela May: Dadurch, dass wir beide oft einbezogen worden, konnten wir immer wieder noch etwas anmerken, was dann manchmal auch berücksichtigt wurde. In den letzten Fällen war allerdings die Tauber-Figur die emotionalere, meine eher die stabile Figur, die dagegenhält. Da waren dann für mich nicht mehr so viele Veränderungen möglich.
teleschau: Hatten Sie Lieblingsepisoden unter den 17 gemeinsam gelösten Fällen?
Michaela May: Ich habe eine besonders gemocht: "Die Prüfung". Und auch die, die mein jetziger Mann, Bernd Schadewald, gemacht hat: "Vater unser". Das war ein hochinteressanter Fall, der sich mit der Nazi-Vergangenheit beschäftigte. Leider wurde er bislang noch nie wiederholt.
teleschau: Bei den Dreharbeiten haben Sie sich ja auch kennengelernt. Wie funktioniert so etwas auf einem so hektischen Set?
Michaela May: Über allzu Privates möchte ich nicht sprechen. Nur so viel: Alle hatten mir gesagt, er wäre ein guter Regisseur, aber eben sehr schwierig. In Wirklichkeit war es überhaupt nicht schwierig mit ihm.
teleschau: Was hat für Sie einen guten "Polizeiruf 110" ausgemacht?
Michaela May: Ich habe immer die Fälle bevorzugt, in denen ich auch emotional hineingezogen wurde - etwa als Mutter. Das war in den letzten drei bis vier Fällen nicht mehr so stark. Da musste ich mehr den Widerpart von Tauber spielen.
teleschau: War das eine mühsame Aufgabe für Sie, immer als die Bodenständige gegen so einen eher sperrigen Charakter antreten zu müssen?
Michaela May: So einschichtig kann man das nicht sehen. Aber ich fand es immer interessanter, emotional an einen Fall ranzugehen und nicht immer auf dem offiziellen Weg der Ordnungshüter.
teleschau: Wenn man auf die lange Zusammenarbeit zurückblickt: Ist das Team und Edgar Selge für Sie so etwas wie eine Ersatz- oder Zweitfamilie geworden?
Michaela May: Das Besondere an unseren Filmen war ja, dass es außer bei unserer Redakteurin Cornelia Ackers und uns Schauspielern keine echte Konstante gab. Das war der größte Schatz, dass wir jeden Film wie ein neues eigenes Abenteuer betrachten durfte. Es gab immer neue Autoren, neue Regisseure und Produktionsfirmen. Die Karten wurden immer wieder neu gemischt - darauf haben wir uns immer wieder frisch eingelassen. Jeder Regisseur hatte die Freiheit, die "Polizeiruf"-Welt ganz nach seinem Stil zu gestalten. Das war unser Geheimrezept.
teleschau: Sie hatten beim "Polizeiruf" immer wieder mit preisgekrönten, außerordentlichen Regisseuren und Drehbuchautoren zu tun. Setzen Sie sich damit für neue Projekte nicht selbst unter Druck?
Michaela May: Ich habe jetzt wieder sehr unterschiedliche Filme, auch Komödien, gemacht. Ich glaube, dass mir meine Erfahrungen geholfen haben, den Blick für gute Stoffe zu schärfen. Es ist gar nicht so einfach, den gewohnten Anspruch zu halten.
teleschau: Wie sehen Sie Ihre jetzige Entwicklung: Ist das Loslassen von den eher düsteren Krimistoffen für Sie auch eine Art Befreiung?
Michaela May: Ich kann mein Spektrum wieder weiten. Seit bekannt wurde, dass ich beim "Polizeiruf" aufhöre, hat sich für mich ein breites Feld aufgetan - mehr zur Komödie hin als zum Drama. Dorthin steuere ich jetzt wieder eher, auch durch Theaterarbeit, die ich zuletzt angenommen habe. Ich spiele jetzt Figuren von der Sennerin bis zur Richterin.
teleschau: Das klingt befreit.
Michaela May: Ich will nicht mehr mit einer Sache dingfest gemacht werden. Das passiert immer so schnell: Am Anfang meiner Karriere war es die bayerische Schiene, dann war es die Serienschiene. Jetzt kann man mich nicht mehr so einfach festnageln. Ich bin jetzt nicht mehr nur die Kommissarin.
teleschau: Sie spielten zuletzt sogar in der freien Szene, am kleinen Schwere Reiter Theater in München. Welche Erfahrungen haben Sie da gemacht?
Michaela May: Ich fand das hoch spannend. Es war ein wunderschöner Text. Der Autor Stefan Kastner, der auch die Regie übernahm, fragte mich, ob ich mitmachen wollte. Ich hatte darauf sofort Lust. Mir hat seine fantasievolle, poetische Sprache so gut gefallen.
teleschau: In einem anderen Interview klagten Sie mal, dass man als TV-Schauspielerin an den großen Staats- und Stadttheatern keinen Zugang findet. Wäre es denn ein Wunsch von Ihnen, dort einmal mitzuspielen?
Michaela May: Ich komme ja vom Film, wo ich schon in Kinderrollen zu sehen war, übers Fernsehen zum Theater. Das ist ein Weg, den diese Häuser nicht akzeptieren. Die wollen sich selber erfinden - die bilden ihre eigenen Schauspieler aus und wollen sie selbst groß machen. Gastrollen dort gibt es heute leider viel zu selten - gerade für Fernsehschauspieler.
teleschau: In Großbritannien oder den USA sieht man das nicht so eng.
Michaela May: Hierzulande gibt es nur den umgekehrten Weg: Derzeit kommen wieder mehr Theaterschauspieler zum Film oder zum Fernsehen und können neben der Bühnenarbeit drehen. Der Weg in die andere Richtung ist offensichtlich nicht möglich.
teleschau: Dafür sind Sie mittlerweile erfolgreiche Buchautorin. Sind Ihnen Ihre Yoga-Bücher eine Herzensangelegenheit?
Michaela May: Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. In einem Radiointerview habe ich mal erzählt, dass ich mich mit Yoga fit halte. Kurz darauf hat mir ein Verleger geschrieben und mich gefragt, ob ich ein Buch schreiben wollte. Ich antwortete, dass ich keine Yoga-Lehrerin bin und sein will, sondern nur von meinen Erfahrungen erzählen kann. Mit meiner Lehrerin gemeinsam haben wir dann das Buch "Yoga - mitten im Leben" entwickelt.
teleschau: Wie groß ist die Rolle, die Yoga in Ihrem Alltag spielt?
Michaela May: Es ist eine Art Gymnastik, die mich jeden Tag begleitet. Meine Yoga-Lehrerin schimpft mich zwar, wenn ich die Haltungen so nenne. Aber ich möchte gerne diese Aura von Esoterik, den Räucherstäbchen und den strickenden Frauen rausnehmen. Ich bin noch nicht erleuchtet. Dadurch, dass das langsame Ein- und Ausatmen in alle Übungen eingebunden ist, ermöglicht das mir nicht nur eine Dehnbarkeit der Muskeln und Gelenke, sondern auch eine Wirkung im Kopf. Man wird einfach freier, konzentrierter und gelassener.
teleschau: Wie häufig sind Sie auf der Matte?
Michaela May: Ich bin eigentlich ein ziemlich fauler Knochen und tue mich schwer, mich zu körperlichen Dingen zu zwingen. Deswegen treffe ich mich einmal in der Woche in einer Yoga-Gruppe. Die Übung, die ich täglich eingebaut habe wie das Zähneputzen, ist für mich der Sonnengruß. Den mache ich zwölf Mal hintereinander - diese 15 Minuten vor dem Frühstück regen meinen Kreislauf an. Eine tolle Übung, wenn man nicht viel Zeit hat, und eine ideale Allround-Beanspruchung des gesamten Körpers.
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