Gezielt einschalten: Die Highlights des Feiertagsprogramms

24/11/2007 0:00. By
Foto vergrößern (tsch) Katastrophenstimmung an Weihnachten. Nicht etwa, weil man wieder einmal das Falsche verschenkt hat, Opa Heinz über den Festtagsbraten von Mutti mosert und der nächste Familienstreit ohnehin nur ein unbedachtes Wort entfernt liegt. Sondern wegen des Fernsehprogramms. "10.5 - Apokalypse", "Armageddon", "Apokalypse Eis", "Scorcher - Die Erde brennt" - der Weltuntergang ist in der Weihnachtswoche allgegenwärtig. Fast so, als ob die Sender damit sagen wollten: Wir wissen, dass unser Programm mau ist, aber es könnte auch alles viel schlimmer sein. Doch wer die Glotze während der Feiertage komplett auslässt, verpasst auch etwas. Sieben gute Gründe, sie dann und wann doch einzuschalten.

Platz sieben: Gut, SpongeBob Schwammkopf muss man mögen. Aber selbst wer mit der grotesken Mischung aus dadaistischem Nonsens, schnellen Witzen, einfacher Illustration und einem Gastauftritt von David Hasselhoff nichts anfangen kann, sollte am Sonntag, 23.12., bei ProSieben bleiben. Nach dem "SpongeBob"-Kinofilm (20.15 Uhr), in dem der gelbe Tiefseebewohner Schwammkopf und -kragen riskiert, um seinen Chef zu retten, feiert der Kino-Oger "Shrek" eine exklusiv für den TV-Markt produzierte Weihnachtsparty. In dem halbstündigen Special "Oh du Shrekliche" (21.50 Uhr) steht das Fest der Liebe vor der Tür des Märchenreichs Weit weit weg. Und obwohl der grünhäutige Griesgram rein gar nichts mit der besinnlichen Stimmung anzufangen weiß, versucht er, seiner Frau Fiona und den Kindern ein unvergessliches Weihnachten zu bescheren. Dummerweise hat jeder seiner Kumpels andere Ratschläge parat, wie eine schöne Bescherung auszusehen hat ...

Platz sechs stammt ebenfalls aus dem Computer: Am Mittwoch, 26.12., fährt pünktlich und von jeglichen Streiks unberührt "Der Polarexpress" um 20.15 Uhr auf den Sat.1-Gleisen ein. Wer in diesen Zug einsteigt, sollte sich fest anschnallen. Auf der Reise zum Nordpol sammelt das virtuelle Abbild von Tom Hanks all jene Kinder ein, die sich im "kritischen Jahr" befinden und Gefahr laufen, den Glauben an den Weihnachtsmann zu verlieren. Wie in Robert Zemeckis aktuellem Kinofilm "Die Legende von Beowulf" wird auch hier die Geschichte ein wenig der optischen Opulenz geopfert. Macht aber nichts. Bei der Fahrt im "Polarexpress" staunen selbst jene Teenies und Twens, für die Weihnachten allenfalls eine neue PlayStation Portable und Kohle von Omi bedeutet.

Platz fünf: Tatsächlich ... ein schöner, nachdenklicher und nicht allzu verkitschter Weihnachtsfilm. Richard Curtis, Drehbuchautor und Regisseur, hat sich etwas ganz Ausgefuchstes ausgedacht: Das oft so stupide verfolgte Prinzip einer geradlinig erzählten Geschichte um Liebe, die erst einmal gefunden und dann bewahrt werden muss, wird in "Tatsächlich ... Liebe" (Mittwoch, 26.12., 16.00 Uhr, RTL) durchbrochen - teilweise zumindest. Erzählt werden acht mehr oder weniger tragische Liebesgeschichten, die auf den ersten Blick ohne einen Bezug zueinander über die Leinwand plätschern. Unter Mitwirkung von Heike Makatsch, die sich ihre Rolle zwischen all den Hollywood-Stars (Hugh Grant, Keira Knightley, Liam Neeson, Billy Bob Thornton) unabhängig von einer deutschen Mitfinanzierung des Films erarbeitet hat, wird ein förmliches Feuerwerk der Gefühle entzündet, in das Menschen verwickelt sind, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Am Ende steht Weihnachten vor der Tür - und schon hat der gefügige Zuschauer sein alles verbindendes Element ...

Platz vier: "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" (Donnerstag, 27.12., 20.15 Uhr, ZDF) ist zwar eine Wiederholung, dennoch einer der bombastischsten Filme, die in der Feiertagswoche ausgestrahlt werden. Atmosphärische Superkulisse in Neuseeland, süße Hobbits, erhabene Elben, mutige Menschen, witzige Zwerge, ein garstig mutierter Ex-Hobbit vom Flussvolk, grantelnde Orks, rauschebärtige Zauberer und ein flammender Bösewicht mit seltsamer Vorliebe für Goldschmuck - Peter Jacksons Oscar-überschwemmtes Drei-Stunden-Epos begeistert nicht nur Tolkien-Fans, sondern reißt auch gestandene Fantasy-Verachter in seinen Bann. Für die lange Reise mit Frodo (Elijah Wood), Aragorn (Viggo Mortensen) und Legolas (Orlando Bloom) empfiehlt es sich jedoch, das Fernsehtischchen mit einer großen Portion Elbenbrot oder wahlweise mit den Resten vom Festtagsbraten einzudecken. Teil zwei und drei folgen in den nächsten Wochen.

Platz drei: Ein Déjà-vu? Angriffswelle um Angriffswelle brandet gegen die Feste. Belagerungstürme werden herangewuchtet, Rammen angekarrt, Katapulte abgefeuert. Eine kleine Schar Hoffnungsloser erwehrt sich tapfer eines Riesenheers. Mittendrin im blutigen Schlachtengetümmel: Orlando Bloom. Wer nun die Wiederholung von "Herr der Ringe" vermutet, liegt zwar falsch, muss sich für diesen Fehlgriff aber nicht schämen. Das Einzige, was in dieser Szene Zweifel aufkommen lässt, ist die Haarfarbe von Bloom. Elbenblond war mal. In Ridley Scotts überlanger Kreuzzugs-Mär "Königreich der Himmel" (Sonntag, 23.12., 20.15 Uhr, RTL) trägt der schöne Engländer seine lange Mähne dunkelbraun. Die Mädels sind also bestens versorgt, die Jungs auch. Das Historienepos ist voller Bombast-Momente, wenn gewaltige Heere aufeinandertreffen und Blut, Schweiß und Wüstenstaub in Zeitlupe vor gigantischer Kulisse spritzen. Worum es geht? Ein Schmied (Bloom) wird über gewaltige Umwege der Verteidiger Jerusalems, ein Botschafter zwischen den Kulturen - und glücklich.

Platz zwei: Apropos: Süßes setzt bekanntlich ebenfalls Endorphine frei, aber auch die Free-TV-Premiere "Charlie und die Schokoladenfabrik" (Samstag, 22.12., 20.15 Uhr, Sat.1) stimmt froh. Johnny Depp spielt darin auf wunderbare Weise den exzentrischen, verrückten, einsamen, verstörten und liebenswerten Schokoladenfabrikanten Willy Wonka. Er lädt fünf Kinder in sein Domizil ein. Allerdings müssen die erst noch die goldenen Eintrittskarten finden, die in den Wonka-Tafeln versteckt sind. Ein Marketing-Trick? Nein, es ist, das stellt sich später heraus, der Hilferuf einer einsamen Seele. Tim Burton hat seinen extravaganten Filmspaß einmal mehr in eine skurrile und märchenhafte Bilderwelt verpackt, in der sich vor allem Johnny Depp nach Herzenslust austoben darf. Er macht Wonka zu einem Träumer, der in seiner eigenen Welt lebt, aber selbst dort seinen Platz noch nicht gefunden hat.

Platz eins: "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" (Dienstag, 25.12., 20.15 Uhr, ZDF) - ein grandioser Film, den man nach den ersten beiden Teilen nicht unbedingt erwarten durfte. Zu verdanken hat man diesen düster inszenierten Glücksfall dem mexikanischen Regisseur Alfonso Cuarón. Harrys drittes Jahr auf der Zauberakademie Hogwarts inszenierte er derart furios und temporeich, das dem Zuschauer kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Gleichzeitig gelang Cuarón das Kunststück, alle wichtigen Nebenstränge zu berücksichtigen und die Trickeffekte endlich und zum ersten Mal bei "Harry Potter" ganz in den Dienst des Films zu stellen. Der langsam pubertierende Magier (Daniel Radcliffe) erfährt hier mehr über seine Vergangenheit und seine Eltern. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der rätselhafte Zauberer und Mörder Sirius Black (dämonisch und vielschichtig: Gary Oldman), der aus dem berüchtigten Gefängnis von Askaban ausgebrochen ist und Harry angeblich nach dem Leben trachtet.